Zisterzienserkloster "Amelunx=Born"

Klaus A.E. Weber

 

Einst ein "ziemlich reichbegabtes Closter" mit "Cistercienser Mönchen"

Wichtiger Großbau mit bedeutenden mittelalterlichen Glasmalereien


Ansicht des "Closters Amelunxborn" nach einem Kupferstich um 1654 [44]


„[…] weise den Zisterziensern die nackte Wüste und ein Stück wildgewachsenen Waldes zu, und du wirst daselbst, nur wenige Jahre später, nicht nur Kirchen und Häuser, sondern auch eine Fülle von Besitztümern und viel Prächtiges finden […]“ [8]

Die historische Entwicklung von Europa maßgeblich beeinflussend, gelten im Mittelalter die gottessuchenden Zisterzienser als einer der mächtvollsten Verbände der Zeit.

Von dem außergewöhnlichen Orden wurden beeindruckende Sakralbauten und eine besondere Klosterwirtschaft geschaffen.

Sich ursprünglich im 12. Jahrhundert auf den großen, charismatischen und kirchenkritischen Zisterziensermönch Berhard von Clairvaux (um 1090-1153) beziehend, entstanden von ihm beeinflusst in der Zeitspanne vom späten 11. Jahrhundert bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts fast 650 Klöster - in der Hochzeit angelegt als dichtes Netzwerk in Europa.

Die Klosteranlagen gelten als "Vorposten der Landesherrschaft auf unsicherem Terrain".[7]

Das älteste Zisterzienserkloster Norddeutschlands ist die Abtei Walkenried, die 1129 mit Mönchen aus Kamp besetzt wurde.[50]

Den Aufstieg, die Bedeutung und die Erfolgsgeschichte des außergewöhnlichen "Konzerns der weißen Mönchen" mit seiner mittelalterlichen Blütezeit zeigte die ausgreifende Ausstellung "Die Zisterzienser - Das Europa der Klöster".[7][24]

 

 

„Amelunx=Born“ - Zweitältestes Zisterzienserkloster in Niedersachsen │ seit 1135

"Oben ohne" im April 214 │ "Oben wieder mit Vierungsturm" im Oktober 2018

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Kloster Amelungsborn St. Marien (1135-1568)

  • Hochmittelalterliche Gründung als frühes Tochterkloster von Morimond-Kamp

  • Weiterbestand nach 1810 bis heute

Zur Geschichte des Zisterzienserklosters Amelungsborn ist festzuhalten, dass die Abtei Amelungsborn an achter Stelle von 51 europäischen Abteien des Zisterzienser-Ordens 1135 als Filiation Morimond - Kamp gegründet wurde.[25][36][39][41][42][45][46].

  • Ortsnamen bei CASEMIR/OHAINSKI [43].

Nicht unumstritten im Jahr 1124 "mit gutem Consent" vom Grafen von Northeim gestiftet (Northeimer Stiftungsakt durch den Territorialherrn Graf Siegfried von Homburg) [15], besiedelten sechs Jahre später Mönchen aus dem frühen Kloster Kamp das gräfliche Gut (Filiation), wobei der Abt von Amelungsborn von Pabst Honorius II. (um 1060-1130) infuliert wurde.[26]

Die 1122/1123 von dem Kölner Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenberg (Amtszeit 1100-1131) gegründete Abtei Kamp ist das erste Zisterzienserkloster auf dem Boden.[29]

Nach EGGELING [39] richtete am 23. August 1129 Berhard von Clairvaux "ein jubelndes Glückwunschschreiben bei Einweihung des hohen Chores der Kirche an Abt und Konvent" (Text bei EGGELING [40].

Durch einen vollzählig eingezogenen Konvent wurde auf dem Hochplateau Odfeld bei Stadtoldendorf am 20. November 1135 das Zisterzienserkloster Amelungsborn ordensrechtlich gegründet (Stiftungstag) - mit späterem Streubesitz.[10][12]

Der Bau der dreischiffigen Basilika auf der Hügelkuppe erfolgte bis 1158.

1340-1363 wurde die Basilika um einem gotischen Chor erweitert.

Im 15. Jahrhundert kam es zum Niedergang und 1568 erfolgte zwar die Aufhebung, gleichwohl bestand die zisterziensische Klosteranlage als evangelisches Kloster nach 1810 weiter.

Nach HEUTGER und WENTZEL zählen die Kirchenfenster der ehemaligen Zisterzienserklosterkirche zu den bedeutendsten Deutschlands.[17][19]

 

Der erste bis 32. Abt des "Closters Amelunxborn" │ 1141-1650 [44]

  • Verzeichnis der Äbte des Klosters Amelungsborn - mit ihren Amtszeiten

 

18. Jahrhundert

 

1. Hälfte 18. Jahrhundert │ Letzte größere Umgestaltung der Klosterkirche

"In der Sanierung und Umgestaltung des romanischen Langhauses der Amelungsborner Klosterkirche sowie des nördlichen Kreuzgangbereiches" bestand die besondere baugeschichtliche Leistung des bauaktiven Abtes Christian Heinrich Behm (1662-1740) - 11. Abt seit der Reformation (1712-1740).[1][2]

 

2. Hälfte 18. Jahrhundert

Die von Abt Ritmeier (1747-1774) beauftragte, vermutlich zwischen 1750 und 1753 von Georg Johann Erich Herweg (Pastor in Amelungsborn: 1749-1753) verfertigte Beschreibung der Klosterkirche und deren Ausstattung weist hinsichtlich der Kirchenfenster aus:[16]

"Über dem Hohen Altar ist ein sehr großes und schön gemaltes Fenster.

Auf dem hohen Chor zu ieder Seite sind 2. kleine Fenster.

In dem rechten Seiten-Gange aber sind 6. und in dem linken Seiten-Gange 3. mittelmäßige Fenster, welche zum Theil gemahlet.

Über der Thür nach dem Kirch-Hofe ist ein sehr großes Fenster, darin verschiedene Bilder gemahlet, und gegenüber nach dem Creutz-Gang ist auch ein großes Fenster. 

Vor dem kleinen Altar in dem mitteln Gange sind oben zu ieder Seite 6. Fenster, und an der Seite der Orgel-Treppe 3. kleine.

Auf der Orgel ist ein großes und mittelmäßig rundes Fenster, wie auch einss über der Thür unten in der Kirche."

 

Um 1800

Den Tageblättern "unserer Reise in und um den Harz", herausgegeben von Carl Gottlieb Horstig (1763-1835), ist für den 03. September 1803 zu entnehmen [3], dass die "Glasmahlereyen an den Fensterscheiben der Kirche zu Amelunxborn ... wegen der ungewöhnlichen Frischheit und Lebhaftigkeit der Farben die Aufmerksamkeit aller Freunde der Alten Kunst ..." verdienen.

Hierzu führt GÖHMANN [5] aus, dass 1637 noch 12, hingegen um 1800 nur noch 9 Fenster "mit gemalten Scheiben" erwähnt werden, "besonders das große Ostfenster, das 42 Bildfelder mit Szenen aus dem Marienleben und der Passion Christi zeigte, sowie ein hohes Fenster mit dem Stammbaum Christi in 60 Figurentafeln über der Totenpforte im nördlichen Querschiff.

Im 14. Jahhundert entstanden, galten sie als bedeutenste Glasbilderzyklen ihrer Zeit.

Nach früheren Verlusten wurden sie bis auf 12 Glastafeln im 2. Weltkrieg zerstört, die 1828 in die Schloßkapelle in Blankenburg transloziert, 1945 auf der Marienburg bei Hannover in Sicherheit gebracht und dem Kloster 1966 zurück gegeben sind."

 

„Back Hauß“ und „Brau-Hauß“ 1729 ⎸1756

Zu Zeiten von Herzog Carl I. eng benachbarte Gebäude

Im Zisterzienserkloster Amelungsborn wurde im 18. Jahrhundert Brot im „Backhaus“ gebacken und zugleich Bier im „Brauhaus“ gebraut, das in den Krügen der Klosterdörfer ausgeschenkt wurde.

 

 

Ehemaliges "Bier-Brau-Haus“ des Klosters Amelungsborn │ 18. Jh. │ April 2014

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Nach GÖHMANN [18] deuten der Braumeistergarten („Brau Meister Garte“) sowie die Flurbezeichnung Hopfengarten westlich der Klostermauer auf das Bierbrauen hin.

Dem hingegen sei aber unbekannt, ob im Kloster bereits vor der Reformation Bier gebraut wurde, „zumal das Kloster in seinem Einbecker Stadthof das Braurecht besaß“.

Der dann 1756 unter Herzog Carl I. erstellte Plan des Klosters Amelungsborn weist eng benachbart aus

  • (№ 6) „Das Back-Haus“
  • (№ 7) „Das Bier-Brau-Haus“
  • (№ 8) „Das Brandtwein Brauhaus“

Demnach wurde nunmehr im Kloster - neben Bier - auch Branntwein zum Ausschank in den Klosterkrügen hergestellt.

 

Gartenkultur │ Mittelalterlicher Klostergarten

Ab dem 12. Jahrhundert trugen die Zisterziensermönche wesentlich zur europäischen Gartenkultur bei.

Bereits seit dem frühen Mittelalter zählten Gärten zur Grundausstattung der Klöster.

Der Klostergarten von Amelungsborn lieferte der Klosterküche Gemüse, Obst und Würzkräuter.

Zudem wuchsen in dem Klostergarten auch Arzneikräuter für die mittelalterliche Klostermedizin.

 

 

Hochbeete des heutigen "mittelalterlichen" Klostergartens von Amelungsborn │ April 2014

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

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[1] GÖHMANN 2004, S. 9.

[2] GÖHMANN 1991, S. 43-44 Legende 14) A.

[3] GÖHMANN 2004, S. 75.

[4] GÖHMANN 1982, S. 50, 109-115.

[5] GÖHMANN 2004, S. 76 Legende 67).

[7] OEHLEN 2017.

[8] Gerald von Wales, engl. Chronist und Kleriker (1147–1223), Itinerarium Kambriae - Ausstellung "Die Zisterzienser - Das Europa der Klöster" im Museum des Landschaftsverbands Rheinland in Bonn 29.06.2017 - 28.01.2018.

[9] LILGE 2000, S. 13-24.

[10] HEUTGER 1968, S. 12-24.

[12] GÖHMANN 1991, S. 15, 18, 20-23.

[15] Siegfried IV., Graf von Northeim und Bomeneburg; GÖHMANN 1991, S. 20-21.

[16] zit. in GÖHMANN 1991, S. 53.

[17] HEUTGER 1968, S. 35-36 - mit Hinweis auf H. WENTZEL: Gotische Glasmalereien für Amelungsborn. Pantheon. Internat. Zeitschr. für Kunst III 1965, S. 139-145.

[18] GÖHMANN 1991, S. 45, 62-64.

[19] WENTZEL 1965, S. 139-145.

[22] GÖHMANN 1982, S. 109-110 (Nr. 39).

[23] GÖHMANN 1982, S. 120, 122 - im 16. Jahrhundert: Gerechtsame 1580 Heinade: einige Morgen Land und Wiesen; im 17. Jahrhundert: Gerechtsame 1675 Heinade: eingige Morgen Besitz von Land und Wiesen.

[24] Museum des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) in Bonn: Juni 2017 - Januar 2018. Bereits 1980 war von der LVR die Zisterzienser-Ausstellung mit dem Titel "Ordensleben zwischen Ideal und Wirklichkeit" in Aachen eingerichtet gewesen.

[25] LVR-LANDESMUSEUM BONN 2017, S. 305, 328-329.

[26] LVR-LANDESMUSEUM BONN 2017, S. 305.

[29] LVR-LANDESMUSEUM BONN 2017, S. 313.

[31] LVR-LANDESMUSEUM BONN 2017, S. 123-131.

[36] RAULS 1983, S. 29-35.

[39] EGGELING 1936, S. 295-309.

[40] EGGELING 1936, S. 296.

[41] KLOSTERKAMMER HANNOVER 2008, S. 154-161.

[42] RAULS 1974, S. 30-33.

[43] CASEMIR/OHAINSKI 2007, S. 27-29.

[44] MERIAN 1654, S. 42, 43.

[45] NHB 2020, S. 79.

[46] HEINEMANN 1977, S. 275-277.

[48] MÜLLER 1994.

[50] BLAICH/LUDWIG 2021, S. 3-7.