Blattern │ Bald hier, bald dort ...

Klaus A.E. Weber

 

Grassierende Pocken

in der Regierungszeit von Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel (1735-1780)

Der Krankheitserreger der Pocken oder Variola (auch Blattern) ist das Pockenvirus (Variola Major), das erst 1906 entdeckt wurde.

Seine Übertragung erfolgte direkt von Mensch zu Mensch, vornehmlich durch Tröpfchen.

Die hohe Ansteckungsfähigkeit war mit einer hohen Sterblichkeitsrate verbunden.

Im Überlebensfall war oft die Entstellung bis zur Unkenntlichkeit die klinische Folge.

In Zentraleuropa kam es im 18. Jahrhundert zur epidemischen wie endemischen Pocken-Ausbreitung, die zu einer Kinderkrankheit mit enormer Sterblichkeit wurde.

Selbst das Habsburger Kaiserhaus blieb nicht verschont.

So erkrankte Maria Theresia (1717-1780) -  älteste Tochter von Kaiser Karl VI. und Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel - im Jahr 1767 an den Pocken, die sie überlebte.

Im selben Jahr erlag ihre 1751 geborene Tochter, die Erzherzogin Maria Josepha von Österreich, einer Pockeninfektion.

Für die hiesige Dorf:Region wurden zwischen 1762–1872 insgesamt 26 Pocken-Sterbefälle in Kirchenbüchern dokumentiert, die ausschließlich Säuglinge, Kleinkinder und Kinder betrafen.

Während des 18./19. Jahrhunderts kam es zur Entwicklung und Durchsetzung der Pocken-Vakzination.

Während der "Franzosenzeit" (1806-1815) wurde die Pockenschutzimpfung als besonders fortschrittliche gesundheitspolitische Maßnahme im Braunschweiger Land durchgeführt.

1979 wurden die Pocken von der Welt­gesund­heits­organi­sation offiziell für ausgerottet erklärt.