Glas in der vorrömischen Eisenzeit │ Kelten

Klaus A.E. Weber

 

Die Tapferen [9]

Als „die Tapferen“ wurden die Kelten von griechischen und römischen Chronisten genannt.

Sie waren aber nicht nur tapfere Kämpfer, sondern auch geschickte Händler.

Ihr Haupthandelsgut war Metall.

 

"Made in Basel"

  • Keltische Töpferware │ 1. Jh. v. Chr.
  • Qualitätsvolle feinkeramische, kugelige Flasche mit Verzierung │ Spätlatènezeit │ ca. 150-80 v. Chr.

unten tongrundig belassen, oben weiße Bemalung mit ursprünglich fast schwarzem Sepiamuster

Historisches Museum Basel Barfüsserkirche

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Die seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. in griechischen und römischen Quellen genannten Kelten umfassten verschiedene Volksstämme mit einer ausgeprägten Kultur und hochentwickelten sozialen Struktur, wie archäologische Funde belegen.

Wie hallstadtzeitliche Gräberfelder zeigten, fanden in der älteren vorrömischen Eisenzeit, während der Hallstadtzeit, meist sehr kleine "Noppenperlen" mit kleinsten kugeligen oder halbkugeligen Applikationen (Noppen) Verwedung.[7] 

Als mitteleuropäische Epoche der jüngeren vorrömischen Eisenzeit imponiert in der Folge die Latènezeit (La-Tène-Zeit).

Die Kelten gelten nicht nur als geschickte Handwerker, sondern auch als Grenzen überschreitende Händler.

Einzigartige archäologische Funde machen bereits um 500 v. Chr. im Oppidum von Manching im süddeutschen Raum verschiedenfarbige Glasgegenstände (Ringperlen, Armreifen) in einer der größten und bedeutensten Keltenstädte Mitteleuropas fassbar.[6]

kelten römer museum manching

 

  • Keltische Glasarmringe und Glasperlenkette als "diesseitiges Mitbringsel" │ 150-80 v. Chr.
  • Vollständige Armringe aus blauem und klarem Glas

Latènezeitliche Fundstelle Basel-Gasfabrik am Rheinknie

Historisches Museum Basel Barfüsserkirche

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Die Kelten waren Träger jener Latènekultur, zu deren Besonderheiten Schmuckstücke in keltischer Formensprache aus Glas zählten, wie Finger-, Glasarm- und Scheibenhalsringe und Ringperlen.

Scheibenhalsringe mit farbigen (opak roten) Glasperlen finden sich insbesondere in der Rheinebene zwischen Basel und dem Main (Elsass, Lothringen, Pfalz, Rheinhessen).[1]

  • Scheibenhalsring von Eguisheim, Haut-Rhin │ Kupferlegierung, opak rote Glasperle, ursprünglich wohl Emaille-Einlagen │ Frühe Latènezeit │ Ende 4. Jh. v. Chr. │ Musée Unterlinden, Colmar [1]

Wie auch archäologische Gräberfelduntersuchungen im Kanton Stadt Basel (Basel-Gasfabrik) am Rheinknie ergaben, brachte das hochstehende keltische Handwerk eine perfekt ausgereifte Glasverarbeitung hervor.[2]

Dabei beherrschten keltische Glasmacher das Färben oder Entfärbung der Glasmasse, indem sie der Glasschmelze spezifische Mineralien zusetzten:

  • tiefes Blau │ Rotviolett │ Grün │ Gelb │ Braun.

Hiervon zeugen Hunderte aus verschiedenfarbigem Glas hergestellte Perlen mit gelben oder weißen Fadenauflagen, zudem kunstvolle, gefärbte oder entfärbte Glasarmringe, die zumeist von Frauen am Oberarm getragen wurden.

 

Glasarmringe

Gräberfelder Basel-Gasfabrik │ Spätlatènezeit │ ca. 150-80 v. Chr. [3]

  • Fünfrippiger, ganz erhaltener Armring aus klarem Glas │ Innenseite aufgeschmeolzene gelbe, opake Glasfolie

  • Vollständiger Armring aus purpurnem Glas │ dreieckiger Querschnitt
  • Vollständiger Armring aus blauem Glas │ dreieckiger Querschnitt

 

Glasperlen

Gräberfelder Basel-Gasfabrik │ Spätlatènezeit │ ca. 150-80 v. Chr. [4]

  • Ganz erhaltene Glasperle aus klarem, leicht grünlichem Glas │ D-förmiger Querschnitt │ Perlenhalskette

  • Vollständige Augenperle aus blauem Glas │ vier Spiralaugenverzierungen mittels gelber Glasfadenauflagen eingefasst
  • Komplett erhaltene Ringperle aus blauem Glas │ D-förmiger Querschnitt │ weiße Fadenauflagen
  • Ganz erhaltene Perle aus blauem Glas │ D-förmiger Querschnitt │ gelb-opake Fadenauflagen

  • Etwas unregelmäßig geformte Perle aus blauem Glas │ D-förmiger Querschnitt │ gelb-opake Fadenauflagen │ Perlenhalskette

 

Handel à la Kelten [8]

Konservierte Kelten: Filigrane Armringe aus Glas, bei denen bis heute unklar ist, wie sie genau gemacht wurden.

Der Handel mit den Südländern brachte die Kelten auf den Geschmack - und sie beschlossen, nicht mehr mit Waren, sondern mit dem Schwert zu bezahlen.

Das brachte sie bis nach Kleinasien.

 

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[1] MUSÉE UNTERLINDEN 2016, S. 50-51.

[2] ARCHÄOLOGISCHE BODENFORSCHUNG BASEL-STADT / HISTORISCHES MUSEUM BASEL 2008, S. 131-133.

[3] ARCHÄOLOGISCHE BODENFORSCHUNG BASEL-STADT / HISTORISCHES MUSEUM BASEL 2008, S. 353, Abb. S. 133.

[4] ARCHÄOLOGISCHE BODENFORSCHUNG BASEL-STADT / HISTORISCHES MUSEUM BASEL 2008, S. 354, Abb. S. 132.

[5] ARCHÄOLOGISCHE BODENFORSCHUNG BASEL-STADT / HISTORISCHES MUSEUM BASEL 2008, S. 357, Abb. S. 168-169.

[6] TSCHIRR 2009, S. 22.

[7] KRUEGER 2020, S. 18 Abb. 13.

[8] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 23. Juli 2018 von Benedikt Meyer, Historiker und Autor.

[9] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 16. Juli 2018 von Benedikt Meyer, Historiker und Autor.