Die Helle - Ein schnell fließender Sollingbach

Klaus A.E. Weber

 

Das Hellental - „Tal der 200 Quellen“

Nach § 2 Abs. 1 der Naturschutzgebiets-Verordung von 1990 ist die Längsachse des Naturschutzgebietes der naturnahe Wiesenbach „Helle“, der von kleinen Feuchtwiesen und einigen Ufergehölzen begleitet wird.

Die Helle besitzt schnell fließendes, klares, nährstoffarmes Wasser.

Die im Gebiet vorzufindenden Bachschwinden stellen als typische Karstformen eine geologische Besonderheit dar.

Das Hellental liegt in einer Sollingregion mit hoher Grundwasser-Neubildungsrate.

Das hierdurch gespeiste, naturraumtypische Fließgewässer des von hohen Laub- und Mischwaldhängen natürlich begrenzten, muldenförmigen Hellentals ist die im Talgrund verlaufende Helle.

Sie bildet als landschaftsprägendes Fliessgewässer ein natürliches offenes Ökosystem und ist zugleich auch die Längsachse des Naturschutzgebietes Hellental.

Hydrogeologisch gesehen, ist die vorherrschende Abflussrichtung der Hauptentwässerer (Flüsse) des Weserberglandes nach Norden bis Nordwesten ausgerichtet.

Dieser Richtungsvorgabe folgt der Wiesenbach nur bedingt, sie entwässert nach Nordosten.

Die Helle entspringt im Südwesten als Gewässer III. Ordnung dem eine Wasserscheide bildenden Sattelhochmoor „Mecklenbruch“ zunächst als Moorbach und entwässert schließlich als schnell fließender, kalter Gebirgsbach nach Nordosten hin zur Leine, wobei die Wasserführung jahreszeitlich stärkeren Schwankungen unterliegt.

Auf einer Strecke von etwa 7,5 km durchfließt die Helle ein tief in den großflächig waldbedeckten Solling eingeschnittenes, lang gestrecktes Wiesental (Naturschutzgebiet), wobei sie in ihrem naturnahen Oberlauf, im Mecklenbruch und oberen Hellentaler Grund, teilweise von schmalen Auwaldgürteln (Erlen, Weiden) und Feuchtwiesenfragmenten umsäumt wird.

Hermann Löns beschrieb 1914 in seinem Niedersächsischen Skizzenbuch „Das Hellental“ und darin den Bachverlauf der Helle:

"Weit zieht es sich dahin zwischen heiteren Buchenwäldern und ernsten Tannenforsten. Aus seinen tiefen Torfmoorpolstern, über denen die weißen Wollgrasflocken nicken, rinnen viele Wässerchen heraus.

Ein Teil davon findet sich unter dem Mittelberge zu einem lustigen Bächlein zusammen, das strudelnd und sprudelnd, als habe es Großes im Sinne, durch die blumigen Wiesen rieselt, aber schon nach ganz kurzem Laufe auf einmal in der Erde verschwindet und erst eine Stunde später bei Merxhausen wieder zutage tritt.

Ein Viertelstündchen unterhalb der Stelle, an der das namenlose Wässerlein versinkt, kommt ein quicker Quell mit lautem Gepolter aus dem grünen Grunde, wird zu einem frischen Bache, verschwindet aber auch bald in der Tiefe und wird erst weiterhin wieder sichtbar.

Das Tal, in dem diese beiden launenhaften Bäche, der sauere und der süße, teils über, teils unter der Erde entlangrinnen, hat von alters her den Namen Hellental."

Sowohl nach ihrem Verlauf als Fließgewässer im Talgrund als auch anhand der 1991 kartierten Moosflora lässt sich die Helle in drei Teilabschnitte untergliedern:

  • kontinuierlich wasserführender Oberlauf

  • nicht kontinuierlich wasserführender Mittelbereich

  • kontinuierlich wasserführender Unterlauf

Die Helle ist - zumindest im Oberlauf - als weitgehend wenig beeinträchtigter Mittelgebirgsbach zu charakterisieren, mit mittlerem Gefälle, überwiegend grobem Sohlensubstrat, gestrecktem bis in flacheren Strecken schlängelndem Bachverlauf und niedrigem, aber strukturreichem Bachufer.

Dem entsprechend ist ihre naturraumtypische Gewässermorphologie gekennzeichnet durch meist schwache Mäander und bachtypisch niedrige Ufer mit naturnaher Vegetation.

Wasserpflanzen fehlen oft natürlicherweise bei teilweise stärkerer Geschiebeführung.

Lokale Fischpopulationen fehlen gänzlich in der Helle, wobei es fraglich erscheint, ob ursprünglich je Fische den Bachlauf besiedelt haben.

Aufgrund der anzutreffenden Kombination von Morphologie und Vegetation (Fauna) kann die Helle - zumindest in ihrem Oberlauf bis zum südwestlichen Dorfeingang - als überwiegend naturnah ausgebildeter Bach gelten:

  • weitgehend unverbauter Bachlaufes

  • Strukturelemente mit naturnaher, den naturräumlichen Gegebenheiten des Hellentals entsprechender bzw. sehr ähnlicher Morphologie

  • reichhaltig ausgebildete Uferstruktur

  • weitgehend naturnahe, gewässerbegleitende Vegetation (z.B. Auwaldfragmente)

  • Art der angrenzenden Flächennutzung - als Grünland - mit geringem bis mittlerem Beeinträchtigungsrisiko (Schad-/Nährstoffeintrag)


Durch den häufig anzutreffenden Tritt der Milchkühe und Rinder auf den von der Helle durchflossenen Weidenflächen wurde und wird allerdings das natürliche Bachufer und seine Vegetation empfindlich gestört und erheblich verändert.

Unmittelbar am Bachlauf wurden noch bis zu Beginn der 1990er Jahre vielfach Auffüllungen vorgenommen, die das Relief der Helle bis heute nachhaltig veränderten.

Vor allem in ihrem Unterlauf wurde das ursprüngliche Bachbett der Helle anthropogen auf Dauer deutlich verändert und verlegt.

Die Helle wurde gefasst, begradigt, dem Straßenentwässerungsgraben zugeführt, mit reduzierter Wasserführung.

Die letzten 2 km vor der Mündung können daher nur als bedingt naturfern bis naturfern eingestuft werden, bei weitgehend begradigter Linienführung, seltenen bis keinen Strukturelementen mit natürlicher Morphologie (Verkehrswegequerung, Überbauung, Umlenkung).

Die Wassergüte für den Lebensraum des Fließgewässers Helle (naturraumtypische Wasserqualität) wurde 1983 überwiegend der Gewässergüteklasse I (vereinzelt I-II) zugeordnet.

 

 

 

In einem Bächlein Helle ...

Die auf einer Strecke von etwa 7,5 km das schmale, langgestreckte und beidseits landwirtschaftlich genutzte Hellental durchfließende Helle ist ein überwiegend naturnaher, wechselnd verlaufender kalter Mittelgebirgsbach mit schnellfließendem, klarem, aber nährstoffarmem Wasser.

Die Helle bildet die von Südwesten nach Nordosten verlaufende Längsachse des Hellentales und des schmalen Naturschutzgebietes.

In der Literatur wird der Mittelgebirgsbach auch als „Spölie“, „Hellentaler Bach“ oder „Hellegraben“ bezeichnet.

Kritisch zu bewerten ist zudem die Aussage in einer jüngeren topografischen Karte des Weserberglandes „Zwischen Weser und Harz“, worin die Helle gar als „Spüligbach“ ausgewiesen wurde, der im Hellental unmittelbar nach Mackensen fließe und etwa südlich von Dassel in die Ilme einmünde.

In diesem Zusammenhang gilt es auch den "Pfingstbach" im Zusammenhang mit dem Verlauf der Helle hydrogeologisch zu betrachten.

Die Helle ist ein Klarwasserbach mit Geröll und Blöcken aus Silikatgestein.

Gegenüber anderen Bächen des Solling-Bundsandsteingebietes, die durch basenarmen Untergrund eine geringe Pufferkapazität aufweisen und durch anthropogene Einflüsse zunehmend versauern, kommt der Helle eine besondere Bedeutung zu, da in ihrem Bachverlauf abschnittsweise Kalkstein mit großem Abpufferungsvermögen vorkommt.

Die Wassertemperaturen der Helle entsprechen denen eines typischen Mittelgebirgsbaches, in Abhängigkeit von der stellenweisen Beschattung.

Geht man „So lang dem Wasser Helle ...“, so stellt man sich im Hellentaler Grund bald die Frage nach dem Quellgebiet des schnellfließenden Baches, denn die eigentliche Quelle der Helle ist im Naturschutzgebiet (NSG) „Hellental“ nicht ohne weiteres sofort auszumachen.

Sie scheint „irgendwie“ und „irgendwo“ aus ausgedehnten Quellbereichen innerhalb von Niedermoor- und Auwaldgebieten des oberen Talabschnittes in Höhen von etwa 420-460 m üNN im ansteigenden südwestlichen Talrand des Hellentaler Grundes zu entspringen (Quellfluren), mit beträchtlichem Zufluss von einigen Quellen zu beiden Hangseiten des hier steil ansteigenden Tals.

Es ist das Gebiet um den Dasseler Mittel-Berg (515 m üNN) sowie zwischen den Talhängen des Großen Ahrensberg (525 m üNN) und der Großen Blöße (528 m üNN), den beiden höchsten Erhebungen im Solling.

Auf dem breiteren Talgrund hat sich im Quartär holozäner Niedermoortorf (überwiegend Bruchwaldtorf) gebildet.

Das „Wasser Helle“ entsteht letztlich durch den Zusammenfluss von zwei Quellbächen im oberen, südlichen Bachtal des heutigen Naturschutzgebietes:

  • Moorbach (nach Löns: „der sauere Bach“)
  • Silikatbach (nach Löns: „der süße Bach“).

Hier kommen auf vernässtem Talgrund auch kleinere Erlenwäldchen, die überwiegend in den letzten fünf Jahrzehnten entstanden sein und vom ehemals Brachfallen des Areals profitiert haben sollen.

Unmittelbar an der Helle säumen Erlen galerieartig ihren weiteren Verlauf.

Ein oberes, südöstliches Quellgebiet trägt noch heute den Flurnamen „Höllentaler Loch“, ein kleinerer Talabschnitt, den gegenüber dem unteren Hellentaler Grund durch ein kühleres und feuchteres Geländeklima kennzeichnet.

Es ist zudem jenes Gebiet, in dem sich noch heute die für die Hellentaler Trinkwasserversorgung errichtete Wassergewinnunganlage „Henkenborn“ befindet.

Teilweise wurden kleinere Erlenwäldchen entwässert mit der Folge des Aufkommens entsprechend gestörter Bodenvegetation.

Ein Lageplan des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung von 1963 weist für dieses Gebiet des oberen Hellentaler Grundes insgesamt 6 Quellen aus, wobei zwei wesentliche Zuflüsse in dieser Talregion die abfließenden Bäche aus den beiden pleistozänen Tälern des stark schüttenden Henkenborn und Hasenlöffelborn sind.

1963 wurde erwähnt, dass vom Petersilienplacken, einem längeren Höhenzug am südlichen Westhang, drei ganzjährlich schüttende Quellen von Norden entspringen, die durch Versumpfung und Versickerung nicht recht sichtbar seien.

Das eigentliche Quellursprungsgebiet der Helle liegt mit etwa 460 m üNN im nordöstlichen Teil des Hochmoorreliktes und NSG „Mecklenbruch“.

 

Hochmoorrelikt im Naturschutzgebiet "Mecklenbruch" (2015)

 

Das hier klare, meist aber durch Huminstoffe dunkelbraun gefärbte, kalte Wasser des Moorbaches unterstreicht zudem auch optisch den seinen natürlichen Ursprung aus der Hochmoorfläche des "Mecklenbruchs" im etwa mittleren Verlauf des Scheitelbruches „Derentaler-Merxhausener-Graben“.

Fichtenforsten stocken in diesem oberen, südwestlichen Talabschnitt auf feuchten bis nassen, teils von Quellfluren durchzogenen, basenarmen Buntsandsteinverwitterungsböden.

Folgte man weiter aufwärts, so erreicht man schließlich ganz das einzigartige Biotop, das bereits 1939 unter Naturschutz gestellte „Mecklenbruch“ nahe des Sollingdorfes Silberborn, im Talsattel zwischen dem Dasseler Mittelberg und dem Langenberg.

Das in Randbereichen entwässerte Sattel-Hochmoor und mit uhrglasförmiger Aufwölbung auf staunassen Windbruchflächen ausgebildete „Mecklenbruch“ ist vor etwa 5.000-4.500 Jahren nach der letzten Eiszeit entstanden und heute mit seinem Kerngebiet von 63 ha das größte Hochmoor des Sollings.

In den Auwäldern und Erlenbruchwäldern rings um die Helle befinden sich teilweise quer zum Bachbett verlaufende kleine, mehrlagige Buntsandsteinsetzungen ehemaliger Eingrenzungswälle von Viehweiden, Sandsteinlesehaufen und Lesesteinmauern.

Es sind inzwischen wichtige und daher erhaltungswürdige kulturhistorische Zeugnisse alter Landnutzungsformen im oberen Hellental.

In etwa 400 Metern üNN Höhe erkennt man auf dem Fahrweg durch ein kleines Fichtenwäldchen, wie auch gelegentlich in der Auenlandschaft des oberen Hellentals freigespültes, fahlgraues sandig-lehmiges Unterbodenmaterial, über dem wasserdurchlässiger Oberboden liegt.

Es handelt sich um dichten, wasserstauenden schweren Unterboden aus Ton- und Schluffstein (feuchter schluffig-toniger Pseudogley), die wasserundurchlässige Schicht des „Mecklenbruchs“ (Malm, Molkenboden).

Auf diesen unterschiedlich stark stauenden schluffig-tonigen Pseudogley-Bodenschichten des oberen Hellentaler Grundes sammelt sich das Oberflächenwasser, um dann in einer Vielzahl kleinerer Quellen sprudelnd zutage zu treten.

Im Bereich des „Hülsebruchs“ vereinigt sich der ehemalige Moorbach mit den zuvor beschriebenen größeren wie kleineren oberen Quellzuflüssen zu einem klaren, kühlen Mittelgebirgsbach.

Im Hellentaler Grund, der etwa an der Holzbrücke über die Helle in Höhe des Petersilienplackens beginnt, durchfließt die Helle in ihrem Oberlauf zunächst quellige Waldsimsensümpfe, dann auch einen ausgeprägten, quelligen Milzkraut-Schaumkraut-Erlen-Quellwald (Alnus glutinosa, Chrysosplenium alternifolium, Cardamine amara) mit Vorkommen der Wald-Hainsimse (Luzula sylvatica).

Es ist, geologisch gesehen, das holozäne Gebiet des Niedermoortorfes über Abschlämmmassen, gesäumt beidseits von Abschlämmmassen-Feinsand-Arealen (steinig-kiesführend) und im Hülsebruch von Fließerde.

In dem Talabschnitt, wo die Helle nach Nordosten den Hellentaler Grund verlässt, befinden sich Neuanpflanzungen von Erlen.

Bachbett und Bachrand sind abschnittsweise gut erkennbar mit groben Steinblöcken und Geröllen ausgekleidet bzw. gestaltet.

Bekannt und nachvollziehbar ist, dass von Wiesenbesitzern einerseits Gestein sowohl aus der Helle als auch von deren Bachrand entfernt als auch Materialaufschüttungen vorgenommen wurden.

Auch nach eigenen mehrjährigen Beobachtungen schwankt sowohl die Wasserführung als auch die Fließgeschwindigkeit der Helle das Jahr über beträchtlich.

Wenn im Hochsommer große Trockenheit und höchste Verdunstung vorherrscht und durch die Vegetationsdecke der Wasserverbrauch recht hoch ist, trocknet die sonst muntere Helle oft über Wochen bis hin Monate fast völlig aus.

Unsichtbar wird dann Wasser nur unterirdisch zu Tal transportiert.

Zum einen besteht wegen des geologischen Untergrundaufbaus die Tendenz, regelmäßig im Sommer gebietsweise über längere Zeit trocken zu fallen.

In Abhängigkeit niederschlagsreicher Jahresperioden (Schneeschmelze, Starkregenfälle) kommt es zum anderen bei potentiell hohem (Oberlauf) bis geringem (Unterlauf) Retentionsvermögen, zu Ausuferungen, Frühjahrshochwässern und örtlich ausgedehnten Überschwemmungen, insbesondere in der breiten Talniederung des Unterlaufes zu Merxhausen hin.

Der ursprüngliche Verlauf des Helle-Bachbettes in der unteren Hellentaler Talsohle lässt sich dann ziemlich gut ausmachen, gerade so, als erinnere uns die Helle gelegentlich hierbei, dass sie jederzeit ihr altes Bachbett wieder erkennt und es für sich dann auch zu nutzen versteht.

Es sollte uns stets daran erinnern, dass auch ein Bach nie seinen ursprünglichen, natürlichen Verlauf „vergisst“ und bedarfsweise auch auf ihn mit natürlicher Stärke zurückgreift.

Im südwestlichen Talgrund fließt die Helle als Mittelgebirgsbach in geschwungenem Verlauf mit mehr oder minder starker Mäandrierung, gabelt sich mehrfach, wobei sie regelmäßig im Spätherbst und Frühjahr größere Überschwemmungsareale bildet.

Plötzlich verschwindet die bis dahin plätschernde Helle lautlos in einem ausgedehnten, von Viehtritt gestörtem Sumpfgebiet durch ein Schwundloch (Bachschwinde), um dann einige Hundert Meter talabwärts wieder plätschernd hörbar ans Tageslicht zu treten.

 

Plötzliches "Verschwinden" der Helle im Mai 2008 (oberes Hellental)

 

In den letzten 10-15 Jahren soll das sommerliche Trockenfallen der Helle verstärkt aufgetreten sein.

Als solche periodisch überflutete Bereiche bestehen vereinzelt mehr oder minder ausgeprägte, beckenartige Erweiterungen des von der Helle durchflossenen Talgrundes, an einer Stelle mit Fragmenten eines Erlenbruchwaldes bestanden.

Diese Überflutungszonen sind teilweise sehr stark durch Viehtritt gestört und sollten künftig der natürlichen Sukzesssion überlassen werden, um langfristig der Entwicklung standorttypischer Erlenauwälder oder Buchenbestände eine Chance zu geben.

Die Helle durchfließt in leichten Mäandern mit niedrigem, strukturreichem Bachufer weitgehend frei von bachbegleitenden Gehölzsäumen rasch das umgebende Nass- und Feuchtgrünland mit kleineren und größeren, teilweise quelligen Feuchtwiesen.

Sie wird hierbei vielerorts von prachtvoll gelbblühenden Sumpfdotterblumen umsäumt.

Beidseits entlang des -Bachbettes der Helle treten mehr oder minder schmale Streifen mit Auelehm-Schluf auf (tonig über Auesand).

Zudem weist der Quellbach Sandsteinblöcke auf, die u.a. von grünen Bach-Quellkrautpolstern gesäumt werden.

Im Bereich einer Furt durch das Bachbett der Helle wurde vor Jahrzehnten eine Buntsandsteinplatte gefunden, die mehrere deutlich ausgeprägte „Rippelmarken“ aufweist, wahrscheinlich ein Hinweis auf die Sedimentation in einer Uferzone.

Das Naturschutzgebiet „Hellental“ im Naturpark Solling-Vogler weist beidseits eine Reihe von größeren und kleineren Quellfluren auf, wovon einige besonders störungsempfindliche und daher schutzbedürftige Biotope sind.

Besonders landschaftsprägend sind die vielen, über stauenden Tonschichten zutage tretenden Schichtquellen.

Gelegentlich, insbesondere aber dann, wenn ausreichend Niederschlag gefallen ist, plätschern im Hellental aus zahlreich schüttenden Verwerfungsquellen mehrere Rinnsale bishin kleine Bäche die Steilhänge herunter, wobei einige wenige unter ihnen ganzjährig oder überwiegend nur temporär zur Helle entwässern.

Zwar versickern sie meist oberflächig, führen vielfach aber auch zu weiträumigen Vernässungen.

Dies führt gebietsweise zu ausgedehnten quelligen Feuchtwiesen bzw. im unteren Talbereich zu wertvollen Hangquellmooren und Niedermoorflächen.

Früher nannte man daher das Hellental auch charakterisierend das „Tal der 200 Quellen“.

Das angestiegene Grundwasser fließt im Unterboden entlang wasserundurchlässiger Tonschichten, um an vielen Stellen als Quelle sichtbar zu werden.

Die Bäche entspringen dann an beiden Talhängen in den Wiesen und fließen in Senken meist hinunter zum Talgrund in die Helle, manchmal verschwinden sie aber auch teilweise oder vollständig wieder im Berghang (Bachschwinde), vielfach vernässte Böden (Quellengleye) hinterlassend.

Während ihres Verlaufes in landwirtschaftlich abgezäunten Weidegebieten werden natürliche Ufer-, Sohle- und Biotopverhältnisse der Helle häufig durch massiven Viehtritt naturfern verändert (u.a. Bodenverdichtung), da sie als Viehtränke für Milchkühe und Rinder fungiert.

Im Wesentlichen auf die Siedlungsbereiche Hellental und Merxhausen begrenzt, befindet sich die Helle in einem naturfernen, degradierten Zustand, u.a. durch Verkehrswegequerung, Überbauung und Umlenkung.

An drei Stellen ist die Helle im Bereich von Überfahrten seit Jahren verrohrt.

Die Rohrdurchlässe der Helle beeinträchtigen deutlich die natürliche Fließgewässerfauna (wandernde Tierarten) des Mittelgebirgsbaches.

Gewerbliche oder andere Entnahmen von Oberflächenwasser erfolgen im gesamten Bachverlauf der Helle nicht.

Etwa in der Mitte des Naturschutzgebietes weist die Helle ein einen längeren Bereich mit nahezu ganzjähriger oder auch nur kurzzeitiger Wasserführung (Trockenperioden im Sommer) auf, zudem eine kartierte Bachschwinde.

Wie hierzu Aktenvermerke des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung aus dem Jahr 1963 ausweisen, wurde im Sommer 1957 und November 1963 jeweils ein Färbeversuch zur Klärung hydrologisch-hydraulischer Verhältnisse zwischen dem „Hellentaler Bach“ und seinem Wassereinzugsgebiet im Hellentaler Grund durchgeführt.

Hierzu wurde festgehalten, dass in trockenen Jahreszeiten das aus dem Tal der Henkenborn- und Hasenlöffelborn-Quelle abfließende und sich vereinende Wasser in einem (ersten) Schluckloch vollständig in den Untergrund versickerte.

Das anfänglich trockene Bachbett führte danach bis etwa 800 m unterhalb ziemlich gleichviel Wasser, wobei die Wassermenge dann gleichmäßig abnahm, um etwa 950 m unterhalb in einem weiteren (zweiten) Schluckloch vollständig zu versickern.

Von da an war keine Wasserführung mehr vorhanden.

Diese zweite Bachschwinde (etwa 355 m üNN) lag etwa 1.650 m oberhalb der Quellfassung Hellental (Teufelsbrunnen, 300 m üNN) bei einem natürlichen Gefälle des Bachlaufes von 2,3%.

Im Sommer 1957 betrug bei dem damaligen Färbeversuch die Fließgeschwindigkeit - über eine Entfernung von ca. 2.600 m - vom ersten Schluckloch bis zum Teufelsbrunnen etwa 36 Stunden.

Der Färbeversuch vom November 1963 erfolgte zur Feststellung, ob das in der Gemarkung Silberborn entspringende Quellwasser in der Quellfassung von Hellental (Teufelsbrunnen) wieder auftritt.

1991 wurde gutachtlich festgestellt, dass Verbesserungen des ökologischen Zustandes der Helle notwendig sind.[1]

Es sollte der Versuch unternommen werden, die Wasser führenden Helle-Abschnitte zu verlängern.

Würden Wasserentnahmen im Einzugsgebiet der Helle entfallen, so könnte dies mit einer Ausdehnung ständig fließender Helle-Abschnitte einhergehen.

Eine Förderung standortgerechter Gehölzsäume im Uferbereich könnte einen Temperaturausgleich der Helle und zugleich eine Optimierung der Lebensbedingung für die limnische Fauna bewirken.

In früheren Zeiten diente die Helle auch als Reinigungsmöglichkeit, so wurden beispielsweise Jutesäcke für die Kartoffelernte in ihr gewaschen.

 

 

Text & Fotografien: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

 


[1] LUCKWALD/WIEBUSCH/VOIGT 1992.