Geheime Glasrezeptur: Herstellen von gefärbtem & ungefärbtem Glas

Klaus A.E. Weber

 

Dosierung & Temperatur entscheiden


  

Stadtmuseum GelnhausenHessisches Landesmuseum KasselPotsdam Museum

 

Das gezielte Färben der Glasmasse erfolgte durch Zusatz geringer Mengen von färbender Stoffen, insbesondere von Metallionen/Metalloxiden in der Glasschmelze.

Die Art und Konzentration der Zusatzstoffe sowie auch die Temperatur und Verarbeitung entscheiden über die Farbe, welche die Rohmasse annimmt.[2]

Bis zur römischen Antike wurde Glas von seinen Ursprüngen an auch Rot gefärbt (opakrotes Glas u. a. Beimengung von Kupfer und Einhaltung bestimmter Schmelzbedingungen), wie es der bis heute einzigartige "Lykurgos-Becher" eindrucksvoll zeigt.[1]

  • Glaserzeugung digital:  ֍ Wie aus Scherben Flaschen werden | Wie geht das? | NDR 2017

 

Temperatur [3]

  • ca. 560 -580° C    Erweichungstemperatur

  • ab ca. 850° C       zähflüssiges Glasgemeinge

  • 1.000 - 1.400° C   Schmelzpunkt - in Abhängigkeit der Wahl und Menge des Flussmittelzusatzes

 

 

Färben der Glasmasse durch Zusatz geringer Mengen von Metallionen

  • Blei ⟶  gelbes Glas

  • Eisenoxide  ⟶  zahlreiche Mischfarben in Abhängigkeit von der Wertigkeit (Fe ³+ │ Fe ²+) - grün-blaugrünes, auch gelbbraunes Glas
  • Kupfer ⟶ grün oder blaues Glas
  • Nickel ⟶  olivgrünes bis braunes Glas
  • Selen ⟶  hellrotes Glas
  • Silber ⟶  zitronengelbes Glas

 

Farbloses Glas durch Zusatz geringer Mengen (Entfärberzusatz) von

Die Farblosigkeit von "Weißglas" kann auch durch extrem eisenarmen Quarzsand erreicht werden, wie auch durch den Zusatz von Holz-/Pottasche (mit relativ hohem, natürlichem Mangangehalt) in einem bestimmten Mischungsverhältnis.[4]

 

Waldglas│Krautstrunk

Stadtmuseum Gelnhausen

 

Warum ist Waldglas grün?

Die Grünfärbung von Waldglas beruht auf der Verunreinigung seiner Rohstoffe mit Eisenoxiden (regional aus dem Solling-Buntsandstein).

Wertigkeit                                   Farbeffekt          Glasschmelze

Eisen (Fe)

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Fe ³+  [Eisen(III)oxid, Fe2O3]           gelblich            oxidierend (Sauerstoffüberschuss)

Fe ²+  [Eisen(II)oxid, FeO]                bläulich            reduzierend (Sauerstoffmangel)

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etwa gleicher Anteil = grün

ansonsten Mischfarben: blaugrün - braungelb

 

Fotografien:

© Klaus A.E. Weber, Hellental

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[1] KERSSENBROCK-KROSIGK 2001, S. 15-19.

[2] TRIER/NAUMANN-STECKNER 2016, S. 25-28.

[3] ALMELING 2006, S. 122.

[4] VOHN-FORTAGNE 2016, S. 190-193.