Jägerische Steinzeitspuren im Hellental

Klaus A.E. Weber

 

Mesolithisch-jägerische Silex-Artefakte

Bei den prähistorischen Kulturspuren zeichnet sich bereits im Paläolithikum eine Tendenz zur Verkleinerung der steinernen Werkzeuge ab.

Die qualitativ sorgfältigere Bearbeitung der „Mikrolithe“ gilt allgemein als Kennzeichen mesolithischer Steinwerkzeuge.

Als Rohstoff hierfür dominierte ein nahezu ausschließlich aus Siliziumdioxid (SiO2) bestehendes Kieselgestein, der Feuerstein (Flint/Silex), der während der Kaltzeiten durch die vom Norden her in das Landesinnere vordringenden Gletscher antransportiert worden war.

Wegen seiner guten Spalteigenschaften und ausgesprochen scharfkantigen Bruchflächen wurde der Flint auch von mesolithischen Menschen bevorzugt benutzt.

Dabei hinterließen sie Werkzeuge mit nichtgeometrischen und geometrischen Varianten wie auch deren Herstellungsabfälle - wie auch die mesolithischen Feuerstein-Artefakte im Hellental erkennen lassen.

Der zur Geräteherstellung geeignete, hochwertige Flint kommt natürlicherweise nicht im Umfeld des Sollings vor.

 

Mesolithische Steinwerkzeuge

Bis an den Nordrand des Sollings reichte vor etwa 400.000 - 320.000 Jahren die Südgrenze der Elster-Kaltzeit, wohingegen der Eisrand der späteren Weichsel-Kaltzeit vor rund 115.000 - 11.600 Jahren dieses Gebiet nicht mehr direkt berührte.

Im Holozän entstanden die Hoch- und Niedermoortorfe des Sollings, wie jene im Hellental und das bei Silberborn in Richtung Hellental abfallende Hochmoor Mecklenbruch.

 

∎ Mesolithische Silex-Artefakte │ Einzelfunde aus dem Hellental [1] │ unterschiedlicher Maßstab

© Historisches Museum Hellental, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Im Solling bewegten sich prähistorische Menschen auch entlang dem Bachlauf der Helle im Talgrund, wo sie zu ihrer Nahrungsgewinnung gejagt, gefischt und Wildfrüchte gesammelt haben dürften.

Hier hinterließen sie mesolithische Kulturspuren.

 

 

∎ Mesolithische Silex-Artefakte [1]

Zeichnung: Henri Henze, Archäologische Denkmalpflege Landkreis Holzminden

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Früheste Spuren menschlichen Lebens im Hellental

Bei den im Umfeld des Hellentals anlässlich gezielter Geländebegehungen [2] entdeckten Artefakten mesolithischer Steinwerkzeuge und deren gezielte Herstellung handelt es sich um die bislang frühesten materiell fassbaren Zeugnisse menschlichen Lebens in dem abgelegenen Sollingtal.

 

Fundstellen (Fst. 1-6) mesolithischer Silex-Artefakte im Nahbereich des Sollingbaches Helle

WEBER │ Forschungsstand Oktober 2021

 

In „Wildbeutergemeinschaft“ durchwandert sie die Naturlandschaft des nördlichen Sollings.

Sechs Fundstellen [2] entlang des Bachlaufes der Helle und in der weiteren wasserreichen Umgebung deuten daraufhin, dass sich nomadisierende Jäger auf Lagerplätzen im Hellental aufgehalten und - wie die ausgestellten Funde zeigen - als Schlagplätze für ihre Spezialwerkzeuge genutzt haben.



[1] Studiensammlung Archäologische Denkmalpflege Landkreis Holzminden - Fundchronik 2003.

[2] Geländebegehungen durch Dr. Klaus A.E. Weber, Christel Schulz-Weber, Michael Begemann.