W|G|D: Wilddiebe im Solling

Klaus A.E. Weber

 

"Ei so nehm’ ich meine Büchse" - Ein altes Wilddiebslied aus dem Solling

Um 1932 zeichnete Hedwig (genannt Hete) Sievers aus Holzminden-Altendorf privat ein älteres Wilddiebslied aus dem Solling auf und versah es mit Noten.[1][2]

Das Wilddiebslied charakterisiert die harte, unerschrockene und brutale Grundhaltung von Wilddieben gegenüber Recht und Ordnung der damaligen Zeit, repräsentiert u.a. durch die regulären Jäger, Gendarmen und Forstbeamte.

                       

"Wilddiebslied aus dem Solling, aufgezeichnet von Hete Sievers" [1]

 

 

(1)  Ei so nehm’ ich meine Büchse und gehe in den Wald

und will schießen mir ein Hirschlein,

sei es jung oder sei es alt.

 

(2)  Das Hirschlein ist geschossen,

hat sein Füßlein hingestreckt.

Ei, da kamen zwei, drei, vier Jäger,

haben mich in dem Wald erschreckt.

 

(3)  Ei, was tust Du, ei, was machst Du,

junger Jäger, in dem Wald?

Deine wunderschöne Büchse,

die behalt’n wir sobald.

 

(4)  Meine wunderschöne Büchse,

die bekommt Ihr ja nicht,

denn da draußen in dem Wald,

da fürchte ich mich ja nicht.

 

(5)  Ei, so tue ich, ei, so mache ich,

wie’s mein Vater hat gemacht,

denn nach zwei, drei, vier Jägern

hat er gar nichts nachgefragt.

 

(6)  Ei, so nehm’ ich meine Feder,

steck’ sie oben an meinen Hut

und den Hundsfott, den will ich sehen,

der sie mir abnehmen tut.

 

 

Heimlich auf „Pirsch gehen“ │ Wilddieberei im Hellental/Solling

Im Jahr 1804 war mit einem scharf geladenen Gewehr im Merxhäuser Forst am Ahrensberg im Hellental der 1758 in Hellental geborene und bis dato juristisch unauffällige Holzhauer Johann Christoph Greinert als existenziell Not leidender Wilddieb vom Förster Cunitz „zum Schießhause"verhaftet, beim Amt Allersheim abgeliefert und zur Bestrafung nach Wolfenbüttel überstellt worden.

Von dem mit 93 Jahren hoch betagten Oberforstwart Julius Greinert – der 30 Jahre lang das Hellentaler Forstrevier betreute – ist die folgende Erzählung aus dem Solling überliefert:

Eines Tages traf ich im Walde einen Holzfahrer, von dem bekannt war, dass er „ging“. Dies war der Ausdruck für jemanden, der in hellen Nächten heimlich auf „Pirsch ging“.

Ich begrüßte ihn sehr freundlich und begann ein harmloses Gespräch.

Langsam steuerte ich aber bewusst auf mein Ziel los.

Schließlich sagte ich dann, dass ich gehörte hätte, das er in letzter Zeit öfter losgegangen sei und er das lassen solle.

„Was denkst du, was passieren könnte, wenn wir beide Mal aufeinander treffen?“

Darauf habe der Holzfahrer die eiskalte Antwort gegeben:

„Es macht mir gar nichts aus, einen Förster tot zu schießen, und ich setze mich noch auf ihn, um zu frühstücken!“

 

 


[1] Original aus Privatsammlung Schulz-Weber, Hellental.

[2] auch hinterlegt bei SOHNREY 1929, S. 324-325.