Die Lepra - „der Sünde Sold“

Klaus A.E. Weber

 

Lepra = Aussatz │ lepros (gr.) = ich schäle mich

  • „Arme Kinder Gottes“
  • der Sünde Sold

 

Altes Testament:

  • 3. Mose 13 - Gesetz über die Feststellung von Aussatz

  • 3. Mose 14 - Gesetz über die Reinigung von Aussätzigen │ Gesetz über Aussatz an Häusern


Die im Mittelalter als Seuche besonders imponierende Lepra gilt als eine der ältesten bekannten, chronisch verlaufenden Infektionskrankheiten, die Haut und Schleimhäute zerstört und zudem Nervenzellen befällt.

Für Infektion mit dem Erreger bedarf es eines langfristigen, engen Sozialkontaktes mit einer infizierten Person.

Die Übertragung geschieht durch Tröpfcheninfektion.

Heutzutage ist eine Lepraerkrankung heilbar.

Dennoch anhaltend große Pandemie: Jährlich ca. 200.000 Neuerkrankungen in 90 Ländern (seit 1954 Welt-Lepra-Tag).

 

Erreger: Mycobacterium leprae │ säurefestes Stäbchen, 30-32° C │ 1873 entdeckt von Gerhard Henrik Hansen (1841-1912)

Lepra-Bakterien entwickeln sich langsamer als der Pesterreger Yersinia pestis: langsame Zellteilung infolge dicker Zellwand │ weniger Mutationen.

Inkubationszeit: 6 Monate bis Jahrzehnte

 

© Historisches Museum Hellental

 

Absonderung aus dem gesellschaftlichen Leben

Mittelalterliche Meldepflicht & „Siechenschau“

 

Lepraschau

Im Mittelalter bestand eine Meldepflicht bei Krankheitsverdacht und Erkrankung.

Eine Schaukommission übernahm dann die „Siechenschau“:

  • Urin-Prüfung: Geschmack

  • barfuß auf kaltem Stein stehen: Polyneuropathie

  • Gesangsübung: Stimmbandknötchen

 

Leprosenhäuser (Siechenhäuser) zur spezifischen Isolation

Aussätzige bzw. Leprakranke galten im 16. Jahrhundert als „tamquam mortuus“, als lebendige Tote, die von der Gemeinschaft ausgestoßen und sozial isoliert wurden.

R. TOEUNER: „Wo die Lepra zuschlug, entstanden nicht Berge von Leichen wie bei der Pest, sondern lebende Leichname.

Zur sozialen Isolierung der „dahinsiechenden“ Kranke bestanden im Rahmen der öffentlichen Gesundheitspflege von Mauern umgebene und außerhalb der Stadtmauern liegende Leprosorien (868 Leprosenhäuser) als Kranken-/Pflegestationen entlang großer Fernhandelsstraßen, an Flussläufen, in Reichs-/Hansestädten und an Wallfahrtstationen.

Aussätzige ohne Leprosorienplatz waren gezwungen als Bettler durchs Land zu ziehen – mit der Lazarus-/Lepraklapper.

 

Typische Stadtviertel-/Straßennamen

  • Gutleutehaus, Gutleutgasse, Frankfurter Gutleutviertel

  • Sondersiechenhaus, Siechenhofstraße, Am Siechenrasen

  • Melatenhaus, Melatenweg, Melatengürtel in Köln

  • St.-Jürgen-Haus

  • Klapperfeld, Kläppergärtchen, Klappergasse (Frankfurt/M.)