[hmh:special│digital »Familien Haarmann«

Wolfram Grohs │ Klaus A.E. Weber

 

Förster im Solling werden Unternehmer

 

∎ Haus von Direktor Haarmann in Holzminden

Original-Lithografie von Bnb. Geissier-[5]

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Der Name Haarmann in Holzminden

Die Wurzeln der Familien Haarmann in Holzminden, sind seit dem 17./18. Jahrhundert eng mit dem Wald, dem Braunschweigisch-Herzoglichen Forst, dem Solling, verbunden.

In der Stadt Holzminden ist der Name <Haarmann> Bestandteil eines Platzes.

Verdiente Bürger*Innen und herausragende Absolventen der heutigen „Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst“ erhalten den Haarmann-Preis.

Alle beiden Anwendungen des Familiennamens dienen der Erinnerung an die in Holzminden gegründete erste Baugewerkschule nördlich des Mains und ihren Gründer Friedrich Ludwig Haarmann (1798-1864).

Mit einer neuen Straße im Gewerbegebiet <In den Sieken> wird in neuester Zeit nun auch in Holzminden ein anderes Mitglied der großen Familie, der Gründer der Chemischen Werke in Altendorf/Holzminden, Dr. Wilhelm (II) Haarmann (1847-1931), geehrt (später H & R, heute Symrise AG).

 

Haarmann und Höxter

Die Nachbarstadt Höxter ehrt schon lange mit einer <Dr. Wilhelm-Haarmann-Straße> die Bedeutung ihres großen Förderers. Dr. Wilhelm (II) Haarmann war zeitweilig der Bürger in Höxter, der die meisten Steuern zahlte.

Die Straße berührt die ehemalige Haarmann Villa, die 1890 von dem Gründer der Chemischen Werke aus Altendorf/Holzminden in Höxter errichtet worden war.

Dr. Wilhelm (II) Haarmann wurde Ehrenbürger der Stadt Höxter.

Er ruht auf dem Höxterschen Friedhof in einem Ehrengrab.

Die eigentlichen Gründe seiner Umsiedlung mit Familien nach Höxter, in der Mitte des Lebens, sind bisher unbekannt.

 

Ein dritter Vertreter

Ein dritter wichtiger Familien-Vertreter ist für Holzminden nicht weniger interessant, gemeint ist Heinrich Wilhelm (I) Haarmann (1802-1884), der Vater von Wilhelm (II).

Sein Name ist mit dem Holzmindener Gewerbebetrieb „Administration Solling Steinbrüche“ verbunden.

 

Überraschende Verbindungen

1905 heiratet eine Anna Wobeta Isenberg, geboren in Lihue/Hawaii, in Holzminden den Dr. Carl Wilhelm (III) Haarmann ältester Sohn des Firmengründers der Chemischen Werke.

Der Rentner, Carl Isenberg, Vater von Anna Wobeta, hatte mit seinen sieben Töchtern 1894 in Holzminden die Villa an der Wallstraße erbaut/erworben (ehem. Besitzer u. a. Sasse und Bellmer/Kauffmann).

Holzminden war sein Ruhesitz geworden, nachdem er Jahre lang in Hawaii das Zuckerrohrgeschäft betrieben hatte.

In Holzminden zahlte im Jahr 1911 Carl Isenberg die meisten Steuern.

 

„Nachlässe“ in der Stadt Holzminden

Die Namen Haarmann (Taufstein in der Lutherkirche) und Isenberg (Chorfenster in der Lutherkirche) sind 1900 bei der Renovierung der Lutherkirche zu finden.

Durch Kriegsereignisse und spätere Renovierungen sind ihre Spenden aus dem Jahr 1900 leider verschwunden.

Der Taufstein ist heute noch in der alten Friedhofskapelle der Allersheimer Straße als Podest für Urnen zu finden.

Auf den Friedhöfen an der Fürstenberger Straße, der Allersheimer Straße und auf dem Friedhof in Höxter sind Gräber dieser Familien noch in unterschiedlichen Erhaltungszuständen zu finden.

 

Gründer und Teilhaber

Vertreter der weitverzweigten Familien Haarmann waren maßgeblich an der städtebaulichen Entwicklung der Stadt Holzminden beteiligt und traten als Gründer und Teilhaber verschiedenster Unternehmungen auf.[1]

  • Die erste Abbildung zeigt ausgewählte familiäre Zusammenhänge mit wichtigen Personen der Familien Haarmann in Holzminden.[2]

  • In der zweiten Abbildung sind die unternehmerischen Aktivitäten und Interessen von Personen der Haarmann-Familien und der von ihnen gegründeten oder übernommenen Unternehmen aufgezeigt mit Verflechtungen der Wirtschafts- und Finanzinteressen.[2]

 

Glasurfabrik und Mineralmahlwerk in Holzminden

Im Adressbuch der Stadt Holzminden/Altendorf von 1903 firmiert ohne nähere Adressenangabe die „Glasurfabrik und Mineralmahlwerk“; Inhaber ist der Kaufmann Otto (Heinrich August Julius) Haarmann (1850–1909).[3]

 

Noelle & von Campe in Boffzen

Zur Unterstützung der heimischen Industrie wurden 1934 Anteile an seit 1874 unter der Bezeichnung Noelle + von Campe firmierenden Glasfabrik in Höhe von 10.000 Reichsmark von Dr. Wilhelm (III) Haarmann und der damaligen Firma H & R übernommen.[4]

Die Hohlglashütte in Boffzen war 1866 von den drei Unternehmern Heinrich Schmidt, Friedrich Bartling und Heinrich Witte gründen worden und trug damals den Namen Bartling & Co. (Unternehmensgeschichte).

 

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[1] Mehr Informationen enthalten die vervielfältigten Manuskripte des Verfassers, Wolfram Grohs, “Auf den Spuren der Familien Haarmann in der weiteren Region Holzminden“, Holzminden 2014 und „Neben den Spuren der Familien Haarmann – die Familien Isenberg in Holzminden“, Holzminden, 2019 – beide Texte liegen im Stadtarchiv Holzminden vor.

[2] Die beiden Abbildungen sind dem vervielfältigten Manuskript „Auf den Spuren der Familien Haarmann in der weiteren Region Holzminden“ entnommen.

[3] GROHS 2014, S. 84, 98.

[4] GROHS 2014, S. 100.

[5] Buchhandlung und Kunstkabinett Julius Henze, Höxter │ Verlag von C.C. Müllers's Buchhandlung.