Hammerwerke an der Spülig │ Merxhäuser Eisenhütte

Dr. Klaus A.E. Weber │ Rolf Clauditz

 

Im grenznahen Umfeld von Merxhausen lagen einst drei Hammerhütten


Stückofen nach Agricola, 1557 [3]

 

Die Merxhäuser Eisenhütte verhüttete [6] in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts Eisenerz von der Eisenerzlagerstätte Steinberg beim Flecken Markoldendorf - vermutlich mit verbessertem Rennfeuerofen (Stückofen).

Nach CREYDT wurde bei Heinade und vor allem bei Merxhausen bereits seit dem Mittelalter, vermutlich ab dem 12./13. Jahrhundert, eine Eisenverhüttung von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung im südniedersächsischen, braunschweigschen Gebiet betrieben.[1][3]

Hierbei soll vornehmlich Eisenerz aus Markoldendorf (Steinberg) verwendet worden sein.

In der Frühzeit der Eisenverhüttung wurde das Eisen wahrscheinlich im so genannten Stückofenverfahren gewonnen.

Schlacke aus der Eisenverhüttung der Merxhäuser Eisenhütte um 1560–1580, glasig erstarrte, massive bis poröse Schmelzrückstände bei der Verhüttung regionalen eisenhaltigen Erzes, befindet sich in der Sammlung des Museums im Backhaus ⎸Hellental, dazu auch eine kleine angeschnitte Luppe ⎸Renneisen, experimentell erzeugt durch Direktreduktion von Raseneisenerz in einem Rennofen aus Lehm (Nachbau Heidbrink).

Verhüttungstechnik, die die Verfügbarkeit von Wasserkraft und Holzkohle voraussetzte:

Erz + Holzkohle + Kalk + Sauerstoff → Stück Eisen 3-10 Zentner → erkalteter Eisenklotz wird von Schlacke befreit → 4 Teile Amboss zerlegt → in der Esse erneut geschmolzen und weiterverarbeitet in Stabeisen zu Pflügen, Radreifen, Werkzeugen

Auf dem Schmiedebrink konnte eine Schlackenhalde mit renaissancezeitlichen Keramikscherben der Jahre um 1560–1580 [8] nachgewiesen werden.[3]

 

Reste der Schlackenhalde Schmiedebrink (Haus Dörries), 2018

 

Grenzbeschreibung 15811596

Bereits um 1581 wurden in einer Grenzbeschreibung des Amtes Fürstenberg „Hammerhütten“ erwähnt, die unterhalb von Merxhausen im Solling gelegen haben sollen, "das Heldahl hinunter bis uff die Hammerhütten und von dar bis in das Dorf Mackensen ..."[5]

Möglicherweise handelt es sich hierbei sogar um eine eigenständige Hüttensiedlung in der Nähe der alten Dorfanlage von Merxhausen, die später wüst gefallen sei („Wüstung Hammerhütten“).

LETZNER berichtete wenige Jahre später, 1596, in seinen Aufzeichnungen, dass "das Dorf Merxhausen vorzeiten neben diesem Wasser [Spülig-Bach] ein grosser Hütten handel gewesen ist, wie das daselbst die vestigia [Gebäudereste] und die grossen gewaltigen Schlackenhauffen anzeigen."

Um 1637 sollen die Hammerhütten bereits außer Betrieb gewesen sein.[2]

 

1654

Der Aufzeichnung eines Mitarbeiters von Merian von 1654 ist zu entnehmen, dass "Merxhausen daselbst findet sich ein Ort, die Hammerhütten genannt und gibt es ocularis inspectio, dass daselbst Eisenhütten gelegen, ..."[1]

Tuschezeichnung von 1708 mit den Grenzorten Mackensen und Merxhausen - Blick vom Steinberg

Grenzgraben, Grenzbaum, Palisadenzaun Kennzeichnung der drei "Hammerschläge" [7]

 

1707/1708

Grenzstreitgkeiten um das Grenzzeichen am 3. Hammerschlag

Eine 1708 angefertigte schwarze Tuschezeichnung [7] zeigt im Grenzgebiet zwischen den Orten Mackensen und Merxhausen einen Grenzgraben, einen Grenzbaum und einen Palisadenzaun sowie oberhalb und unterhalb des Grenzkruges insgesamt drei "Hammerschläge":

  • 1. Schlag (Hammerschlag) - Höhe Saakelsche Mühle
  • 2. (Hammerschlag) - Mühlgarne Spülig
  • 3ter Hammerschlag - unterhalb des Grenzkruges

 

Fotografie: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

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[1] nach den anlässlich des Vortrages „Mittelalterliche Eisenverhüttung am östlichen Solling von 1450 bis 1714“ in Merxhausen von Detlef Creydt am 06.04.2005 überlassenen Aufzeichnungen.

[2] KNOLL/BODE 1891, S. 395.

[3] CREYDT 2013, S. 83-92.

[4] Fund Schmiede Dörries, Merxhausen.

[5] StAWb 26 Alt Nr. 1405.

[6] vergl. Verhüttung bei BAYERL 2013, S. 150-152.

[7] StAWb K13341 CREYDT 2013, S. 84 Abb. 1Kennzeichnung: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental.

[8] Archäologische Denkmalpflege des Landkreises Holzminden (Kreisarchäologie).