Exkurs: Glashütten in der Deister-Süntel-Osterwald-Region im Weserbergland

Klaus A.E. Weber

 

Ehemaliges Glashüttengebäude „Am Kleinen Süntel“, ab 1755/1756 │ ab 1776 als Fabrikantenhaus (Herrenhaus) genutzt [1]

heute Teil des Senioren-Domizils │ Mai 2013

 

Die "Brandt-Kohlen" als Energieträger für die Glasschmelze

Mehr und mehr ersetzte in der Jahrhunderte währenden Glasgeschichte des Weserberglandes die Steinkohle den traditionellen Brennstoff Holz bei der Glasgewinnung, kontinuierlich beginnend in den Mittelgebirgszügen der Deister-Süntel-Ostwald-Region.[9]

Glastechnisch innovativ, weil kohlebasiert, finden sich benachbart in der Deister-Süntel-Ostwald-Region Glashüttengründungen - erstmalig im 17. Jahrhundert in Klein Süntel.

Jener Glashütte folgte seit 1701 die Glashütte Osterwald, die ab 1710 das für seine Qualität geschätzte Lauensteiner (Prunk-)Glas für den hannoverschen Hof und das Kurfürstentum Hannover produzierte.

 

Glashütten in der Deister-Süntel-Osterwald-Region [2][3]

 

Region Stadt Bad Münder

 

Region Gemeinde Wennigsen

 

Region Flecken Salzhemmendorf

 

Region Stadt Hannover

 

 

Neuzeitliche Glashütte „Am Kleinen Süntel“

Geophysikalische Messung auf das Grabungs-Areal (2012)

Britische Archäologie-Studenten bei der Testgrabung

Mai 2013

 

Glashütte „Am Kleinen Süntel“ (~1620-1886) - älteste Glashütte im Deister-Süntel-Raum [4]

Auswertung der Befunde und Funde der glasarchäologischen Grabung auf dem Gelände der ehemaligen Glashütte „Am Kleinen Süntel“ - Abschlussbericht │ Vorgelegt vom Forum Glas Bad Münder e.V. [1]

 

In der Glashütte „Am Kleinen Süntel“ hergestellte Hannoversche Bouteillen mit Flaschensiegeln

Ausstellung am Grabungsort │ Mai 2013

 

Metallmontiertes Zuckergefäß aus versilbertem Messing mit Glaseinsatz

Glashütte „Am Kleinen Süntel“ │ um 1900

Museum Bad Münder


Glashütte Münder (1841-1926)

In Nachfolge des Hüttenbesitzers Mönnich übernahm im Jahr 1843 in der Stadt der Salzsieder ("Söltjer" genannt) und Ackerbürger Johann Ernst Friedrich Wilhelm Seebaß (1810-1877) von der Braunschweigischen Glasmanufaktur Schorborn, ältester Sohn von "Commerzienrath" Seebaß, als Pächter die 1841 gegründete Glashütte Münder (1841-1926).[7] 

Aus glastechnischen Gründen wurde zunächst ausschließlich Hohlglas, später auch Tafelglas hergestellt.

Obgleich ehemalige, erfahrene Hüttenbetreiber örtlich anstehende Steinkohle als Energieträger benutzten, verwendete Seebass hingegen wieder Holz als Brennstoff, wodurch die traditionelle Holzbefeuerung vorübergehend eine Renaissance erfuhr.

Auch setzte Seebaß an Stelle des Glaubersalzes Soda als Flussmittel bei der Glasherstellung ein, wobei er 1843 nachweislich Soda aus Kassel einführte.[10]

Als Inhaber gab schließlich Seebaß 1859 die Mündener Glashütte auf und arbeitete fortan als Direktor in einer Glashütte in Finnland. 

Der auf der Schorborner Glashütte geborene Heinrich Paff ist als Glasmacher in Münden genealogisch erfasst.[8]

 

Söltjerbrunnen in der Marktstraße von Bad Münder

 

֍ Glas in Bad Münder – Kinder entdecken ein Kulturgut

Schüler*innen der Film AG der Grundschule Bad Münder produzierten in enger Zusammenarbeit mit dem Forum Glas e.V. einen rund 12-minütigen Dokumentarfilm (Mai 2019) in dem das Thema „Glas“ im Mittelpunkt steht.

 

 

Fotografien: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

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[1] STEPPUHN/VOHN-FORTAGNE 2019, S. 14; VOHN-FORTAGNE 2016, S. 49 Abb. 37.

[2] STEPPUHN/VOHN-FORTAGNE 2019, S. 6.

[3] VOHN-FORTAGNE 2016, S. 10 Abb. 1.

[4] VOHN-FORTAGNE 2016, S. 12-66.

[5] VOHN-FORTAGNE 2016, S. 67-130.

[6] VOHN-FORTAGNE 2016, S. 131-166.

[7] VOHN-FORTAGNE 2016, S. 71-75, 173, 178-179.

[8] NÄGELER 2013, Datensatz-Nr. 970.

[9] VOHN-FORTAGNE 2016, S. 9, 15, 171-177.

[10] VOHN-FORTAGNE 2016, S. 182.