Der Weiler "Pilgrim" im Solling

Klaus A.E. Weber

 

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Vom Glashüttenstandort zum beschaulichen Wohnhaus

Das in der Gemarkung Heinade reizvoll versteckt in einem kleinen abgelegenen Seitental des nördlichen Sollings eingebettete Gebäudeensemble (Wohnhaus mit Nebengebäuden) „Pilgrim 1“ liegt inmitten kleiner Wiesen und Weiden - hervorgegangen aus einer 1775 von Schorborn verlegten Filial-Glashütte ("Grüne Hütte").[3][4]

  • 1787 Errichtung weiterer Wohngebäude; vorhanden ein Krug

  • 1793 als Weiler bezeichnet

 

"Die Pilgrims Grund" im "ABRIS DES SOLLINGS. Anno Christi 1603", gefertigt von Johannes Krabbe (1553-1616) [9]

NLA WO, K 202 Blatt 3

 

Der "Pilgrims T"(eich)

Auszug aus dem "Plan des Weser=Districts zum Herzogthum Braunschweig Wolfenbüttel" von 1768 von Johann Heinrich Daniel Gerlach

"Die Gerlachsche Karte des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel (1763-1775)" [8]

NLA WO, K 3 Blatt 5

 

"Die Pilgrims Grund" im "ABRIS DES SOLLINGS. Anno Christi 1603", gefertigt von Johannes Krabbe (1553-1616), ist ein nördliches Sollingrandtal, gelegen onberhalb des Dorfes Heinade.[9]

Am Ende des Tals befindet sich noch heute ein kleiner Naturteich.

Bereits um 1600 wurde im Fürstenberger Erbregister ein "Pellegrinusborn" (Pellegrinusquelle) erwähnt [2], eine historische Benennung, aus der sich vielleicht die spätere Bezeichnung Pilgrim ableiten lassen kann.

Ursprünglich von der Quelle "Pilgrims Born" gespeist, könnte der ehemalige "Pilgrimsteich" nordöstlich von Schießhaus zur Fischzucht gedient haben, wobei es allerdings unbekannt ist, wann, von wem und wozu er angelegt wurde.

In der topografischen Solling-Karte von 1603 wird "Die Pilgrims Grund" als offenes, aber unbesiedeltes Wiesental mit einem Fahrweg dargestellt, flankiert von den Fluren "Der Steinla" und "Im Farkensiik".

Im 18. Jahrhundert ist der "Pilgrims Teich" in der "Gerlachschen Karte des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel (1763-1775) kartiert.[8]

Die Kartografien legen nahe, dass der "Pilgrimsteich" einst erst neuzeitlich zwischen 1600 und 1760 angelegt wurde.

1971 wurde Pilgrim im Rahmen der Kommunalreform nach Heinade eingemeindet.

Zur Geschichte von Pilgrim geben die Veröffentlichungen von TACKE [1], RAULS [7] und BLOSS [2] einen kurz gefassten Überblick.

Mitte 1836 findet sich in den „Braunschweigischen Anzeigen“ die Bezeichnung "Pilgrimsberg".

 

Ortsnamen 

  • um 1600: "Pellegrinusborn"
  • 1603: "Die Pilgrims Grund" (KRABBE)
  • um 1763: "Pilgrims T"(eich) (GERLACH)
  • 1836: "Pilgrimsberg"

In dem Atlas des Gottfried Mascop [5] aus dem Jahr 1574 besteht kein Hinweis auf Pilgrim.

Weitere lexikalische Angaben finden sich bei CASEMIR/OHAINSKI [4].

 

Der pentagonale Pilgrims-Teich │ 1756 [6]

 

Entgegen der Dorfentstehung von Hellental, Schorborn und Mühlenbetg kam es in Pilgrim nicht zur Entwicklung einer dörflichen Siedlung aus der dortigen Grünglashütte heraus [1], einer Filialhütte der Glasmanufaktur Schorborn.

 

LGLN Historische Karte (um 1900)



[1] TACKE 1943, S. 139-140.

[2] BLOSS 1950, S. 31-32.

[3] BLIESCHIES 2007, S. 55-61.

[4] CASEMIR/OHAINSKI 2007, S. 172-173.

[5] OHAINSKI/REITEMEIER 2012.

[6] KRAATZ 1975.

[7] RAULS 1983, S. 319.

[8] ARNOLDT/CASEMIR/OHAINSKI 2006.

[9] Edition: ARNOLDT/CASEMIR/OHAINSKI 2004.