Der alte Kirchhof │ „Küster’s Kampe“

Klaus A.E. Weber

 

Malerische, ortsbildprägende Trauerweide (Salix Sepucralis) auf dem ehemaligen Kirchhof │ September 2021

© HGV-HHM, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Die große, vor der Hellentaler Kapelle liegende, plateauähnliche Grünfläche, die mit einer halbrunden im Norden und Osten durchlaufende Buntsandsteinmauer an ein Privatgrundstück angrenzt und heute als kleiner öffentlicher Grünpark genutzt wird, diente noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Friedhof der kleinen Hellentaler Kapellengemeinde.

 

Rot markierte Fläche: Hellentaler Friedhof (40a) │ um 1792 [1]

Ausschnitt aus dem „Grundrißs des Dorfes Hellenthal, nebst den dazu gehörigen Grundstücken im Fürstl. Amte Allersheim im Sollinge belegen.“

© HGV-HHM, Bearbeitung: Klaus A.E. Weber

 

Wie aus dem "Grundriß des Dorfes Hellenthal" von 1792 hervorgeht, bestand bereits zu diesem Zeitpunkt auf diesem Gelände eine Friedhofsanlage, welche noch heute etwas höher als die angrenzende Grünfläche des Privatgrundstückes zur Sollingstraße liegt.

Es ist zu vermuten, dass die zur Gründung der Glashütte beanspruchte Freifläche - durch die in der Dorfkartierung von 1792 festgehaltenen Grundstücksgrenzen - noch heute weitgehend detailgetreu nachgezeichnet wird.

Den Unterlagen des Kreisarchives Holzminden sind "Friedhofsangelegenheiten" des Zeitraumes 1850-1857 ist ein umfassender Schriftverkehr zu entnehmen.[3]

Danach wurde im Jahr 1830 in Hellental der Kirchhof angelegt.

 

Alter Hellentaler Kirchhof │ um 1890

Ausschnitt aus dem ""Situationsplan des alten Hellenthaler Kirchhofes und der zur Anlage eines neuen in Aussicht genommenen Flächen (A & B)" [3]

 

Letzte Beisetzung auf dem Kirchhof

Nach Erzählungen im Dorf soll auf dem alten Kirchhof als letzter Sterbefall die taubstumme Schwester von „Tante“ Emma Teiwes beerdigt worden sein.

Sie sei relativ jung verstorben und ihr Grabstein habe als letzter auf dem alten „Küster’s Kampe“ gestanden.

 

Auf „Küster’s Kampe“ umgefallene Grabstele als "Ruheplatz" │ um 1936

© HGV-HHM, Foto: Privatarchiv Schulz

 

Nach der Bestattungsnutzung des Areals wurden dort eingezäunt Apfelbäume angepflanzt und geerntet.

Zudem diente das ehemalige Kirchhofgelände auch als Gänseweide.

 

Aus der Erinnerung erstellte Skizze einer ehemaligen (Grab-)Buntsandsteinstele um 1964 [2]

© HGV-HHM

 

Die heutige Nutzung der alten Friedhofsfläche als Grünparkanlage erinnert kaum noch an den einstigen Bestattungsort im Umfeld der Kapelle.

Seit 1992 wird hier jährlich abends am 30. April der Maibaum aufgestellt - ein neuer geselliger Brauch.

 

Maibaumstellen auf dem Grünpark am 30. April 2017

© HGV-HHM, Foto: Klaus A.E. Weber

 

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[1] NLA WO, 2 Alt Nr. 11 104 / K 3344.

[2] Der Verbleib der Stele ist bislang unbekannt.

[3] KA HOL 1043.