Vielfalt & Eigenart auf kleinstem Raum

Klaus A.E. Weber


Die im Hellental anzutreffenden Biotoptypen und die Vegetation verdeutlichen, das Wiese eben nicht gleich Wiese ist.

Auch das heutige Hellentaler Wiesental beherbergt, von Nahem gesehen, noch eine stattliche Vielzahl sich wechselseitig beeinflussender, unterschiedlicher Pflanzen- und Tiergemeinschaften.

Das waldbedeckte Berg- und Hügelland des Hellentaler Grabens ist ein Gebiet, in dem überwiegend folgende Biotoptypen mit hoher bis sehr hoher Bedeutung für den Schutz von Arten und Lebensgemeinschaften vorkommen:

  • Laubwald überwiegend standortheimischer Baumartenzusammensetzung ohne nähere Zuordnung am Hellental
  • Quellen im Hellental (naturnahe Quellbereiche)
  • Fließgewässer Helle (Verbesserung der naturnahen Fließgewässerstrukturen)
  • Borstgrasrasen im südlichen Hellental
  • Bergwiesenfragment bzw. Anklänge an Bergwiesen mit zwei Beständen westlich von Hellental und am südlichen Ende des Hellentals
  • Grünland (Feucht- und Nassgrünland) einschließlich Kleinsegenrieder im Wiesental/Hellental

Es sind überdies Voraussetzungen für ein Landschaftserleben und erlebnisreiches synästhetisches Landschaftsbild, die einer nachhaltigen Sicherung naturlandschaftlicher Strukturen und lokaler Charakteristika bedürfen.

War das Vorkommen westlich gelegener, siedlungsnaher Ackerflächen in früheren Zeiten von gewisser landwirtschaftlicher Bedeutung (geringes Ertragspotential), so sind sie heute als räumliche Schwerpunkte von Hellental völlig bedeutungslos.

Das ökologische Miteinander einer Reihe von Faktoren, wie Bodenart, Wasser- und Nährstoffangebot, Klima, Nutzung u.a.m. bestimmt die Vielfalt der Standortverhältnisse und somit zugleich die Vielzahl von Pflanzen- und Tiergemeinschaften.

Sind die Standortverhältnisse vielfältig, so ist auch die Landschaft an Tier- und Pflanzengemeinschaften reichhaltiger.

So kann man beispielsweise folgende Vegetationsformen mit verschiedenen botanischen und zoologischen Lebensgemeinschaften eines Wiesentals, wie im Hellental, unterscheiden: Borstgrasrasen, Feuchtwiesen, Glatthaferwiesen, Quellmoore, Bachröhrichte, Sumpfdofterblumen-Wiesen, Magerweiden und Fettweiden.

Gerade das im Hellental noch in wenigen Beständen vorkommende, bedrohte Magergrünland weist Anklänge an Bergwiesen auf.

Die Fichtenforsten haben als naturferner, standortfremder Waldtyp auch im Hellental heimische, natürliche Laubwaldgesellschaften (Rotbuchenwälder) und andere Pflanzenbestände immer mehr verdrängt und hiermit zugleich auch die daran angepasste Tierwelt.

Die Fichtenbestände wurden überwiegend illegal und hauptsächlich auf Grenzertragsstandorten angelegt, wobei es sich heute um 30-50 Jahre alte Erstaufforstungen handelt.

 

Bodeneigenschaft│Wasserhaushalt│Nährstoffgehalt

Die Wiesen des Hellentals mit ihrer Vielfalt der Artenzusammensetzung auf engstem Raum sind vornehmlich von den vorherrschenden Bodeneigenschaften (Wasserhaushalt, Nährstoffgehalt) wie auch von der Bodennutzung abhängig.

 

Standortverhältnisse

Standorte pflanzlicher und tierischer Lebensgemeinschaften eines Wiesentals werden durch ein komplexes Wirken abiotischer und biotischer Elemente, durch eine Vielzahl unterschiedlichster Eigenschaften in ihrer wechselseitigen Kombination mit räumlichen und zeitlichen Veränderungen geprägt, so dass sich entsprechend kleinräumig differenzierte Lebensgemeinschaften von Flora und Fauna ausbilden.

Vorkommende Tier- und Pflanzenarten und ihre Lebensgemeinschaften können durch Eingriffe und Veränderungen ihrer Standorte im Wiesental gefährdet oder gar gänzlich vernichtet werden.

Zu den Gefährdungsursachen zählen hierbei direkte Artenvernichtung (z.B. durch Biozideinsatz), Lebensraumzerstörung und wirtschaftlich orientierte Veränderung der Lebensraumbedingungen (z.B. Entwässerung, Nährstoffanreicherung/Düngung, Intensivierung der Bewirtschaftung).

Der Leitbodentyp des Hellentales ist die basenarme Braunerde bzw. Parabraunerde.

Im höher liegenden Quellgebiet der Helle zum Hochmoor NSG „Mecklenbruch“ hin findet man hingegen den mäßig feuchten Moor-Pseudogley.

Staunasse Böden mit hoch anstehendem, nur wenig bewegtem Grundwasser, periodisch wasserführende Gräben oder Hangquellmoore sind gebietsweise im Wiesental ausgeprägt vorhanden.

So weist das obere Hellental Bodenbereiche mit besonderen grund- oder stauwasserbeeinflussten Standorten auf, die Quellbereiche und Feucht- bzw. Nassgrünländer.

Viele Pflanzenarten im Wiesental zeigen hierbei eine hohe Anpassung an die Feuchtigkeit und Nährstoffversorgung ihres Standortes.

Sie reagieren hingegen aber oft empfindlich auf vielerlei Veränderungen.

Im Hellental finden sich noch heute punktuell Extremstandorte für Pflanzen:

Wasserversorgung

Sie ist meist vom Boden und seinem Untergrund abhängig und bestimmt, ob ein Standort eher trocken oder feucht ist.

Wie im Hellental sichtbar, tritt auf stauenden Unterbodenschichten Grundwasser zutage, wobei sich Hang-Quellmoore mit Kleinseggenriedern und Waldbinsen-Sümpfen bilden können.

Im Mittelpunkt von Quellmooren prägen sich um die Quellen hochspezialisierte Quellfluren- und Zwergbinsengemeinschaften aus.

Ist der Untergrund, wie gebietsweise im Hellental, verkarstet und haben sich Spalten gebildet, so versickert teilweise oder vollständig das Oberflächenwasser (Bachschwinde) und es ist eher trocken.

Die Füllung des Hellentaler Grabens ist im Bereich des Unteren Muschelkalkes gut wasserdurchlässig und wirkt stark entwässernd.

Nährstoffversorgung

Sie entscheidet, ob sich eher ein „magerer“ oder ein „fetter Standort“ ausbildet.

Im Hellental überwiegen nährstoffreichere Standorte, da die Überschwemmungen der Helle und der Quellbäche der Talhänge (je nach Beschaffenheit des Grundwassers) düngend wirken und Nährstoffe mit sich bringen, ein ökologischer Faktor, der auch beim Fleuen (Flößen) im Hellental ausgenutzt wurde.

Entlang von Ufern können sich dadurch nährstoffliebende Bachröhrichte entwickeln.

In jenen Abschnitten des Hellentals, wo es nährstoffreich, feucht oder nass ist, findet man Feuchtwiesen, auch Sumpfdotterblumen-Wiesen benannt.