Fundobjekte │ Glashütte "Am Lummenborn"

Klaus A.E. Weber

 

▷ Vergl. Fundobjekte der Waldglashütte "Oberes Hellental" {HtGfN 1-1}

 

Maulwurfshügel mit grün gefärbter Flachglasscherbe

Glashütte "Am Lummenborn“ │ 2008

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

I  Objektgruppe Glas {HtGfN 1-2}

 

Im Umkreis der Hüttenanlage fanden sich verschiedenfarbige, unterschiedlich dünn- und dickwandige Glasscherben, hierunter Fragmente grüner Achtkant-Stangengläser mit geriffelter Fadenauflage, entfärbtes (weißes, manganstichiges) Hohl-/Zylinderglas mit passförmiger, glatter Fadenauflage sowie mit geriffelter Fadenauflage wie auch violett und blau gefärbte Hohlglasfragmente.

Zudem waren als Produktionsrelikte dunkelgrün gefärbte Abschläge von Glasmacherpfeifen, dunkelgrün und hellgrün-bläulich gefärbte Glasfäden und Glastropfen, verglaste Hafenscherben unterschiedlicher Wandstärke und verziegelter Lehm und feuergeröteter Buntsandstein (Solling) nachweisbar. 

Stark zerscherbte Oberflächenfunde deuten auf die Herstellung von

  • grün gefärbtem Glas

  • blau gefärbtem Glas

  • farblosem (manganstichigem│diskret grünlich bis hellgrau gefärbtem) Glas

hin.

Dabei sind zeitgenössisch typisch für die regionalen Waldglashütten die Hauptkategorien Hohl- und Flachglas als Glasproduktionen fassbar:

  • Glasfäden und Glastropfen
  • Fragmente hellgrün gefäbter zylindrischer Stangengläser mit geriffelten Fadenauflagen
  • Fragmente hellgrün gefärbter Achtkant-Stangengläser mit geriffelten Fadenauflagen

  • grün gefäbtes Flachglas │ Fensterglas
  • grün gefärbter, wohl fehlgestalteter Flaschenhenkel
  • weiße (transparent, manganstichig), sehr dünnwandige Hohlglasfragmente – mit geriffelter Fadenauflage / mit sehr zarter geriffelter Fadenauflage
  • grün gefärbte Abschläge von Glasmacher-Pfeifen
  • hellgrau gefärbter Glasbrocken
  • durchscheindend blau gefärbtes Glasstück (nicht näher zuordenbar)

 

II  Objektgruppe Metall {HtGfN 1-2}

 

Handgeschmiedete Eisenobjekte  

 

Glasmacher-Werkzeuge

  • Fragment einer langstieligen Schaufel │ Eisen, geschmiedet, korrodiert │ Gewicht: 1.550 g [2]

  • Fragment eines Schöpflöffels mit langem Stiel, vermutlich zum Abschöpfen von Glasgalle bei der Schmelze │ Eisen, geschmiedet, korrodiert │ Gewicht: 760 g [2]

Beim Schmelzprozess zur Erzeugung von Waldglas aus Verunreinigungen entstehende und auf der Oberfläche der Glasschmelze schwimmende, ungeschmolzene, hauptsächlich aus Alkalisulfaten bestehende „Glasgalle“ wurde vom Schmelzer als Abfallprodukt „abgefeimt“, also abgeschöpft.


Fragmente handgeschmiedeter Glasmacher-Werkzeuge  │ Vorder- und Rückseite

Schaufel (g) │ Schöpflöffel (a) - siehe Abbildung

Glashütte "Am Lummenborn“ │ Dezember 2020 [2]

© Historisches Museum Hellental, Fotos: Klaus A.E. Weber


Zeitgenössische Glasmacher-Werkzeuge

Tafelausschnitt aus Diderots Enzyklopädie. Die Bildtafeln 1762-1777 [3]

© Historisches Museum Hellental

 

Hufeisen

  • Falzeisen mit runden Nagellöchern │ Eisen, geschmiedet, korrodiert [2]

 

Werkzeug Axt

  • "Jüngere" Axt │ Eisen, geschmiedet, korrodiert │ Nacken - Schneide: 22,5 cm │ Gewicht: 1.550 g [1]

  • "Ältere" Axt │ Eisen, geschmiedet, korrodiert │ Nacken - Schneide: 17,0 cm │ Gewicht: 1.100 g [1]

 

Unterschiedlich große Äxte mit verschiedenen Wangenformen und Schaftlöchern

Glashütte "Am Lummenborn“ │ 2019 [1]

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Buntmetall

  • Fragment eines handgeschmiedeten Kupferkessels (?)

  • Absperrhahn (?) aus Buntmetall, handbearbeitet

 

Blei

  • Bleiplatte (¼) - Gewicht: 131 g │ Maße: 49 x 52 mm
  • Halbrundes Bleistück mit Schnittspuren (Geschosskugel?) - Gewicht: 24 g │ Durchmesser: 20–22 mm


Bleiobjekte

Glashütte "Am Lummenborn“ │ 2018

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

III  Objektgruppe Keramik {HtGfN 1-2}

 

▷ Technische Keramik

 

Hafenscherben

  • zahlreiche, kleinfragmentierte Hafenscherben und Ofenfragmente

 

Kühlgefäße

  • Scherbe eines Kühlgefäßes

 

▷ Gebrauchskeramik

  • Schalen-Fragmente mit Malhorndekor │ »Weserware«
  • Scherbe brauner, innen glasierter Irdenware (Schale/Schüssel?)
  • Randstück brauner, innen glasierter Irdenware (vermutlich Schüssel │ »Weserware«)
  • Randstück unglasierter, außen grau-schwarz verfärbter Irdenware (vermutlich Kochgefäß)

 

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[1] Begehung durch Dr. Klaus A.E. Weber (Hellental) am 20. September 2019 gemeinsam mit Michael Begemann (Holtensen/Einbeck). Der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Holzminden wurden die beiden Äxte nach ihrer ersten Konservierung am 13. Januar 2019 präsentiert. Fundort des Hufeisens unterhalb des Hauptofens in ca. 30 cm Bodentiefe, etwa 2 m neben den Axtfunden.

[2] Begehung im Dezember 2020 durch Michael Begemann (Holtensen/Einbeck). Fundort unmittelbar unterhalb des Hauptofens in ca. 40-50 cm Bodentiefe.

[3] Tafelausschnitt aus DIDEROTS ENZYKLOPÄDIE. Die Bildtafeln 1762-1777. 1. Bd. Reprint Augsburg 1995, Abb. 2573.