Herrenhaus - Herrschaftliches Gebäude №1

Klaus A.E. Weber

 

"Das hervorstechendste Haus des Dorfes"[3]

Das "Herrn Hauß" der Schorborner Glasmanufaktur │ später "Altes Forsthaus"

In dem stattlichen Herrenhaus wohnten ab 1744 die jeweiligen staatlichen Hüttenverwalter und später die privaten Pächter.

Trotz mehrfacher Umnutzung des ehemals herrschaftlichen Gebäudes sind noch heute typische Architekturformen und Details seiner Bauzeit zur Mitte des 18. Jahrhunderts erkennbar.

 

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber │ Mai 2019


© Zeichnung von Curt Sauermilch │ um 1950 [1]

 

Nach TACKE [2] zählten zu der 1745 erbauten Glashüttenanlage auch das Herrenhaus mit der "№1", ein zweigeschossiges Fachwerkgebäude mit raumsparendem Mansardendach.

Das Herrenhaus war als erstes Gebäude in der Fluchtlinie der "Langen Reihe" errichtetet worden.

Es war der Wohnsitz des Administrators (staatlicher Verwalter) Johann Heinrich Nagel (~1709-1751), dem die erste Hüttenverwaltung über 12 Jahre - 1744 bis 1756 - oblag.[4]

 

Stunden- & Läutglocke

Nach den Ausführungen von OHLMS [6] befand sich auf dem Dachboden unter dem Mansardenwalmdach des Herrenhauses "eine Uhr Kammer von büchen Holtz".

In dem Uhrenkasten aus Buchenholz stand "eine große eiserne Stunde Uhr welches außer dem Dache mit einem Uhrzeiger versehen ist".

"Über der Uhr Kammer hanget außer dem Dache eine Glocke von gewöhnlichen Metall 14 Zoll hoch und unten 14 Zoll breit; ist anno 1747 gegossen".

Die eine Glockenseite trug die Inschrift mit dem Namen des Hüttenverwalters: "Johann Heinrich Nagel",

Die Glocke ist später geborsten.

"Auf derselben henget ein eiserner Hammer welcher die Stunden anschlägt".

"Außerdem aber wird diese Glocke auch mit zum Läuten gebrauchet.".Zudem wurde der Eisenhammer

 

Die alte, aber nicht ursprüngliche Sandsteintreppe │ vor der Sanierung │ Oktober 2015

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Imposante Sandsteintreppe - mit Gefängnis

Wie RAULS [3] ausführt, gelangte man von dem Herrenhaus über die Treppe "durch den Terrassengarten auf geradem Wege zum oberen Eingang der Hütte".

Die ursprüngliche Sandsteintreppe war 9 Fuß (2,6 m) hoch und 56 Fuß (16,5 m) lang, wobei sich ehemals an der Nordseite 16 und an der Südseite sechs "gehauene Tritte" befunden haben.[6]

Das Eisengeländer bestand aus neun Pfosten und zwei Geländerstangen, welche beiderseits die treppen herunter gegangen sind.

Der "Auftritt" war mit Platten aus Sollingbuntsandstein belegt.

Unter der Treppe befand sich ein "gewölbtes Gefängnis", verschlossen mit einer "Tannen Thür".[6]

 

Garten neben & hinter dem Herrenhaus

"Ein Garten vor dem Herren Hause ... ist in 6 gemauerte Terassen eingetheilet.

In der Mitte desselben gehet eine steinerne Treppe durch jede.

Dieser Garten ist von 3 Seiten mit einer Mauer und auf selbiger mit einem Stacket von Eichen Holtze umgeben.

Es werden 2 Linden vor und zwei Linden hinter dem Herren Haus erwähnt."[6]

 

Die sechs Gartenterrassen mit mittelständiger Treppe │ Mai 2019

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

"№1. Herrenhaus" │ um 1795

Auszug aus dem "Plan der Glashütte zu Schorborn 1795"

NLA WO, 50 Neu 4 Nr. 3637


Trotz mehrfacher Umnutzung weist das erhaltene, zwischenzeitlich als Forsthaus genutzte Gebäude, noch typische Architekturformen und Details der bürgerlich-barocken Bauzeit.

Ein Schuppen, ein Kuhstall und ein Backhaus zählten zum Bestand des Herrenhauses.

 

© Zeichnung von Curt Sauermilch │ um 1950 [1]


© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber │ Oktober 2018

 

Das alte Forsthaus

Heimatkundliche Skizze mit Teilansocht des Alten Forsthauses

© Historisches Museum Hellental

 

Ehemaliges Forsthaus │ um 1980  [5]

 

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[1] Zeichnung von Curt Sauermilch (Holzminden) in BLOSS 1950a, S. 34 Abb. 3.

[2] TACKE 1943, S. 139.

[3] RAULS 1983, S. 317.

[4] NÄGELER 2013, Nr. 913.

[5] Fotos aus RAULS 1983, Anhang.

[6] OHLMS 2006, S. 8.