"… nun kamen noch Krankheiten hinzu" │ 1846

Klaus A.E. Weber

 

Der Premier-Lieutenant und Steuerrat Justus Heinrich Wilhelm Lohmann, seit 1846 Leiter des Obergrenzbezirkes Stadtoldendorf im Hauptzollamtsbezirk Holzminden, war preußischer Beamter im Herzogtum Braunschweig.

Justus Lohmann (* 09. Juni 1804 - † 27. Mai 1885) hatte zuvor am 12. Juli 1840 in Magdeburg Emilie Pauline Auguste, geb. Cremer, geheiratet.

Den von Justus Lohmann wohl erst um 1880 verfertigten Lebenserinnerungen sind die folgenden zeittypischen Krankheitsschilderungen zu entnehmen:[1]

… Nun kamen noch Krankheiten hinzu.

Zunächst bekamen Marie das Scharlachfieber, und zugleich Justus die Masern um die Osterzeit 1846, dann zu Pfingsten umgekehrt Justus das Scharlachfieber und Marie die Masern, ebenso Anna.

Meine liebe Frau wurde von Rheuma arg geplagt, das sich in Gesichtsschmerz concentrirte.

Auf Anordnung des Arztes Dr. Leitzen wurde sie längere Zeit hindurch, in nasse Tücher eingepackt, mußte 2 Stunden darin liegen und schwitzen, und wurde dann mit einigen Eimern kalten Wassers übergossen, allein das Alles wollte nicht helfen, und zu diesem war durch die scharfen Medikamente, die der Dr. Leitzen verordnet hatte, die Mundfäule und wie gefürchtet wurde, der sog. Wasserkrebs hervorgerufen.

Da war denn eine radikale Kur nothwendig, die darin bestand, daß meine Frau die Soolbäder in Salza bei Magdeburg gebrauchte.

In Begleitung meiner Schwiegermutter und der Schwester Rosamunde gebrauchte nun meine Frau die Soolbäder, Gott sei Dank, mit dem besten Erfolge, und kam nach einer 8wöchigen Abwesenheit gesund und gekräftigt zurück.

Ich war während dieser Zeit mit den 4 Kindern allein, und ein Glück war es, daß wir in der Line Sauerland ein so tüchtiges Mädchen hatten.

Dies war nun aber überstanden, als ich auch noch von der Ruhr heimgesucht wurde, an die sich dann ein Schleimfieber anschloß.

Doch auch das war bald glücklich überstanden, und nur vom Rheuma wurde ich arg heimgesucht, welches ich mir schon in Morsleben und demnächst in Vorsfelde und Helmstedt auf den nächtlichen Postirungen zugezogen hatte.

Ich brauchte dagegen, da die damals sehr empfohlene Rheumatismuskette nicht nachhaltig wirkte, kalte Übergießungen mit Wasser, das unmittelbar aus dem Brunnen gekommen war.

Dieselben fanden statt, indem eine Wanne vor mein Bett gestellt wurde, und dazu 2 bis 3 Eimer Wasser, sodaß ich nun bei Aufstehen in die Wanne trat, mich mit dem Wasser übergoß und wusch und ankleidete.

Dies Manöver habe ich fast 3 Jahre hindurch beinahe täglich exercirt, und wurde dadurch von dem Rheuma befreit.“

 

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[1] LOHMANN/GECK 2009 – dankenswerterweise überlassener 13seitiger Auszug aus den Lebenserinnerungen des Justus Heinrich Wilhelm Lohmann (1804-1885).