Auftaktveranstaltung am 24. April 2018 im Gasthaus Grenzkrug, Merxhausen

Ansprachen

 

Ablauf Auftaktveranstaltung

  • Kirchenchor Heinade Ltg Günter Oppermann „Kein schöner Land“

  • Begrüßung durch HGV Vorstand Dr. Klaus Weber

  • Begrüßung und Führung durch die Veranstaltung - Rolf Clauditz AK Merxhausen

  • Grußwort Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Anders

  • Vortrag Frau Dr. Gudrun Pischke: „Merxhausen 850 ?“

  • Kirchenchor Heinade „Sollinglied“

  • Bemerkungen zum Grenzkrug und Anmerkungen zur Ausstellung - Rolf Clauditz AK Merxhausen

  • Ausstellung und Gulaschsuppe

Moderation: Rolf Clauditz, Merxhausen

 


 

Dr. Klaus A.E. Weber

Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins für Heinade-Hellental-Merxhausen

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

in diesem Jahr gibt es eine Vielzahl politisch wie historisch unterschiedlich bewegende wie bewegte Gedenk- und Jubiläumsfeiern - von Trier über Frankfurt bis Berlin

– und dann auch noch: 850 Jahre Merxhausen - 850. Geburtstag eines kleinen mittelalterlichen bäuerlichen "Dörp undern Sollige".

Doch halt an dieser Stelle - mit einem mir zuteil gewordenen ernsten Einwand:

„Da hat mal wieder jemand die neuere Literatur nicht beachtet!

Laut Casemir/Ohainski (⟶ Ortsnamenbuch Landkreis Holzminden aus dem Jahr 2007, S. 156-157)) bezieht sich der Beleg 1168 auf die Wüstung Markwordeshusen im Landkreis Göttingen!

Oder hat man in Merxhausen superneue Erkenntnisse?“

Steht also der Verdacht einer möglichen historischen Falschaussage im Raum?

Wurde nicht vor wenigen Tagen in Merxhausen selbst die Recherche-Kompetenz des Vereinsvorsitzenden angezweifelt?

850 Jahre Merxhausen – Fake News im „postfaktischen Zeitalter“?

Machen sich da unser Heimat- und Geschichtsverein und seine engagierte Arbeitsgruppe Merxhausen mit Faktenferne und Datenresistenz ihre eigene historische Welt?

Leben wir nicht derzeit in dem Spannungsfeld zwischen „Empört Euch“ und „Hört endlich zu, schaut endlich zu“?

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

es ist mir eine besondere Freude, Sie alle zur ehrenamtlich organisierten Auftaktveranstaltung im Namen des Heimat- und Geschichtsvereins für Heinade-Hellental-Merxhausen hier im geradezu legendären Gasthaus Grenzkrug bei Merxhausen willkommen heißen zu dürfen.

Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass ich Sie nicht alle namentlich begrüßen kann.

Haben wir ein „sicheres Wissen“ über die 850 Jahre Merxhausen auf der Basis historischer Quellen?

Dies gerade aus jener Epoche, in der die mündliche Gesellschaft die Vergangenheit nicht unbedingt so überlieferte, wie sie sich zugetragen hatte.

Wissenschaftstheoretisch gibt es gerade auch in der Geschichtswissenschaft nie hundertprozentige Sicherheit.

Gestatten Sie mir vor dem Hintergrund dieser historisch nicht einfachen Fragestellung, Frau Dr. Gudrun Pischke vom Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Göttingen und als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Südniedersächsische Heimatforschung aufs herzlichste zu begrüßen.

Begrüßen darf ich auch die kreativ engagierten Mitglieder des Arbeitskreis Merxhausen unseres Heimat- und Geschichtsvereins wie auch die stets helfend unterstützenden Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Merxhausen.

Ihnen allen möchte ich bereits an dieser Stelle meinen aller herzlichsten Dank, meine ausdrückliche Anerkennung und Wertschätzung aussprechen für Ihr Mitwirken und die Zusammenarbeit bei der Ausgestaltung der heutigen Auftaktveranstaltung - wie auch bei den noch anstehenden Feierlichkeiten.

Dabei gilt mein herzlichster Dank auch den Sponsoren mit deren Zuwendungen die ehrenamtlich gestaltete Veranstaltungsreihe im Jubiläumsjahr erst ermöglicht wurde.

Für die feierliche Umrahmung unserer Jubiläumsveranstaltung sorgt der Kirchenchor Heinade unter der Leitung von Herrn Günter Oppermann.

Lieber Günter – Du hattest im Jahr 1990 gerne die „kleine Herausforderung“ angenommen, in Heinade einen Kirchenchor zu gründen.

Am 29. November 2015 konnte der Kirchenchor Heinade in der Heilig-Kreuz-Kirche in Heinade im Rahmen eines Gottesdienstes und eines Chorkonzertes sein 25-jähriges Jubiläum feiern.

Allen Mitwirkenden des Kirchenchores danke ich für die stimmungsvolle, feierliche Begleitung des heutigen Festabends.

Nicht zuletzt gebührt vor allem aber dem Vorstandskollegen und Arbeitskreisleiter - Herrn Rolf Clauditz - unsere ganz besondere Anerkennung und der Dank seiner Vorstandskollegen wie auch aller Vereinsmitglieder.

Herr Rolf Clauditz war und ist der Initiator, der nimmer müde Organisator, Finanzstratege und der exzellent laufende Motor der diesjährigen Jubiläumsveranstaltungen.

Da bekanntlich der Dank die schärfste Form der Bitte ist – darf ich Dich – lieber Rolf – nun bitten, uns moderierend durch die feierliche Auftaktveranstaltung zu führen.

Ihnen allen mein herzlicher Dank für Ihr Kommen heute – und für Ihr Kommen zu den noch geplanten Veranstaltungen!

 


 

Wolfgang Anders

Samtgemeindebürgermeister der Samtgemeinde Eschershausen-Stadtoldendorf

 

Sehr geehrter Herr Clauditz, Herr Dr. Weber, sehr geehrter Herr OBM,  sehr geehrte Frau Dr. Pischke, sehr geehrte Frau LR Schürzeberg, Herr BM Rawisch, werte Ehrengäste, meine sehr geehrten Damen und Herren!

Zur heutigen Auftaktveranstaltung „Merxhausen 850“ übermittele ich Ihnen, auch im Namen von Rat und Verwaltung der SG Eschershausen-Stadtoldendorf, die besten Grüße. Gleichzeitig möchte ich mich für die Einladung zu dem heutigen Festakt herzlich bedanken.

Weiterhin übermittele ich Ihnen die besten Grüße und Wünsche unserer Landrätin Angela Schürzeberg.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

„das Wesen der Geschichte“, so sagte einmal ein Kulturhistoriker, „ist ihre Wandlung“.

Und ich möchte hinzufügen: Nichts ist so beständig, wie der Wandel! Nur muss man ihn beherrschen oder beherrschen lernen! Und genau dies haben die Einwohner von Merxhausens m.E. seit der Gründung der Siedlung immer wieder bewiesen.

So haben viele Generationen daran gewirkt, dass das Dorf in dem heutigen Erscheinungsbild so gut dasteht, wie wir es heute kennen.

Dies war sicherlich nur möglich, weil für Tausende von Menschen in den vergangenen Jahrhunderten Merxhausen Lebensmittelpunkt und zugleich Heimat war.

All jene Menschen haben im Wechsel der Zeiten viel Tatkraft beweisen müssen, um zu überleben. Ihre Errungenschaften, Fertigkeiten und Kenntnisse gaben sie den nachfolgenden Generationen weiter und prägten damit zugleich die Geschicke von Merxhausen.

Wer weiß schon, was jene Männer und Frauen - vielleicht waren es sogar Ihre Vorfahren – in den ersten oder späteren Jahrhunderten des Bestehens des Dorfes leisten, erleben und ertragen mussten?

Nun, bekannt ist, dass sie früher zu  Hand‐ und Spanndiensten herangezogen wurden und u.a. den Zehnten und diverse andere Abgaben zu leisten hatten. Eine Erleichterung kam später mit der Ablösung der Dienste in der Separationszeit. Danach wuchs die Bevölkerung sprunghaft.

Die erzielten Produktivitätssteigerungen in der Landwirtschaft waren die Quelle eines bescheidenden, aber wachsenden Wohlstandes. Unterstützt wurde diese Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert durch Erlöse aus der Leinenherstellung.

Daneben wurde Merxhausen von jeher geprägt durch seine Lage als Grenzregion und den mehrfach wechselnden Zugehörigkeiten zu verschiedenen Herrschaften und Ämter.

Natürlich zogen auch Ereignisse, wie z.B. der 7-jährige Krieg, Seuchen, wie die Cholera von 1850, das Amerikafieber mit seinen vielen Auswanderern im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, oder Feuersbrünste, wie den Brand des Rothschildschen Anwesens im Jahre 1814, Unwetter, wie 1955, oder Missernten, wie die Kartoffelfäule Mitte des 19. Jahrhunderts, das Dorf in Mitleidenschaft. Derartige Rückschläge machten so manche Anstrengungen der Einwohner zunichte, bereiteten aber auch den Weg für einen Neuanfang.

Schließlich brachten die beiden Weltkriege viel Leid ins Dorf. Danach wurde fast alles anders. Im 2. Weltkrieg und danach kamen zahlreiche neue Gesichter ins Dorf: Soldaten, Zivilarbeiter, Ausgebombte aus den Großstädten und viele Flüchtlinge. Dann kam das eigentlich bis heute anhaltende Wirtschaftswunder, mit erneut großem Wandel. Und so haben sich in den letzten Jahren Fachgeschäfte, die Schule u.a. Einrichtungen nach auswärts verlagert und entsprechend hat sich das tägliche Leben gegenüber früher doch erheblich verändert.

Merxhausen hat somit in seiner Geschichte Höhen und Tiefen erlebt. Doch gab es immer wieder einen neuen Anfang, den Menschen wagten und vollzogen. Daher ist heute auch ein Tag, an dem wir an jene vielen Menschen denken sollten, die z.T. anonym in die Geschichte eingingen bzw. längst vergessen sind, die aber mit ihrem Engagement das Dorf prägten, so dass sich Merxhausen so entwickeln konnte, wie wir es heute kennen und schätzen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, neben dem großen Jubiläum, 850 Jahre Ersterwähnung, feiern Sie in diesem Jahr auch noch weitere Ereignisse, so den 1698 erfolgten und seinerzeit stark umstrittenen Wechsel von der Kirchengemeinde Mackensen zu Filiale nach Heinade (= 320 Jahre) und die 250jährige  Vollendung des Kapellenbaus (1768; Beginn 1764) und auch dazu spreche ich Ihnen meine Glückwünsche aus.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

wenn sich auch vieles im Laufe der Zeit geändert hat, so hat es stets
im Dorf und in der Gemeinde Menschen mit großen Engagement gegeben und solche Aktivposten gibt es auch heute hier. Daher wird mir mit dem Blick nach vorn in die Zukunft nicht bang um Merxhausen: Gemeinsinn wurde und wird hier im Dorf immer groß geschrieben. Ich denke da z.B. auch an das hiesige gesellige Schlachte-Essen. Und vieles, was das Dorf heute  lebens- und liebenswert macht, haben Sie in gemeinsamen Anstrengungen erreicht, UND dies wird auch in Zukunft so sein, da bin ich mir sicher.

Denn und dies ist der Schlüssel auch für die Zukunft des Dorfes: Merxhausen ist für die Menschen mehr als nur Wohnort, es ist Ihre Heimat. Und auf diese können Sie gemeinsam stolz sein!

Abschließend bleibt mir nur noch, Ihnen alles Gute für die Zukunft zu wünschen.

Dann habe ich Ihnen noch eine Kleinigkeit mitgebracht.  

Es handelt sich hierbei um die Kopie einer Urkunde, die mir freundlicherweise Frau Gerdes vom Stadtarchiv Einbeck zur Verfügung gestellt hat.[1] 

Hierin heißt es auszugsweise:

"Heinrich, Herzog von Braunschweig, belehnt mit einem Gesamt-Lehen die Einbecker Bürger Arnd Usler und seinen Bruder Otto – neben anderen Orten -  in Merxhausen (Merkeshusen), das seinerzeit noch  im damaligen Gericht "tom Hundesruggen“ also dem Amt Hunnesrück, zugehörig war.

Die Urkunde wurde am 5. Mai 1487 ausgestellt.

Die zweite Urkunde, die ich Ihnen gerne überreichen möchte,  wurde mir vom Leiter des Staatsarchivs WF, Herrn Bei der Wieden, zur Verfügung gestellt.
Gemäß dieser Urkunde verpfändeten Arnd und Johann, Brüder von Haversforde, wiederkäuflich mit Zustimmung ihres Vetters, den dritten Teil des Dorfes Merxhausen an das Augustiner Kloster in Einbeck.[2]

Die Urkunde stammt vom 12. Okt. 1404.

 

 


[1] Urkunde StadtA EIN, A, A I Nr. 67.

[2] NLA HA, Cal. Or. 100 (Einbeck Augustiner, Nr. 22.