Migration als Folge des Zweiten Weltkrieges (1939-1945)

Klaus A.E. Weber

 

  • Geflüchtete│Ausgewiesene│Evakuierte│Rückwandernde│Vertriebene│Displaced Persons

  • Entlassene Kriegsgefangene

Das auf Anordnung der britischen Militärverwaltung am 20. September 1945 in der britischen Besatzungszone eröffnete Durchgangslager Friedland war Folge des vom Deutschen Reich begonnenen und als Vernichtungskrieg geführten Zweiten Weltkrieges, der 60 Millionen Menschen das Leben kostete und am Ende zur massenhaften Zwangsmigration führte.

Mit zwei großen Entlassungsaktionen werden zwischen 1953 und 1956 die letzten deutschen Kriegsgefangenen von der Sowjetunion entlassen und betreten die medial als ein politisches und gesellschaftliches Großereignis inszenierte „Bühne Friedland“.

Dabei wird nur selten die individuelle Rolle im Zweiten Weltkrieg und in der Zeit des Nationalsozialismus öffentlich thematisiert.

 

Museum Friedland - Abschied │ Ankunft │ Neubeginn

 

Holzkoffer des „Letzten Heimkehrers“

Wie die meisten entlassenen Kriegsgefangenen kam der 1902 in Lassek (Kreis Posen) geborene Wilhelm Schulz, ehemals Besitzer eines Bauernhofes in Heinzendorf, mit einem einfachen Holzkoffer im Grenzdurchgangslager Friedland an.

Häufig dienten Holzkoffer während der Internierung in der Sowjetunion als Ersatz für einen Spind.

Der um 1945 als verurteilter „Zivilinternierter“ aus einem sowjetischen Internierungslager im Januar 1956 entlassene Wilhelm Schulz durchlief hier den Aufnahmeprozess:

  • Kontrolle │ Erfassung/Registrierung │ Versorgung/Betreuung/Gesundheitskontrolle │ Weiterleitung.

In Ermangelung eines neuen „richtigen, anständigen Koffers“ gelangte der Landwirt im Februar 1956 mit dem hier ausgestellten Sperrholzkoffer in die Gemeinde Hellental, wo ein familiärer Anschluss bestand.

 

Postbeutel als „Reisesack“ bei der Flucht

Im Zweiten Weltkrieg benutzte die 1896 im Kreis Leobschütz │preußische Provinz Schlesien geborene Agnes Kopp (geb. Fuchs) den präsentierten alten bedruckten Leinenpostbeutel mit dem Aufdruck:

  • K. P. A. / Breslau. / 1913 [Königlich Preußische Postanstalt in Breslau]

bei ihrer Flucht aus dem Kreis Leobschütz bis nach Stadtoldendorf. 

Am 24. März 1945 war Leobschütz von der sowjetischen Roten Armee besetzt und infolge von Kampfhandlungen teils zerstört worden.

 

 

Fotografie: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental