Von der Sau zur Wurst - damals

Klaus A.E. Weber

 

Hausschlachtung: Station 2 + Station 8

Zu drüheren Zeiten gehörte das Schlachten von Schweinen im Winter zum Landleben dazu.

Die jährliche Hausschlachtung im "Sollinghaus" erfolgte im vorderen Bereich der Tenne - bei offenem Scheunentor.

 

"Windenbaum"

Der runde Fichtenstamm weist eine Länge von 3,26 m auf.

Oberhalb des Scheunentors in der Tenne befestigt, diente der „Windenbaum“ bei der Hausschlachtung zum Hochziehen eines bis zu vier Zentner (200 kg) schweren, geschabten Schweins mit Seilen für das folgende Ausnehmen.

 

 

© Historisches Museum Hellental, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Borstenvieh und Schweinespeck 

Hausschlachtung in Hellental │ 1940er-1950er Jahre

In Hellental nahm früher die jährliche Hausschlachtung einen sehr hohen Stellenwert ein.

Die Hausschlachtung diente dem familiären Eigenbedarf – einzig und allein durch selbst aufgezogene Schweine.

Die Hausschlachtung in Hellental war zumeist eine Schlachtung von Schweinen - außerhalb einer gewerblichen Schlachtstätte.

 

⊚ Zum Anklicken

Hausschlachtung unter freiem Himmel in Hellental │ 1940er Jahre

© Historisches Museum Hellental

 

Die Hausschlachtung erfolgte durch einen Metzger (Schlachter) - in der Regel im Hause des Schweinebesitzers.

Die Schweine waren dann schlachtreif, wenn sie etwa acht Monate alt waren und gute 100 Kilogramm wogen.

Das erschlachtete Fleisch und die hergestellten Würste wurden ausschließlich im eigenen Haushalt verwendet.

Es galten beim Hausschlachten in Hellental strikt einzuhaltende Grundregeln:

  • Sowie das Schwein am Haken hängt, wird erst einmal eingeschenkt.

  • Frauen haben sich aus der Sichtweite zu entfernen, aber in Rufweite aufzuhalten!

Der Schlachter legte sein Messer zur Seite, wenn er keinen Schnaps bekam.

Die Schweinsblase wurde umgedreht, aufgeblasen und am Kessel ins Wasser gehängt.

Nachmittags wurde dann Wurst gemacht.

 

 

Hausschlachtung mit dem Schlachter August Timmermann │ 1940er Jahre

© Historisches Museum Hellental


Schlachtutensilien

  • Eimer und Schüsseln

  • Fleischhaken

  • Schabglocke

  • Schlachtbank

  • Schlachtmesser

  • Schlachtmollen

  • Schneidebretter

  • Spalter

 

∎ Schlachtmollen (Mengmulden)

Blut-/Stechmolle │ Lindenholz

Herstellung: Otto Gehrmann

1930er Jahre │ Hellental

 

∎ Schöpflöffel und Heber/Schleif

Schöpf- & Eintauchwerkzeug │ Lindenholz

1930er Jahre │ Hellental

 

Willi Lessmann und Theo Mengler beim "Wolfen" │ 1950er Jahre

© Historisches Museum Hellental

 

∎ Fleischwolf

zum Zerkleinern und Vermengen (»Wolfen«)

Nr. 32 Fleischereimaschine │ Gusseisen, Emaille, Holz

Alexanderwerk Remscheid │ 1950er Jahre

Fleischwolf aus dem Haushalt von B. Hanisch, Dassel-Mackensen

Schwungrad von W. Lessmann, Hellental

 

Schlachtbank

Buchenholz │ Haus Hempel │ 1950er Jahre

Wie Schnittspuren auf der Schlachtbank zeigen, wurden auf dem Holztisch Fleischstücke beim Schlachten eines Hausschweines zerteilt.

 

∎ Mobile mechanische Dosenverschließmaschine

für Konservendosen aus Blech zur Konservierung von Wurstmasse

Bördelmaschine │ Falzmaschine aus Bevern │ 1970er Jahre

Gusseisen, Stahl

Bei Hausschlachtungen wurden seit den 1930er Jahren kleine mobile mechanische Dosenverschließmaschinen zum Verschluss von Konservendosen benutzt, die der Schlachter mitbrachte.

Dosen wurden vorwiegend zur Konservierung von Wurstmasse verwendet.

 

Kleine „Gröppen“ und Emaile-Sieb zur Blutverarbeitung

 

Wurst der Nation [1]

Bei der Geschichte der Schweiz geht es auch um die Wurst.

Ob Nationalgericht oder globalisierter Cervelat: Drin steckt einiges an helvetischer Identität. 

 

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[1] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 23. April 2021 von Hannes Mangold, Kulturwissenschaftler, Vermittler und Ausstellungsmacher.