Die alte "Papier Mühle" & spätere "Lohmann’sche Mühle"

Klaus A.E. Weber

 

Die ehemalige „Lohmann’sche Mühle“ unterhalb des Heukenberges │ Mai 2020


Die alte "Papir Muhle" am "Steinberg" bei Merxhausen │ 1767 [1]

 

Gebäude Ass.- 40

Die wahrscheinlich bereits gegen Ende des 17. Jahrhunderts errichtete Papiermühle - die spätere „Lohmann’sche Mühle“ - lang an dem mäandrierend dargestellten Spüligbach außerhalb (westlich) des alten spätmittelalterlichen Dorfkerns von Merxhausen.

Dem "Geometrischen Grundriss Der Merxhäuser Forst Wie selbiger in Anno 1745 aufgetragen worden von Ludwig August Müller", der Flurkarte der Forst von Merxhausen aus dem Jahr 1745 [2], ist westlich von "Merxhausen", versehen mit einer Gebäudesignatur, der Eintrag "Papier Mühle" zu entnehmen.

Die "Papir Muhle" findet sich wenig später auch im von J. A. Grotrian 1767 erstellten "Grundriss Der im Amte Allersheim belegenen Merxhausener Forst".[1]

Im Zusammenhang mit der ehemaligen Papiermühle (zur Papierherstellung und zum Zermahlen von Lumpen) sind in den Kirchenbüchern zahlreiche wie auch namentlich verschiedene

  • „Papierfabrikanten“

  • „Papier(macher)meister“

  • Papiermachergesellen

  • „Papiermacher“

hinterlegt.

So ist der „Papierfabrikant“ Johann Heinrich Gotthard Brill zu benennen, aus dessen Verbindung mit Sophie Christine Marie Spieß zwei Töchter (1805, 1811) hervorgingen,

  • vorehelich die am 31. Mai 1805 in „Merxhausen/Papiermühle“ geborene Augustine Juliane Friederike Brill
  • die am 24. Februar 1811 geborene Luise Wilhelmine Antonette Brill.

Da die Töchter von den beiden „Papierfabrikanten“ Heinrich Anton und Johann Hermann Plöger nachweislich jeweils in Merxhausen geboren wurden (1822, 1831), kann eine engere Beziehung zur „Papiermühle“ bei Merxhausen hergeleitet werden.

1835 wurde zudem Christian Plöger zu Schieder als Papierfabrikant ausgewiesen.

Gleiches gilt sowohl für den

  • „Papierfabrikanten“ Johann Christian Strück, in dessen Ehe mit Johanne Christine Prell in zehn Jahren - 1821-1831 - fünf Kinder geboren wurden, die allesamt in Merxhausen zur Welt kamen,
  • „Papiermacher“ Friedrich Conrad Merker
  • 1713 in Merxhausen geborenen „Papiermacher“ Johann Christoph Märten, Sohn des „Papiermachers“ Christoph Märten, der in Merxhausen im Januar 1741 in den Stand der Ehe getreten war und sechs Kinder hatte (1713-1724).

Konrad Friedrich Spieß war „Papiermachermeister“ und verstarb 1803 in Merxhausen an „Schwindsucht“.

Verheiratet war er mit Sophie Eleonore Neiwecke, die ihm fünf Kinder gebar.

Als „Papiermeister“ in Merxhausen sind nachzuweisen

  • Samuel Böhme
  • Kilian Keller
  • um 1699 Jacob Frantz
  • um 1709 Franz Schwertfeger
  • um 1746 Johann Henrich Nahrmann
  • um 1754 Johann Heinrich Nohrmann
  • um 1783 Johann Ludolph Merkel
  • um 1760-1768 Johann Christoph Grab(v)en
  • Holland, der 1776 in Merxhausen verstarb.

Weitere „Papiermeister“ waren

  • Merker, der 1776 in Merxhausen Henriette Dorothea Astrotte heiratete

  • um 1806 Heinrich von Brill

  • dessen Sohn Johann Heinrich Gebhard, der 1806 in Merxhausen Marie Christine Spieß ehelichte.

Als „Papiermachergesellen“ sind fassbar

  • der vor 1803 in Merxhausen geborene Jacob Keime

  • Johann Petz 

  • der 1831 in Merxhausen verstrobene Johann August Ranft.

Von dem oben genannten Papiermeister Johann Christoph Graben (Graven) in Merxhausen ist bekannt, dass er im 85. Stück November 1769 in den Braunschweigischen Anzeigen öffentlich als "gewesener Papiermeister ... in Merxhausen" bezeichnet wurde.

Johann Christoph Graben war als Besitzer der Papiermühle wohl in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten geraten, da Ende 1769 gestaffelte "Liquitationstermine" beim "Fürstlichen Amte Allersheim" angesetzt worden waren, bei welchen entsprechende Forderungen geltend gemacht werden konnten: "... noch etwan habende Forderungen völlig abgewiesen, und praecludiret seyn sollen, zu gewärtigen." [5]

Das Herzoglich Braunschweigisch-Lüneburgische Amt Stadtoldendorf veröffentlichte am 09. Mai 1835 in den Braunschweigischen Anzeigen [6] folgende öffentliche Bekanntmachung, aus der die Eigentums- und Gebäudeverhältnisse der verpachteten Papiermühle „vor Merxhausen“ in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts anschaulich hervorgehen:

"Auf Requisition des Eigenthümers, Papierfabrikant Christian Plöger zu Schieder, ist Termin zur öffentlichen meistbietenden Verpachtung folgender Grundstücke:

1) der sub Nro. ass. 40 vor Merxhausen bel. Papiermühle, bestehend aus einem Mühlen- und Wohngebäude, so wie einem Nebengebäude und Stallung,

2) eines dazu gehörigen Gemüse-Gartens,

3) einer etwa 2 Morgen haltenden, auf Merxhausener Feldmark bel. Wiese, und

4) eines vor Merxhausen belegenen, etwa einen Morgen haltenden Feldbusches,

während des Zeitraumes vom 1. Julius 1835 an, bis Michaelis 1838, auf den 17. Juni d. J. Morgens 9 Uhr vor hiesigem Herzoglichen Amte angesetzt, und werden Pachtlustige hiemit eingeladen, in solchem Termine zu erscheinen, und nach Anhörung der Pachtbedingungen ihre Gebote abzugeben."

Nur sechs Jahre später, im Juni 1841, wurde die Papiermühle notariell zum Verkauf angeboten.

Auf Antrag der Eigentümer sollte "die bei Merxhausen im Herzoglichen Braunschweigischen Amte Stadtoldendorf belegene Papiermühle, mit allen Zubehörungen an Garten, Land und Wiesen", öffentlich an den Meistbietenden verkauft werden.[7]

Zu einem späteren, allerdings unbekannten Zeitpunkt entstand aus der alten Papiermühle die noch heute bekannte „Lohmann’sche Mühle“ - unter unterschiedlicher Nutzungsgeschichte.

 

Fotografie:

Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] NStAWb 4 Alt 10 XIV Nr. 2-3.

[2] NStAWb 1745 Forstkarte Merxhausen.

[5] Braunschweigischen Anzeigen, November 1769, 85. Stück, 947.

[6] Braunschweigischen Anzeigen, Mai 1835, 117. Stück, 1969.

[7] Braunschweigischen Anzeigen, Juli 1841, 165. Stück, 3666/3667.