Zum "kulturellen Gedächtnis"

Klaus A.E. Weber

 

Dorf│Acker│Wiese│Wald│Glas

Die im Jahr 2017 neu editierte Webpage des Heimat- und Geschichtsvereins für Heinade-Hellental-Merxhausen möchte öffentliche Beiträge zum "kulturellen Gedächtnis" der Dorfregion Heinade mit Pilgrim, Hellental und Merxhausen leisten - mit den Fokusthemen Dorf│Acker│Wiese│WaldGlas.

 

„Die Zukunft beginnt in der Vergangenheit“ [4]

Die "digitale Ortschronik" umfasst einen orientierenden historischen Rückblick auf das eng mit den jeweiligen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Bedingungen und nachfolgenden Veränderungen verquickte Schicksal der Menschen in der Dorf:Region innerhalb des alten Weserdistrikts im ehemaligen Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel - im alten Land Braunschweig.[5]

Hierbei soll aus dem Blickwinkel unseres modernen Zeitalters gleichsam von unten der „Geschichte vor Ort“ nachgegangen und zugleich der Dorfgeschichte personenbezogen Namen gegeben werden.

Tiefreichende Veränderungen der ländlichen Lebensbedingungen und damit verbunden auch des dörflichen Siedlungsbildes waren durch die demografischen, politischen und ökonomischen Entwicklungen vom 16.-19. Jahrhundert ausgelöst worden.

Angereichert mit alltagsgeschichtlichen Darstellungen werden historische „Skizzen“ von für Heinade, Hellental und Merxhausen wesentlichen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Prozessen der Epochen zwischen 1648-1926 vorangestellt.

Die mehrjährigen historischen Auseinandersetzungen mit der in das überregionale Geschehen, insbesondere aber in die „Geschichtslandschaft Weserbergland“ eingebetteten Dorfgeschichte lässt - frei nach Wilhelm Raabe (1831-1910) – deutlich erkennen:[6]

"Im engsten Ringe – weltweite Dinge".

 

Nach ASSMANN [1] ist ein "kulturelles Gedächtnis" das Ergebnis unablässiger, intensiver kultureller Arbeit - und weiter:

"Die Gesellschaft braucht ein Gedächtnis, wie der Einzelne eins braucht: um zu wissen, wer wir sind und was wir erwarten können, um uns zu orientieren und zu entwickeln."

Dabei ist Kultur "dieses vielstimmige Gespräch über Generationen hinweg, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft durch widerstreitende Erzählungen verbindet".[2]

Wie auch KAPPEN ausführt, birgt Geschichtswissen auch Spekulatives, wobei die Geschichtsschreibung von "unterschiedlichem Kenntnisstand und verschiedenartigen Interpretationen gefärbt" ist.[3]

Um vor diesem Hintergrund die Arbeit am "kulturellen Gedächtnis" zu gestalten, sollen durch "work in progress" Untersuchungsergebnisse auf der Webpage jeweils aktualisiert als Online-Veröffentlichungen publiziert sowie von Ausstellungen und lokalen Aktivitäten begleitet werden:

  • Im Sinne einer Recherche-Plattform werden historische und archäologische, ortsgeschichtliche wie kulturhistorische und naturkundliche Beiträge in einem zeitgemäßen Format allgemein zugänglich gemacht.
  • Die in der Dorf:Rregion eingeleitete „Spurensuche“ soll je nach Stand der historischen (archivalischen) und archäologischen Erkenntnisse und deren Interpretation die dargestellten historischen Betrachtungen und ortsgeschichtlichen Beiträge fortlaufend neu bewerten, überarbeiten und vervollständigen.
  • Regional- und ortsgeschichtlich soll das Leben und Arbeiten von Bauern, Tagelöhnern, Glasmachern, Leinenwebern, Waldarbeitern und anderen Landhandwerkern der Region zwischen Solling und Holzberg erforscht, dokumentiert und vermittelt werden. 

 

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[1] ASSMANN 2018.

[2] Seyla BENHABIB 2016 zitiert in ASSMANN 2018.

[3] KAPPEN 2018, S. 3.

[4] nach HÄNDELER 2005.

[5] Auf Grund ihrer historischen Zugehörigkeit zum Herzogtum Braunschweig und des Zuschnitts der Bezirksreform von 1978 zählen Heinade, Hellental, Merxhausen und Denkiehausen zum Archivsprengel Wolfenbüttel (→ Niedersächsisches Staatsarchiv Wolfenbüttel (NStAWb)).

[6] Titel des Festvortrages des Raabeplakette-Trägers Ministerialdirigent Dr. jur. Thomas Sporn (Hannover) am 11.09.2004 in Eschershausen beim „Zukunftsforum – 175 Jahre Wilhelm Raabe“.