W|G|D 6.0 Glas & Medizin

Klaus A.E. Weber

 

Beobachtung durch Glaslinsen: Lichtmikroskope │ um 1600 entwickelt


Um 1903 von Wilhelm Schattenberg im Schaubezirk Merxhausen verwendetes Reise-Trichinen-Mikroskop (17,5 cm hohes Lichtmikroskop mit kleinem Objekttisch). Die Innenseite des mit blauer Stempelfarbe befleckten oberen Kastendeckels weist Inschriften auf, aus denen hervorgeht, dass das Mikroskop von H. Schulze in Stadtoldendorf bezogen und am 5.11.1899 vom herzoglichen Kreistierarzt Dr. Fischer für „gut“ befunden und damit zugelassen wurde.[1]

 

Trichinellose│„Trichinenkrankheit“

Die noch heute weltweit verbreitete, parasitäre Infektionskrankheit wird durch einen Fadenwurm (Trichinella spiralis) verursacht, übertragen beim Verzehr von trichinenhaltigem rohem oder unzureichend erhitztem Fleisch.

Verordneter „Trichinenschauzwang“ im Land Braunschweig:

Schutz des Publikums gegen den Genuss trichinenhaltigen Schweine- und Wildschweinefleisches

1866 trat im Herzogtum Braunschweig das Gesetz „betreffend den Schutz des Publikums gegen den Genuss trichinenhaltigen Schweinefleisches“ in Kraft.

Demzufolge war jedes geschlachtete Hausschwein von einem amtlich bestellten Trichinenschauer auf die „Trichinenfreiheit“ zu untersuchen.

Hierfür entnahm der Trichinenschauer bei dem Schlachttier (Haus- oder Wildschweine sowie bei hausgeschlachteten Hunden) etwa bohnengroße Fleischproben aus vier verschiedenen Körperstellen:

  • ZwerchfellpfeilerRippenteile des ZwerchfellsKehlkopf- und Zungenmuskeln“.

Zur mikroskopischen Untersuchung bereitete der Trichinenschauer aus den Probestücken haferkorngroße Fleischstückchen vor, um daraus Quetschpräparate anzufertigen.

Danach musterte er jedes Präparat sorgfältig durch und dokumentierte seine Untersuchungsergebnisse in einem vorgeschriebenen „Tagebuch“.

Später wurde dann die amtliche Fleischbeschau eingeführt.

 

∎ Trichinen-Mikroskop │ um 1900

Das ausgestellte Reise-Lichtmikroskop wurde von dem als Trichinenschauer bestellten Schuhmacher Wilhelm Schattenberg (1873-1956) im ehemaligen Schaubezirk Merxhausen verwendet.

Die Innenseite des Kastendeckels weist aus, dass das Mikroskop von H. Schulze in Stadtoldendorf bezogen und am 05.11.(18)99 von Dr. Fischer -  Herzogliche Kreisdirektion Holzminden - für „gut“ befunden wurde.

Zur Trichinenuntersuchung waren standardisiert weitere „Hülfsinstrumente“ vorgegeben, wie beispielsweise als Objektträger zwei „Kompressorien“ aus durch Schrauben gegeneinander zusammendrückbaren Glasplatten.

 

 

Fotografie:

© Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] Exponat im Sammlungsbestand des HISTORISCHEN MUSEUMS HELLENTAL │ Mikroskop und Schrifttum dem Heimat- und Geschichtsverein für Heinade-Hellental-Merxhausen dankenswerterweise von Herrn Günther Schattenberg (Merxhausen) übereignet.