Sollingforsten im Umfeld des Hellentals

Klaus A.E. Weber


Die im Umfeld des Hellentals vormals überreichlich vorkommenden Laubwaldbestände wurden einerseits zur Holzverkohlung und als Brennholz, andererseits auch als Bauholz für Neubauten und zur Reparatur genutzt.

Zudem war der Wald zugleich auch landwirtschaftliche Ergänzungsfläche - mit systematischem Raubbau:

  • Weideeintrieb

  • Schweinemast

  • Jagd.

Forstbereisungen in den Jahren 1725-1727 ergaben, dass in der Merxhäuser Forst "der Winkelforst an der Hildesheimischen Grenze vom Dorfe Mackensen durch unzulässiges Hauen und Hüten völlig ruiniert" gewesen sei.[3]

 

Auszug aus dem "Geometrischen Grundriss Der Merxhäuser-Forst

Wie selbiger in Anno 1745 aufgenommen worden von Ludwig August Müller"

mit dem "Winkelforst" im braunschweigischen Solling [2]

 

Der den Südosten des Hellentaler Grundes begrenzende hannoversche Dasselsche Mittelberg soll in den 1730er Jahren einen alten wie jungen Baumbestand an Buchen und Birken aufgewiesen haben.

Die "Gehänge" des Dasseler Mittelberges wiesen um 1735/1736 zwar "kein Stamm nutzbarer Eichen" auf, hingegen aber insgesamt 12.735 "Clafter" [1] = 45.718 m³ Floß-, Brenn- und Kohlholz, wovon die seinerzeit in Anschlag gebrachte, jährliche Consumtion umfasste:

  • Floßholz                   4.000 Clafter   = 14.360 m³

  • Abschlag-/Kohlholz     8.735 Clafter   = 31.358 m³

Soweit anhand historischer Kartenquellen [4] der Forstlichen Standortaufnahmen rekonstruierbar, kann mit Beginn des 17. Jahrhunderts etwa folgende, sich zeitlich wie ökonomisch verändernde Waldnutzung für das Hellental angenommen werden:

Zu Anfang des 17. Jahrhunderts

  • war der Südosthang des heutigen Naturschutzgebietes „Hellental“ gleichmäßig und relativ dicht bestockt

  • höhere Berglagen wurden zur „Hud und Weyde“ (Hutewald) genutzt

  • größere, nicht bestockte Weideflächen lagen am Südwesthang des Großen Ahrensberges (525 m üNN)

  • zudem Hochweide auf der Großen Blöße (528 m üNN).

Innerhalb der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bestand an den Gehängen folgende Bewaldungssituation:

Bergunterhängen, auch am Großen Ahrensberges, herrschte noch ein geschlossener Rotbuchenwald vor; die Oberhänge und Hochlagen waren bereits vielfach „Holtz Blößen“.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gleicht das Waldlandschaftsbild im Wesentlichen etwa dem, wie es sich auch heute noch präsentiert.

An den Unterhängen blieb der Rotbuchenwald erhalten, die „Holtz Blößen“ der Hochlagen wurden standortfremd überwiegend mit Fichten aufgeforstet.

Im 19. Jahrhundert zog die Fichte als "Weihnachtsbaum" in die Häuser der Sollingdörfer ein - in den Forsten als "Brotbaum".

Ursprünglich wohl auch aus Rentabilitätsgründen wurden verschiedene Talwiesenflächen des Hellentales mit dichten Reihen aus Fichten bepflanzt, um „Weihnachtbäume“ zu erhalten.

Dadurch wurde neben dem Landschaftsbild auch die vorbestehende Ökologie erheblich gestört, auch und gerade im 1990 festgesetzten Naturschutzgebiet „Hellental“ und entgegen der Feststellungen des Regionalen Raumordnungsprogrammes.

 


[1] 1 Clafter - Hannover = 3,59 m³.

[2] NLA Staatsarchiv Wolfenbüttel 4 Alt 10 XIV Nr. 2 - Ausschnitt 3 Karte Bl. 2 Teil 2.

[3] TACKE 1943, S. 185.

[4] Karte des Landes Braunschweig im 18. Jahrhundert, Bereich Hellental, aufgenommen 1792; Königlich-preußische Landesaufnahme von 1896, hg. 1898.