Glashütte "Steinlah"

Klaus A.E. Weber

 

{HtGM 1-4}

261 m üNN

13. Jahrhundert │ nach 1220 bis vor 1300


Lage:

Koordinaten der Fundstelle und eingemessene GPS-Daten sind beim Verfasser und bei der Kommunalarchäologie hinterlegt

  • Forstabteilung: 46 VII Merxhausen

  • Forstamt Neuhaus │ Forstort: (Buchholz)

  • DGK 5 Nr. 4123 - 29 Hellental

 

Fundstellen-Nummer:

  • HtGM 1-4

 

Datierung:

  • 13. Jahrhundert

nach STEPHAN [2]: 76 - nach 1220 – vor 1300

"In der Flur Steinlah an der Einmündung eines Seitentales in das Hellental wurde mutmaßlich an einer ehemaligen Quelle auf Weideland in 261 m NN ein flacher, heute kaum noch erkennbarer länglicher Hügel mit charakteristischen glastechnischen Funden lokalisiert. Neben verziegelter und verglaster Ofenwandung sind grüne Glastropfen und Hafenbruchstücke zu nennen. Unter den grauen Irdenware findet sich ein Fragment mit Rollstempeldekor, so dass eine Datierung nach 1220 und vor 1300 wahrscheinlich ist."[2]

 

Fundumstand:

  • prospektiert

 

Ausdehnung:

  • kaum erkennbarer, länglicher Flachhügel

 

Zustand:

  • zerstört/eingeebnet

  • unter Wiese liegend, beweidetes Wiesengelände

 

Befunde/Interpretation:

  • Drei-Ofen-Anlage?

 

Funddokumentation
  • Von dieser mittelalterlichen Glashütte sind bislang keine Schriftquellen bekannt.
  • Finder: 12./13. März 2002 Detlef Creydt, Dr. Christian Leiber (Holzminden) │ 02./09. April 2006 / 13. Januar 2008 Dr. Klaus A.E. Weber, Christel Schulz-Weber (Hellental) [1]

 

Zu den Fundumständen

Anhand festgestellter anthropogener Bodenveränderungen sowie insbesondere durch einige wenige Glas- und Hafenscherbenfunde im März 2002 werden Glashüttenstandorte im nordwestlichen unteren Hellental - Seitental „Steinlah“ -, nahe Merxhausen vermutet - persönliche Mitteilung von Detlef Creydt (Holzminden) und Dr. Christian Leiber (Archäologische Denkmalpflege Landkreis Holzminden), zudem persönliche Mitteilung von Heinrich Schattenberg (Merxhausen) mit eigenen Bodenfunden:

"Am 12. März 2002 seien von Detlef Creydt in diesem quellnahen Bereich gegenüber der Flur „Steinlah“ 3 Hügel als mögliche, aber nicht hinreichend gesicherte Glasofenstandorte beschrieben worden. Am 13. März 2002 sei eine Feldbegehung von Detlef Creydt mit Dr. Christian Leiber erfolgt. Als oberflächennahe Bodenfunde seien von Detlef Creydt Glasschlacken, Hafenscherben im dortigen Bachverlauf sowie eine Hafenrandscherbe angeführt worden, die nach Dr. Christian Leiber zunächst noch mit Vorbehalt in das 12./13. Jahrhundert worden seien."

Zwei Jahre später, im Mai 2004 wurde dieses Areal erstmals auch von Dr. Klaus A.E. Weber (Hellental) orientierend begangen; mit eigenen Bodenfunden (größere Schlackenstücke).[1]

Anlässlich einer weiteren Geländeprospektion von Dr. Klaus A.E. Weber und Christel Schulz-Weber Ende März 2005 konnten auf dem flachen, südlichen Wiesengelände mit Bachläufen, flächenhaft mit größeren wie kleineren Holzkohleresten übersät, eine kleine Grünglasscherbe an der Bodenoberfläche nahe dem Eingang vom Fahrweg zur Wiese gefunden werden, Fragment eines Achtkantglases (17. Jh.).

Zudem konnte ein kleines Fragment einer grau-schwarzen mittelalterlichen Keramikscherbe an der Oberfläche geborgen werden.

Die Frühjahrsprospektion von Dr. Klaus A.E. Weber und Christel Schulz-Weber am 02. April 2006 erbrachte einen Glastropfen sowie zwei kleinere Hafenscherben.

Eine erneute Prospektion am 09. April 2007 ergab den Nachweis eines flachen Hügels (vermutlich Ofenhügel) auf dem Wiesengelände, unmittelbar gegenüber dem Parkplatz und der Bachlauffassung/Einmündung Hauptbach.

 

Wiesengelände mit erkennbarem länglichem Ofenhügel

Glashüttenstandort „Steinlah“, nahe Merxhausen

Januar 2008

    

Anthropogene Bodenveränderungen, insbesondere aber Glasschlacken und Hafenscherben ließen zunächst Glashüttenstandorte in der Flur Steinlah vermuten, nahe Merxhausen an der Einmündung des oben beschriebenen Seitentals in das untere Hellental.

Auf einem flachen Wiesengelände mit Bachläufen und Quellen konnte bei einer konventionellen Geländebegehung eine graue mittelalterliche Keramikscherbe geborgen werden.

Prospektionen ergaben dann den Nachweis eines kaum erkennbaren, länglichen Flachhügels mit typischem Fundmaterial: Glastropfen, Hafenbruchstücke, Lehm, verziegeltes Ofenmaterial mit grünlich-weißem Glasfluss, Scherben mittelalterlicher Gebrauchskeramik, darunter eine graue Keramikscherbe mit Rollstempeldekor.

Jene Irdenware kommt erst ab etwa 1225 auf.

Hierauf bezogen dürfte der Hüttenstandort vermutlich nach 1220 und vor 1300 Waldglas hergestellt haben.

 

Fundmaterial

Ofenlehm, mehrere Glastropfen, Ofenmaterial mit Glasfluss sowie mittelalterliche Keramikscherben, darunter eine Scherbe mit zeittypischem Rollstempelmuster.

 

I Objektgruppe Glas

  • mehrere grüne Glastropfen
  • keine Hohl- oder Flachglasscherben

 

II Objektgruppe Keramik

 

▷ Technische Keramik

  • Scherben technischer Keramik konnten bislang nicht gefunden werden

 

▷ Gebrauchskeramik

  • wenige graue bis schwarze Scherben mittelalterlicher Gebrauchskeramik

  • 1 graue Keramikscherbe mit Rollstempeldekor, nach 1220 – vor 1300

  • 1 Grapenfuß-Fragment grauer Irdenware

 

III Objektgruppe Metall

  •  -

 

 

Fotografie: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

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[1] WEBER 2011/2012, S. 8-17.

[2] STEPHAN 2010, S. 526-527.