Produktionsphase I-III

Klaus A.E. Weber

 

 

Ein paar Glashütten … räumten wohl hin und wieder Flächen ab, doch waren die Zuschläge im Ganzen gering.“[3]

 

Zeitstellung

Mittelalterliche und frühneuzeitliche Glashütten im Werra-Weser-Leine-Bergland

587 historische Glashüttenstandorte sind in diesem Untersuchungsgebiet bekannt, davon sind 264 mittelalterlich (45 %) [1]

 

Phase I    800 - 1500


Phase II   1500 - 1700


Phase III   1700 - 1860

 

Über 550 Jahre Glashütten im Umfeld des Hellentals

Diskontinuierliche, schubweise Entwicklung

Bei den in der Glashütten-Landschaft des Hellentals lokalisierten mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Glashütten lassen sich anhand der vorläufigen Auswertung von neuerem archäologischem Fundstoff - in Verbindung mit den wenigen schriftlichen Überlieferungen - chronologisch drei Phasen vorindustrieller Glasherstellung mit unterschiedlicher relativer Höhenlage von 261-427 m üNN in größeren Hütten und/oder kleineren Nebenhütten schematisierend beschreiben.[2]

Während der spätmittelalterlichen Wüstungsphase besteht archäologisch für die Phase II nach STEPHAN [1] - Ausgehendes Spätmittelalter und Frühneuzeit: ca. 1450-1600 - eine zeitliche Fundlücke.

Die talseitige „Erschließung“ des langgestreckten, leicht ansteigenden Hellentals durch Waldglashütten dürfte nach bisherigen Erkenntnissen sukzessive vom unteren, nordöstlichen Talbereich (240 m üNN) bis zum oberen, südwestlichen Hellentaler Grund (370 m üNN) erfolgt sein.

 

Mittelalterlicher, frühneuzeitlicher und neuzeitlicher Waldglashütten (Oberflächenfundplätze) im Umfeld des Hellentals im Solling

© [hmh, Grafik: Klaus A.E. Weber (2021-02)

 

12.-13./14. Jahrhundert

Frühphase

Hoch-/Spätmittelalter │ Spätes 12. Jahrhundert bis 13./14. Jahrhundert

Phase I nach STEPHAN [1]

 

Erstes Drittel 17. Jahrhundert

Hochphase

Frühe Neuzeit │ 1. Drittel 17. Jahrhundert

Phase II nach STEPHAN [1]

 

Erste Hälfte 18. Jahrhundert

1715/1717-1743/1745

Spätphase

Neuzeit │ 1. Hälfte 18. Jahrhundert

Phase III nach STEPHAN [1] 

 

Die während des späten 12. Jahrhunderts bis zum 13. Jahrhundert betriebenen Glashütten dürften zumeist „Wanderglashütten“ gewesen sein, also dem Holzvorkommen nachwandernde, eigenständige saisonale Produktionsstätten mit/ohne Kleinsiedlungen auf Zeit.

Dem hingegen waren sie aber keine pionierartigen Wegbereiter für dauerhafte agrarische Ansiedlungen (Dorfentstehung); entsprechende Siedlungs- bzw. Wüstungsspuren fehlen.

Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sollte aus der ortsgebundenen, später aufgelassenen Werkssiedlung einer stillgelegten Glashütte die Arbeiterkolonie Hellental durch den „Neuen Anbau auf dem Lande“ des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel hervorgehen.

So verdankt letztendlich das heutige Bergdorf Hellental seine recht junge Existenz seit 1753 maßgeblich der langen Glashüttengeschichte vom 12./13. bis 18. Jahrhundert in den „Solling-Forsten“ - und dem fürstlichen Landesausbau in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel (reg. 1735-1780).

 

 

Literatur

WEBER, KLAUS A.E.: Waldglashütten in den Solling-Forsten des Hellentals. Beiträge zur Glashüttengeschichte im Solling vom 12./13. bis 18. Jahrhundert.

- Teil I   Glashüttenforschung im Umfeld des Hellentals. Sollinger Heimatblätter. Zeitschrift für Geschichte und Kultur. 1/2012, S. 14-21.

- Teil II  Glashütten des Mittelalters im Umfeld des Hellentals - 12.-14- Jahrhundert. Sollinger Heimatblätter. Zeitschrift für Geschichte und Kultur. 2/2012, S. 8-17.

- Teil III Glashütten der Frühen Neuzeit im Umfeld des Hellentals - 1. Hälfte 17. Jahrhundert.  Sollinger Heimatblätter. Zeitschrift für Geschichte und Kultur. 3/2012, S. 13-22.

- Teil IV  Glashütten der Frühen Neuzeit im Umfeld des Hellentals - 1. Hälfte 18. Jahrhundert. Sollinger Heimatblätter. Zeitschrift für Geschichte und Kultur. 4/2012, S. 15-24.



[1] aktualisiert nach STEPHAN 2020, S. 133 Talel 1; zuvor: STEPHAN 2010, S. 507; STEPHAN 2013, S. 6-9; STEPHAN 2014.

[2] WEBER 2012b, S. 14-21

[3] REDDERSEN 1934, S. 7.