Waldglashütte "Oberes Hellental" - des M. Hans Drebing

Klaus A.E. Weber

 

{HtGfN 1-1}

368 m üNN

1. Drittel 17. Jahrhundert │ ca. 1606/1607 - 1625

Die Glashüttenanlage ist eine der bedeutendsten vorindustriellen Anlagen des 17. Jahrhunderts in Niedersachsen.


Lage:

Koordinaten der Fundstelle und eingemessene GPS-Daten sind beim Verfasser und bei der Kommunalarchäologie hinterlegt

  • Hellenthaler Grund
  • Forstabteilung 71 im Revier VII Merxhausen
  • DGK 5 Nr. 4223 - 03 Mecklenbruch │ Nr. 4223 - 04 Große Blöße       
  • Forstort: Mecklenbruch/Große Blöße
  • S 6 │ S 18 nach BLOSS [2][27]: Glashütte im oberen Hellentaler Grund, Abteilung 77 │ Glashütte "bei dem Hasenlopfel" im oberen Hellentaler Graben (am „Dreiämterstein“)
  • Ortsakte „Heinade-Hellental“ der Kreisarchäologie Landkreis Holzminden: dicht an der Grenze zum Landkreis Northeim, am linken Ufer der Helle, unweit des „Dreiämtersteins“
  • Landschaftsrahmenplan: 122 – Fläche mit Glashütte nördlich des Mecklenbruchs

 

NLD – Archäologie NDK (10. Oktober 2008)

Letzte Bearbeitung im NLD durch GRUNWALD 05/2002

1) Lage, Name: Im Hellental, dicht an der Grenze zum Ldkr. Northeim.

Am Ufer des Hellebaches (METZLER 02/1987)

Nordwestl. der Hellentalstraße auf der linken Seite der Helle im Bereich der aus südl. Richtung erfolgenden Einmündung des Silberborns in die Helle (GRUNWALD 05/2002)

2) Denkmalbeschreibung: Acht Erdhügel, Dm. bis 9 m; H. bis 1,2 m.

z.T. kopfgroße Steine auf der Oberfläche, Schlacken- und Glasscherben im Erdreich (METZLER 02/1987)

3) Entdeckung: An der Oberfläche sind deutlich Reste einer Ofenanlage und Abfallhalden zu erkennen (METZLER 02/1987)

Hier sind im Luftbild in Ansätzen mehrere Hügel zu erkennen, die anthropogener Herkunft sein müssen.

Nach der Eintragung in Mtbl. Nr. 2372, Sievershausen, von von 1898 befand sich etwa 650 m weiter südlich der Hasenlöffelborn.

Der hier entspringende kleine Bach entwässert durch den „Hasenlöffel“ in die Helle.

Aus diesem Grund könnte es sich bei der Glashütte um jene von BLOSS 1977 beschriebene Produktionsstätte handeln, die während des ausgehenden 16. und der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Urkunden genannt wurde (GRUNWALD 05/2002).

4) Datierung: Frühneuzeitlich (METZLER 02/1987)

Ansprache durch O. BRAASCH: Neuzeit: Glashütte (GRUNWALD 05/2002)

6) Wertung: Der Erhaltungszustand ist gut, die Lage im Gelände typisch.

Als Anschauungsobjekt hervorragend geeignet (METZLER 02/1987)

7) Bewuchs/Nutzung: Auf Weide (METZLER 02/1987)

8) Hinweise: Aufgrund der bisher ungestörten Erhaltung ist mit hervorragenden Befunden und Funden zu rechnen.

Als wirksamen Schutz gegen drohende Raubgräberei empfiehlt sich eine Aufnahme in das Verzeichnis der KD nach § 4 NDSchG (METZLER 02/1987)

 

Fundstellen-Nummer:

  • Gemarkung Merxhausen-Forst, FStNr. 1  ⃒  MxF 1/1986

  • MhF 1/1999

  • Identisch mit Bez. Arch. H Az.: 109/4223/10

  • Identifikationsnr.: 255/6081.00001-F               

  • HtGfN 1-1

 

Erfassung: 

  • NDK Metzler 12/1986

  • AFP-LuBi O. Braasch 09.01.1994

 

Datierung:

  • 1. Drittel 17. Jahrhundert (um 1606/1607 - um 1625)

  • möglicherweise bereits 1595 geplant

  • wahrscheinlich 1606 in einer Holzrechnung genannt [26]

 

Nach STEPHAN [24]: 81 - um 1600

"Nicht weit vom Talschluss liegt im oberen Hellental auf der Westseite der Helle nahe einer mutmaßlichen Seitenquelle in 368 m NN die wahrscheinlich am besten erhaltene frühneuzeitliche Glashütte im Solling.

Das von den Ofenhügeln eingenommene Gesamtareal ist etwa 45 mal 33 m groß, die Produktionshalde am Hang des Hellebaches reicht noch darüber hinaus.

Die Gesamtfläche beträgt etwa 1800-2000 qm.

Die insgesamt 8 Hügel von bis zu 9 m Durchmesser und bis zu 1,4 m Höhe weisen auf eine große und mutmaßlich über längere Zeit hinweg betriebene Hütte hin.

Der größte ovale Hügel mit etwa 9 mal 6 m Durchmesser dürfte der Schmelzofen gewesen sein.

Darauf deuten auch die in seinem Umfeld besonders reichhaltigen Funde hin.

4 kleinere längsovale Ofenhügel sind in einem Bogen dicht aneinander um den Ofen gereiht, zugehörig ist vermutlich auch ein etwa 3 mal 3 m großer Hügel gegenüber dem Bergahorn.

Die Gesamtanlage erinnert stark an die Hütten des Franz Seidensticker (1596 bis nach 1664) am Hilsborn und am Lakenteich.

In der Nähe steht reiner weißer Tertiärsand an.

Die Oberflächenfunde repräsentieren neben zahlreichen glastechnischen Relikten wie Hafenfragmenten und einem Beerennuppenstempel ein regionaltypisches breites Spektrum an vornehmlich grünen Hohl- und Flachgläsern der Spätrenaissance.

Werraware und Weserware der Renaissance sowie verziertes Duinger Steinzeug und Ofenkacheln sichern die Datierung in die Zeit um 1600 ab.

Die Hütte lag nahe an der Grenze dreier Ämter.

Die schriftliche Überlieferung ist nach derzeitigem Kenntnisstand dürftig, möglicherweise war hier bereits 1595 eine Hütte geplant, wahrscheinlich ist sie 1606 in einer Holzrechnung genannt."

 

Fundumstand:

  • prospektiert

  • kontrolliert am 26. August / 07. November 2004 durch Dr. Christian Leiber, Kreisarchäologie

 

Ausdehnung:

  • ca. 1800-2000 m²

  • von Ofenhügeln eingenommenes Areal etwa 45 x 33 m

 

Zustand:

  • Ortsakte „Heinade-Hellental“ der Kreisarchäologie Landkreis Holzminden: als Weide landwirtschaftlich genutzt; Teilzerstörungen durch Viehtritte und Fahrspuren

  • unter Wiese liegend

  • wahrscheinlich am besten erhaltene frühneuzeitliche Glashütte im Solling

  • 11 kartierte Hügel von bis zu 9 m Durchmesser und bis zu 1,4 m Höhe [25]

  • davon 4 kleinere längsovale Ofenhügel in einem Bogen dicht aneinander um den großen Ofen gereiht

  • größter ovaler Hügel mit ca. 9 x 6 m Durchmesser - zentraler Schmelzofen

 

Befunde/Interpretation:

  • Mehr-Ofen-Anlage


Ofenhügel der großen frühneuzeitlichen Glashüttenanlage (Bodendenkmal) im oberen Hellental am "rothen Wasser"

Waldglashütte "Oberes Hellental" │ 1. Drittel 17. Jahrhundert [2]

September 2007

 

Der Betrieb dieser frühneuzeitlichen Waldglashütte im Solling [2] wurde vermutlich kurz vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) unter der Regentschaft von Herzog Friedrich Ulrich (1591-1634) aufgenommen.

 

Mutmaßlicher Wohnbereich

Obgleich bis auf vereinzelte Keramikscherben relativ fundarm, zeichnet sich nach Bodenspuren nordwestlich der Ofenanlagen auf der anschließenden Wiesenfläche ein plateauähnlich gelegener Wohnbereich ab.[9]

 

Der Glaseplack“ - kartografischer Hinweis von 1828 auf die Waldglashütte "Oberes Hellental" am „rothen Wasser“ │ 1. Drittel 17. Jahrhundert

Ausschnitt aus dem „Plan der Landesgrenze zwischen dem Herzogl. Braunschw. Kreisamte Eschershausen, und dem Königl. Hannöv. Amte Erichsburg-Hunnesrück. Von dem Ende der Haynader Feldmark bis zum Haseleppelborn.“

 

Produktionsbereich

In dem 1828 aufgenommenen herzoglichen Landesgrenzplan findet sich mit dem Flurnamen "Der Glaseplack" ein kartografischer Hinweis auf die ehemalige, große Waldglashütte im oberen Hellental.

Noch heute gut fassbare Ofenhügel kennzeichnen den ehemaligen Werkbereich mit zentralem Hauptofen.

Ein als Werkofen anzusprechender Hügel ist von einem Ensemble aus drei bogenförmig angeordneten Ofenhügeln umgeben.

Als Ofenbaumaterial wurde unbearbeiteter Buntsandstein und Lehm verwendet.

Als glasarchäologisch allgemein typische Produktionsabfälle traten auf

  • Pfeifenabschläge

  • Glastropfen

  • Glasfäden

  • Brocken erstarrter Glasmasse

  • Glashafenfragmente

  • Fragmente von Metallgegenständen, u.a. Glasmacherpfeife

Die archäologische Deutung der aus dem Umfeld der Hütte und in der Abraumhalde geborgenen Glasfunde ergab dünnes, vornehmlich grünes, aber auch weitgehend entfärbtes Hohl- und Flachglas sowie dickeres grünes Flaschenglas und hellgrüne Fenster- bzw. Butzenscheiben.

Meist stark zerscherbte Oberflächenfunde (kleine Glasfragmente) deuten auf die Herstellung hin von

  • grün gefärbtem Glas

  • blau gefärbtem Glas

  • violett gefärbtem Glas

  • braun gefärbtem Glas

  • farblosem (manganstichigem) Glas

  • Glas mit Emailmalerei

Zeitgenössisch nicht untypisch für regionale Waldglashütten waren drei Hauptkategorien der Waldglasproduktion fassbar:

  • Hohlglas

  • Flachglas

  • massive Glasgegenstände (u.a. Glaspistill)


Literatur

BLOSS, OTTO: Die älteren Glashütten in Südniedersachsen. Veröffentlichungen des Instituts für historische Landesforschung der Universität Göttingen. Bd. 9. Hildesheim 1977.

METZLER, ALF: Zur Inventarisation archäologischer Denkmale im Landkreis Holzminden. Jahrbuch Landkreis Holzminden. Bd. 5/6. 1987/88, 1988, S. 7-14.

WEBER, KLAUS A.E.: Waldglashütten in den Solling-Forsten des Hellentals. Beiträge zur Glashüttengeschichte im Solling vom 12./13. bis 18. Jahrhundert.

- Teil I   Glashüttenforschung im Umfeld des Hellentals. Sollinger Heimatblätter. Zeitschrift für Geschichte und Kultur. 1/2012, S. 14-21.

- Teil III Glashütten der Frühen Neuzeit im Umfeld des Hellentals - 1. Hälfte 17. Jahrhundert.  Sollinger Heimatblätter. Zeitschrift für Geschichte und Kultur. 3/2012, S. 13-22.


Fotografien:

© Klaus A.E. Weber, Hellental

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[2] BLOSS 1977, S. 88-89, 97.

[3] RING 2003, S. 52.

[4] RING 2003, S. 66-69, 72-73.

[5] RING 2003, S. 170.

[6] RING 2003, S. 172-173.

[7] RING 2003, S. 182-183, 190-192.

[8] ALMELING 2006, S. 37-38.

[9] Bodenspuren bei einer Begehung durch Dr. Klaus A.E. Weber (Hellental) am 23. April 2016 sowie gemeinsam mit Michael Begemann (Holtensen/Einbeck) am 23. Mai 2018.

[10] ALMELING 2006, S. 27-45.

[11] vergl. ALMELING 2006, S. 36 Abb.13.

[12] LEIBER 2015, S. 285-288.

[13] STEPHAN 2012b.

[14] STEPHAN 1987, S. 100-110.

[15] ALMELING 2006, S. 36 Abb.13, 37.

[16] Medizin-/Apothekenglas mit dem Erscheinungsbild der "Blätterlein" als kleinste, mundgeblasene Kugelfläschchen, Einmalgefäße.

[17] FRANZE 2018.

[18] Erstuntersuchung im Spätfrühjahr 2006; Nachuntersuchung des Bereiches der Abfallhalde (in ca. 8 m Abstand zur Geländekante der Abfallhalde) durch Dr. Klaus A.E. Weber (Hellental) mit Michael Begemann (Holtensen/Einbeck) am 23. Mai 2018.

[19] Muskete: schweres, langes Vorderlader-Gewehr mit glattem/zuglosem Lauf │ Karabiner: leichtes, kurzläufiges Militärgewehr │ Pistole: Handfeuerwaffe.

[20] Bodenuntersuchung von Michael Begemann, Holtensen (Einbeck).

⦋23⦌ Dokumentation der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Holzminden (Kreisarchäologie).

[24] STEPHAN 2010, S. 526-527.

[25] Aufnahme/Zeichnung von S. Ulrich, Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, 01/2007.

[26] „Holzrechnung“ von 1606 ? (mündliche Auskunft von Christian. Leiber, Kreisarchäologie).

[27] BLOSS 1950a, S. 6-7.