Siebenjähriger Krieg 1756-1763 - Drangsal & Nöte

Klaus A.E. Weber


Leute mit Puderperücke, Haarbeutel und Zopf,

Flinten mit Feuersteinschlössern und eisernem Ladestock –

blutigrote, brandqualmige Feuerfluten,

vom Westen zum Osten und vom Osten zum Westen

hingewälzt über das Weserbergland.


Frei nach Wilhelm Raabe in „Hastenbeck“, 25. Kapitel [1889/1985, S. 199]

 

Die vielfältigen historischen Hintergründe, die zur Entstehung und zu dem wechselhaften, internationalen Verlauf des Siebenjährigen Krieges (1756–1763), auch als „Dritter Schlesischer Krieg“ bezeichnet, führten, sind sehr komplex.

Während der Zeit des Siebenjährigen Krieges wurde das unter Herzog Carl I. zu Braunschweig-Wolfenbüttel (1713-1780) mit dem Königreich Preußen verbündete Herzogtum Braunschweig zweimal - 1757/1758 und 1760/1761 - durch die französische Armee unter dem Herzog von Richelieu (1720-1788) besetzt.

Nördliche Truppen der französischen Armee (unter Ludwig XV.) waren u.a. auch über das Weserbergland gegen Hannover vorgerückt und hatten die kurfürstliche Stadt besetzt.

 

Maria-Theresien-Denkmal auf dem Maria-Theresien-Platz in Wien │ Juni 2019

 

Die österreichische Kaiserin Maria Theresia (1717-1780) dem Hause Habsburg versuchte gegen die Großmachtstellung von Preußen unter seinem König Friedrich II. (1712-1786) zu mobilisieren, indem sie König Georg II. (1683-1760) von England, zugleich Kurfürst von Hannover, zur Rüstung und Verteidigung im niedersächsischen Reichskreis aufforderte.

In der Folgezeit zogen französische und preußische Truppen - gleichsam im Wechsel - auch durch die beschauliche Sollingregion, einem Aufmarschgebiet insbesondere für französische Truppen.

Obgleich permanent miteinander konkurrierend, kämpften während des Siebenjährigen Krieges Soldaten aus Hannover und Braunschweig gemeinsam gegen Soldaten der französischen Armee.

Französische wie preußische Truppen zogen „im Wechsel“ auch durch die Sollingregion, einem Aufmarschgebiet insbesondere für französische Truppen, die auch Hannover besetzten.

 

Schreckensjahre in der Region

Während der sehr schlimmen Zeit des Siebenjährigen Krieges wurde das unter Herzog Carl I. mit Preußen eng verbündete Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel in schwere Mitleidenschaft gezogen.

Zur kriegsbedingten ökonomischen und finanziellen Krise reihte sich ein agrarkonjunktureller Einbruch mit der Folge eines weiteren Anstiegs der bereits nach 1740 drastisch erhöhten Nahrungsmittelpreise.[1][2]

Der Kriegsverlauf wirkte sich letztlich auch auf die innere Sicherheit des Herzogtums Braunschweig aus, da ab 1757 gegnerische Truppen den Solling durchzogen.

Vom 18. Juni 1757 wird berichtet, dass eine aus nur 38 Soldaten bestehende, bei Corvey gesichtete französische Abteilung, bereits ausreichte, die von Generation zu Generation weitergegebenen Erinnerungen an den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) zu wecken und die während dieser unheilvollen Zeit gesammelten schlimmen Erfahrungen wieder aufleben zu lassen.

Dabei sollen die Bewohner an der Weser und des weiteren Hinterlandes eine geradezu panische Angst ergriffen  haben, so dass sich die herzogliche Regierung veranlasst sah, ihre Untertanen anzuweisen, Haus und Hof nicht zu verlassen.

Französische Truppen hatten 1757 erstmals die Weser erreicht, die sie am 07. und 08. Juli bei Holzminden und Lauenförde überquerten.

Bei Holzminden bezogen sodann französische Soldaten ein Heerlager.

Nur wenige Tage später, am 13. Juli 1757, kam es bei Arholzen zu einem Gefecht zwischen hannoverschen und französischen Einheiten.

In kleinen Truppen durchstreiften französische Soldaten die nähere Umgebung von Holzminden und damit auch den Solling.

Dabei besetzten sie Gemeinde für Gemeinde und trieben hohe Kontributionen ein.

So plünderten französische Soldaten u.a. auch die herzogliche Porzellanmanufaktur in Fürstenberg.

Alle Städte und Dörfer des braunschweigschen Weserdistrikts wurden am 20. Mai 1757 verpflichtet, Proviant an die an der Weser stationierten Truppen abzuliefern.

In der berühmt gewordenen Schlacht vom 26. Juli 1757 besiegte die französische Armee die vereinigte hannoversch-braunschweigische Armee bei Hastenbeck.

Das braunschweigsche Land wurde durch die französische Armee unter der Führung des Herzogs von Richelieu besetzt.[4]

In der Folgezeit wurden daraufhin viele Gemeinden verheert und gebrandschatzt.

Im November 1757 übernahm Herzog Ferdinand (1721-1792) von Braunschweig das Oberkommando und drängte das französische Heer zurück.

Am 27. Februar 1758 räumte die französische Armee das Oberwesergebiet, nachdem es vor Stadtoldendorf zwischen Franzosen und Hannoveranern erneut zu einem Gefecht gekommen war.

Am 1. August 1759 wurde die französische Armee bei Minden geschlagen.

Selbstbewusst und stolz sangen daraufhin die Braunschweiger am Ende der Schlacht:[5]

 

Hannoveraner und Hessen,

seid auch nicht vergessen,

doch die allerersten für und für,

lust’ge Braunschweiger das sein wir!

 

Fotografie:

© Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] JARCK/SCHILDT 2000, S. 581 f.

[2] HAUPTMEYER 1995.

[4] JARCK/SCHILDT 2000, S. 581 f.

[5] zit. in HOFFMANN 2004, S. 47 f.