Braunschweiger Revolution & Republik 1918/1919 │ Freistaat Braunschweig 1918-1946

Klaus A.E. Weber

 

Mit der Abschaffung der Monarchien 1918 und infolge der kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs entflammten Novemberrevolution in Braunschweig blieb Braunschweig ein eigenständiges "nichtpreußisches" Land, in dem dann 1923 eine neue Verfassung erlassen wurde und sich das Land zum „Freistaat Braunschweig“ etablierte.

 

Die spektakuläre Braunschweiger Revolution von 1918/1919

In jener Zeit der Novemberrevolution in Braunschweig lebte etwa ein Drittel der braunschweigischen Landesbevölkerung (ca. 500.000 Menschen) in der Hauptstadt Braunschweig.

Die dortige sozialdemokratische Bewegung war seit der aufkommenden Industrialisierung wesentlich radikaler als jene in Hannover und Linden.

Die Braunschweiger Mehrheit ging während der reichsweiten Spaltung der SPD 1917 zur neugegründeten Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD).

Nachdem am 06. November 1918 in Braunschweig ein Arbeiter- und Soldatenrat gegründet worden war, unterzeichnete Herzog Ernst August zwei Tage später, am 08. November, unter dem Druck der vor das Schloss aufziehenden Menschenmassen die ihm vorgelegte Abdankungsurkunden.

Er verzichtete damit zugleich für sich und seine Nachkommen auf den Thron.

 

„Sozialistische Republik Braunschweig“ von 1918/1919

Nachdem Herzog Ernst August am 08. November 1918 abgedankt hatte, wurde die „Sozialistische Republik Braunschweig“ ausgerufen, verbunden mit der Hoffnung, eine proletarisch-sozialistische Musterrepublik zu schaffen.

Nachdem auch „der Letzte“ Kaiser Wilhelm II. tags darauf, am 09. November, abdankte und der Kronprinz wie auch die übrigen deutschen Fürsten allen Regierungansprüchen entsagten, gab es – bei einem alten zerrütteten politischen System - in Braunschweig keinen Widerstand gegen die beiden zusammengebrochenen Monarchien. 

Am 09. November 1918 wurde auch in Holzminden mittels "Bekanntmachung" ein "Arbeiter- und Soldatenrat für die Stadt Holzminden" gebildet - allerdings für eine "Revolution für Ruhe, Ordnung und Sicherheit".[6][7] 

August Merges (1870-1945) wurde am 10. November 1918 zum Präsidenten der „Republik Braunschweig“ ausgerufen.

Radikale linke politische Kräfte, die „Spartakisten“, bewirkten am 09. April 1919 im Land Braunschweig einen Generalstreik; am 11. April 1919 war auch in Holzminden ein "Aufruf zum Generalstreik!" des "Aktions-Ausschusses" an die Arbeiter und Arbeiterinnen Holzmindens erfolgt.[20]

Ihm folgte ein Streik des Mittelstandes und der Beamten.

Das Bürgertum reagierte mit einem Gegenstreik.

Da hierdurch ein Bürgerkrieg zu entstehen drohte, wurde von der Reichsregierung am 13. April der Ausnahme- rsp. Belagerungszustand über das Land Braunschweig verhängt.

Schließlich zogen wenige Tage später, am 17. April, unter dem Generalmajor Georg Ludwig Rudolf Maercker (1865-1924) Regierungstruppen in Braunschweig ein und erklärten kurzerhand die Regierung der „Republik Braunschweig“ für abgesetzt.

Mit der Wahl von Josef „Sepp“ Oerter (1870-1928) zum Ministerpräsidenten erlangte zunächst ein Vertreter der USPD Regierungsverantwortung.

Schließlich erhielt Braunschweig 1921 eine republikanische Verfassung und erklärte sich zum Freistaat.

In jener Zeit spielte zeitweilig der Sozialdemokrat Heinrich Jasper (1875-1945) eine frührende Rolle.[5]

 

Freistaat Braunschweig 1918-1946

Mit der „November-Revolution“ in Braunschweig war vorübergehend eine „sozialistische Republik“ entstanden, der 1918 als eigenständiges  Land der Freistaat Braunschweig folgte, der später 1946 im Land Niedersachsen aufgehen sollte.[1]

Als Freistaat erhielt Braunschweig am 06. Januar 1922 eine neue demokratische Verfassung.

Am 16. Juni 1925 wies der Freistaat Braunschweig mit seinen Kreisen

  • Braunschweig,

  • Helmstedt,

  • Wolfenbüttel,

  • Holzminden [9],

  • Gandersheim

  • und Blankenburg

insgesamt eine Fläche von 3.672,05 km² mit einer Wohnbevölkerung von 501.875 Einwohner*innen auf, wobei der Kreis Holzminden eine Fläche von 584,11 km² mit 50.898 Einwohner*innen umfasste.[2]

Ein Hauptteil von sechs Hauptteilen des Freistaates Braunschweig bildete dabei der "Weserteil zwischen Harz, Seesen und Weser" mit 1.111 km² und den Kreisen Gandersheim und Holzminden, umgeben von der Provinz Hannover und Provinz Westfalen.[3]

In "der politischen Zerrissenheit Niedersachsens" betrug 1925 die Grenzlänge des Freistaates 1.389 km - "gegen" die Regierungsbezirke Hildesheim, Hannover, Lüneburg und Stade.[4]

 

Forstwesen im Freistaat Braunschweig [8]

Im Land Braunschweig oblag 1931 dem Staat die Forstaufsicht über die Gemeindeverwaltung.

Hierbei erstreckte sich die Forsthoheit auf Gemeinde und Interessetenforsten, wie auch auf alle im Lagerbuch erfassten Privatfosten.

Die Regierung konnte in jenen Privatforsten "allgemeine Untersuchungen über die Waldpflege und die Verwirtschaftung anstellen".

 

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[1] JARCK/SCHILDT 2000.

[2] DENKSCHRIFT NIEDERSACHSEN 1929, S.11.  

[3] DENKSCHRIFT NIEDERSACHSEN 1929, S.14.

[4] DENKSCHRIFT NIEDERSACHSEN 1929, S.29, 34.

[5] HAUPTMEYER 2004, S. 115 ff.

[6] MÜNTEFERING 2019.

[7] KRETSCHMER 1981, S.504-510.  

[8] DENKSCHRIFT NIEDERSACHSEN 1931, S. 108. 

[9] DENKSCHRIFT NIEDERSACHSEN 1931, S. 306.