Historische Kulturlandschaft im Solling

Klaus A.E. Weber

 

Anschauliche Verbindung von Vielfalt, Eigenart, Schönheit & Erholung


Die Landschaft des Sollingtals genießen

 

Die Landschaft des langgestreckten Sollingtales Hellental wurde vormals und wird noch heute im steten Wandel sowohl von natürlich bestimmten als auch von menschlich geprägten Prozessen fortlaufend verändert.

Insbesondere zugewanderte Menschen prägten über Jahrhunderte hin aus ökonomischen wie sozialen Gründen das heutige Landschaftsbild des Hellentals im Hochsolling.

Abhängig der naturräumlich gegebenen Standorteigenschaften entstand so in den zurückliegenden Geschichtsepochen eine regional einzigartige Kulturlandschaft innerhalb des Sollings im Weserbergland.

 

Wiesentypen im Hellental - Darstellung im WildparkHaus [1]

 

Durch viefältige Landnutzung historisch gewachsene Elemente & Strukturen als wertvolles kulturelles Erbe

Als prägende historische Elemente und Strukturen des kulturhistorischen Landschaftsbildes eines extensiv bewirtschafteten Dauergrünlandes gelten

  • markante Schattbäume, Sträucher, Hecken und Streuobstwiesen
  • Zuleitungsgräben ("Fleuegräben") eines früheren Wiesenbewässerungssystems
  • Furten durch die Helle
  • besondere Flurformen mit Ackerterassen
  • zahlreiche, langgestreckte Trockenmauern
  • Bodendenkmäler mittelalterlicher und neuzeitlicher Waldglashütten im "Alten Tal der Glasmacher"
  • Standorte des Holzkohle produzierenden Köhlergewerbes
  • Relikt eines neuzeitlichen Kalkofens bei Merxhausen

 

Das Hellental liegt als Vorranggebiet für Natur und Landschaft im Landschaftsschutzgebiet Naturpark Solling-Vogler.

Im September 1990 wurde es in seinem südwestlichen Abschnitt als Naturschutzgebiet ausgewiesen (insgesamt ca. 182 ha, davon 128 ha im Landkreis Holzminden).

Das Wirtschafts-, Feucht- und Nassgrünland des Hellentals wird besonders durch seine Quellen und Hangquellmoore, das Fließgewässer Helle, die Niedermoorflächen und Borstgrasrasen im südlichen Hellental sowie durch Bergwiesenfragmente charakterisiert.

Die ästhetisch ansprechende, stimmungsvolle Landschaft des offenen beweideten Sollingtals ist ein reizvolles, von harter menschlicher Arbeit typisch geprägter Lebens- und Kulturraum - als Grünlandtal eines der schönsten Wiesentäler des Sollingraums und südniedersächsischen Berg- und Hügellandes.

Das Hellental ist fast vollständig von Laub- und Mischwälder umgeben, die nahe an das Dorf grenzen.

Überwiegend sind standortheimische Baumarten anzutreffen, wie die Rotbuche.

In dem Wiesental besteht noch heute ein hoher Artenreichtum an Pflanzen und Tieren, wobei insbesondere eine beachtliche Biodiversität von Gefäßpflanzen, Moosen, Flechten und Pilzen nachgewiesen werden konnte.

Besonders seltene oder lokal interessante Arten unterstreichen als Biotoptypen die hervorgehobene Bedeutung des gesamten Hellentals für den Schutz pflanzlicher und tierischer Arten und deren Lebensgemeinschaften.

Markante Einzel- sowie Schattbäume, Sträucher, Hecken und andere Kleingehölze, Streuobstwiesen (mit teils alten Obstsorten) und noch erhaltene Ackerterassen sowie Relikte von Flachsrotten runden das typische kulturhistorische Landschaftsbild eines extensiv bewirtschafteten Grünlandtals harmonisch ab.

Einst eingebettet in eine Landschaft mit Sumpfgebieten und bewaldeten Steilhanglagen erwies sich die exponierte Randlage im Nordsolling für das mit Laub- und Bruchwäldern dicht bestandene Hellental als nachteilig.

Das Hellental galt bis zur frühen Neuzeit als unzugänglich, siedlungsfeindlich und unbewohnbar.

Zudem waren die Böden der Hanglagen aus der Verwitterung des oberflächennahen Buntsandsteins hervorgegangen und auch die wenigen Braunerdeböden eigneten sich nicht für einen rentablen Ackerbau.  

Die vielfach in und um den Glasmacherort Hellental vorhandenen Trockenmauern sind eines der besonderen Elemente der historischen Kulturlandschaft des nördlichen Sollings.

Die an den östlichen Wiesenhängen erkennbaren Spuren linienförmiger Zuleitungsgräben ("Fleuegräben") eines früheren Wiesenbewässerungssystems – zum regulären „Fleuen” wasser- und nährstoffarmer Hangwiesen – sind ein gewässerhistorisch wie kulturlandschaftlich bedeutsames Flächenrelikt in Südniedersachsen.

Auch haben im Hellental einst zahlreiche Kohlenmeiler mit Köhlerhütten gestanden.

Ehemalige Standorte des Holzkohle produzierenden Köhlergewerbes können auf eingeebneten Wiesenflächen im gesamten Talverlauf ausgemacht werden.



 

Relikte einer Ackerterrasse im mittleren Hellental

 

Vor diesem Hintergrund wie auch durch die Steilhanglage, die Flachgründigkeit und die geminderte Bodenfruchtbarkeit infolge geringen Nährstoffgehalts entwickelte sich im Hellental nur eine ertragsschwächere Grünlandnutzung.

Die noch vielfach in und um Hellental vorhandenen, teilweise wiederhergestellten Trockenmauern (aus ortständigem Buntsandstein) sind eines der besonderen Elemente der historischen Kulturlandschaft des nördlichen Sollings.

Die geländemorphologisch an den östlichen Wiesenhängen erkennbaren Spuren linienförmiger Zuleitungsgräben eines früheren Wiesenbewässerungssystems – zum regulären „Fleuen” wasser- und nährstoffarmer Hangwiesen – sind ein gewässerhistorisch wie kulturlandschaftlich bedeutsames Flächenrelikt in Südniedersachsen.

 

 

Spuren von drei übereinander angeordneten "Fleuegräben" zur ehemaligen Wiesenbewässerung im Hellental

 

Noch heute genutzte Furt durch die Helle im oberen Hellental

 

Das die Landschaft des Hellentals prägende Fließgewässer ist die teilweise noch naturraumtypische Helle, ein schnell fließender Mittelgebirgsbach, der mehrere Standorte ehemaliger Waldglashütten im Talverlauf passiert.

Einem Quellgebiet im Naturschutzgebiet des Hochmoores Mecklenbruch bei Silberborn entspringend, durchfließt sie weitgehend naturbelassen als klarer Bach das lang gestreckte Muldental, teils oberirdisch, teils über Bachschwinden unsichtbar in unterirdischen Karstwasserleitern.

Abhängig vom jahreszeitlichen Niederschlag wird die Helle auch von zahlreichen Hangquellen gespeist („Tal der 200 Quellen“).

 

 

Text & Fotografien: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

 


[1] WildparkHaus - Das Solling Besucherzentrum bei Neuhaus.