Gewerbliche Wassermühlen in Merxhausen & Hellental

Klaus A.E. Weber

Antrieb ⎸ Transmission ⎸ Abtrieb (Arbeitsteil)


 

Ein maßgebliches regionales Landgewerbe zwischen dem nördlichen Sollingrand und dem Holzberg war der Betrieb von Mühlen, wobei jene zur Getreidevermalung die wichtigsten waren.

Angepasst an natürliche Gegebenheiten wies die historische Mühlengrundform als Umsetzungsmaschinerie unter Nutzung regenerativer Energiequellen drei technische Elementen auf [4]

  • Antriebsteil
  • Transmissionsteil
  • Abtrieb/Arbeitsteil.

 

Mahlmühlen als Gewerbemühlen wurden in der hiesigen Dorfregion als Wassermühlen in Merxhausen und Hellental betrieben.

Neben den Getreidemühlen (Kornmühlen) gab es Ölmühlen („Ölschläger“), in denen Lein- oder "Rüpsöl" gewonnen wurde.

Um 1800 gab es im Herzogtum Braunschweig insgesamt 16 Papiermühlen (als „Fabriken“).[1]

Nach REININGHAUS [3] sind u.a. Mühlen als solche Gewerbe anzusehen, die „mit Zwangs- und Bannrecht ausgestattet waren und fester Produktionsmittel bedurften.“

Um das Mühlengewerbe bzw. Müllerhandwerk auszuüben (es galt als "unehrlich"), bedurfte es stets der staatlich-hoheitlichen Zustimmung.

Für Bauern eines definierten Bezirks bestand ein allgemeiner „Mühlenzwang“, worin landesherrlich festgelegt wurde, in welcher Mühle das Getreide zu mahlen war.

In enger lokalhistorischer Verbindung zum benachbarten Hellental ist zu erwähnen, dass zur Mitte des 18. Jahrhunderts von einem Wildmeister namens Bärtling (Bartling?) in Merxhausen eine Mahlmühle („Bärtling’sche Mühle“) mitbetrieben wurde.[2]

Dieser wandte sich in jener Zeit vehement - mit Hinweis auf das Merxhausen zugegestandene Zwangsrecht und auf die ökonomische Situation, dass sich zwei Mühlen auf engem Raum gegenseitig wirtschaftlich behinderten - gegen das Bemühen des gerade entstehenden Dorfes Hellental, mit landesherrlicher Genehmigung eine eigene Mahlmühle betreiben zu dürfen.

Bei der juristischen Prüfung wurde zunächst festgestellt, dass das Zwangsrecht schon weit vor dem Dreißigjährigen Krieg (vor 1618) festgelegt worden war.

Trotz der anscheindend klugen Argumentation des Wildmeisters Bärtling wurde aber dennoch die landesherrliche Erlaubnis zum Bau der Hellentaler Mahlmühle erteilt, wohl nicht zuletzt aus Gründen des seinerzeit vorherrschenden Merkantilismus.

Es wäre hierbei - unter dem von LESSMANN [2] gegebenen Hinweis auf nur eine Mahlmühle in Merxhausen – archivalisch zu prüfen, ob es sich dabei um eine Vorgängermühle der „Bock’schen“ oder „Saakel’schen“ Mahlmühle in Merxhausen handelt.

Eine zusammenfassende Übersicht zu Mühlen und dem Wasserbau findet sich bei BAYERL (2013).[4]

 

 

Text & Fotografie: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] KAUFHOLD 1983, S. 207.

[2] LESSMANN 1984.

[3] REININGHAUS 1990, S. 64.

[4] BAYERL 2013, S. 115-135.