Johann Heinrich Balthasar Sang (1723 - ? )

Klaus A.E. Weber

 

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Ausstellungsflyer: Die fürstliche Glasmanufaktur am Schorborn 2015 [1]

 

Exzellenter Herzoglicher Hofglasschneider [4][19]

Der am 23. Oktober 1723 in Weimar geborene Johann Heinrich Balthasar Sang stammte aus einer namhaften thüringischen Glasschneiderfamilie.

Er war Sohn und zugleich auch Schüler des Weimarer Hofglasschneiders Andreas Friedrich Sang und dessen Ehefrau Maria Juliana Seidler

Als Glasschneider siedelte Johann Heinrich Balthasar Sang aus Ilmenau nach Braunschweig über, wo er von Herzog Carl I. 1747 zu seinem Herzoglichen Hofglasschneider berufen wurde. 

Es erscheint sicher, dass Sang Glas von der Schorborner Hütte in Braunschweig bearbeitete.

In der katholischen Kirche St. Nicolai zu Braunschweig heiratete der herzoglich bestallte Lutheraner Johann Heinrich Balthasar Sang am 01. September 1749 die Katholikin Maria Anna Leplat († 20. Juni 1764).

Als namhafter Meister des Glasschnittes veredelte Johann Heinrich Balthasar Sang in Braunschweig bis mindestens 1764 Klarglaserzeugnisse, wie Hohlgläser mit kunstvollem Schnitt, aber auch Glasplatten für Spiegel durch Silber- und Goldauflagen sowie Schränke und Uhrengehäuse durch eingelegte Glasscheiben.

Leider ist die Zahl der Johann Heinrich Balthasar Sang unzweifelhaft zuzuschreibenden Pokale und Gläser sehr gering, im Gegensatz zu seinen bekannten signierten und datierten Spiegeln.

 

Üppige Rokoko-Ornamentik und feine, kleinteilige figürliche Szenen [4]

Johann Heinrich Balthasar Sang bevorzugte "Gläserformen von ausgeprägter Gestalt" (vergl. Glassammlung Strasser) und aneinander gereihte Kugelungen

"Diese sich blütenartig entfaltenden Pokale stellen Varianten zum Lauensteiner Glastypus dar."[5]

Zur kunsthandwerlichen Glasveredelung bezog er seine undekorierten Rohgläser vermutlich auch aus Schorborn - jener "feinen Weißglashütte" - im Herzogtum Braunschweig, wohl aber auch von der kurhannoverschen Glashütte Osterwald im Amt Lauenstein und anderen Hütten durch Glashändler.

 

Kunstvolle Hohlgläser

Johann Heinrich Balthasar Sang werden nach OHLMS [11] eine Reihe kunstvoller Gläser, insbesondere Glaspokale zugeschrieben, die sich teils in Kunstmuseen befinden:

 

Spiegel und Spiegelglasmöbel [4][6][9][10]

Johann Heinrich Balthasar Sang widmete sich nicht nur der Veredelung von Hohlglas mit Schnitt, sondern vorrangig  der Aufgabe eines "Zierratsschneiders" [8] und somit der Herstellung von Spiegeln und Spiegelglasmöbeln für Herzog Carl I. (1713-1780):

  • mit dem Schneidrat dekorierter Spiegelschrank │ signiert und datiert 1751/1752

  • geschnittene Spiegelplatten einer Bodenstanduhr für Herzog Carl I. │ signiert und datiert 1754/1755 │ Schloss Hedwigsburg

 

Gerahmter facettierter Rokoko-Spiegel │ Salzdahlumer Rokokospiegel [4][6][9]

Der Braunschweiger Schmuckspiegel (58 x 38 cm) mit der "Allegorie des Feuers" - nach einem Gemälde des Malers des venezianischen Rokoko Jacomo Amigoni (1682-1752) - aus der Mitte 18. Jahrhundert hing im ehemaligen Salzdahlumer Schloss bei Braunschweig.[6][7]

Das Spiegelglas ist relativ dünn, hergestellt aus mundgeblasenen, gestreckten Glaszylindern.

Gefertigt von dem Hofglasschneider Johann Heinrich Balthasar Sang zierte der Rokoko-Spiegel die Gastgemächer des Preußenkönigs Friedrich des Großen (1712-1786), Schwager des Braunschweiger Herzogs Carl I.

 

 

Salzdahlumer Rokoko-Spiegel

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

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Schmuckspiegel mit der "Allegorie des Feuers" │ Mitte 18. Jahrhundert [6][7]

Neuer Spiegelsaal im Erich-Mäder-Glasmuseum Grünenplan 


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[1] Ausstellungsflyer: Die fürstliche Glasmanufaktur am Schorborn 2015 │ Herausgegeben vom Glasmuseum Grünenplan │ Prometheus-Verlag Wuppertal │ Mai 2015.

[4] OHLMS 2006, S. 23-24, 27-29.

[5] VON STRASSER 2002 zit in OHLMS 2006, S. 23.

[6] KRAMER 2017b, S. 22-23.

[7] KRUEGER 2013, S. 36.

[8] Spiegel ud verspiegelte Möbel der Braunschweiger Hofspiegelfabrik Körblein (Manufaktur Sang und Körblein).

[9] MÜSCH 2005.

[10] Thomas Körblein, Johann Heinrich Balthasar Sang, Spiegelschrank Herzog Carls I. (1713-1780), Herzog Anton Ulrich-Museum.

[11] OHLMS 2006, S. 37.

[19] Mitglieder der Arbeits- und Forschungsgruppe Schorborn: Helge Eberle (Braunschweig), Achim Friedrich (Wennigsen), Matthias P. Heintzen (Wolfenbüttel), Wieland Kramer (Wuppertal), Bernd Krämer (Grünenplan), Christian Leiber (Holzminden-Bevern), Albert Schwiezer (Hess. Oldendorf).