Fabrikanten & der" Blaue Dunst"

Klaus A.E. Weber

 

Tabakwesen & Zigarrengeschäft

 

Die „Fabrikanten“

Nach KAUFHOLD [1] weisen gewerbegeschichtliche Quellen des späten 18. Jahrhunderts – neben Handwerk und Heimgewerbe – eine weitere Form der gewerblichen Produktion auf, für die vorindustriell meist der Begriff „Fabriken“ verwendet wurde.

Auch das Berufsverzeichnis in den genealogischen Untersuchungen enthält mehrere Hinweise auf die im 18./19. Jahrhundert nicht selten gebrauchte Bezeichnung „Fabrikant“, auch unter konkretem Produktbezug, wie beispielsweise „Glasfabrikant“ oder „Tabakfabrikant“.

Die Bezeichnung „Fabrik“ und „Fabrikant“ ist als ein vieldeutiger, willkürlicher und unscharf gebrauchter Begriff des 18. Jahrhunderts einzustufen.

Der alte Fabrikbegriff - und damit auch der Begriff Fabrikant - darf eben nicht mit dem neuen gleichgesetzt werden, der „eine großgewerbliche Betriebsform mit Arbeitsteilung und Maschineneinsatz meint“.[1]

Somit kann definitionsgemäß die Berufsbezeichnung „Fabrikant“ für jene Personen herangezogen werden, die im Heimgewerbe, Handwerk, Verlag oder sonstigen Gewerbe tätig waren und dabei ggf. auch ein spezifisches Produkt (z.B. Glas, Tabak) herstellten, welches sich in der Berufsbezeichnung wieder findet.

Hierunter können sich durchaus, wie für Heinade, Hellental und Merxhausen vermutet werden darf, auch so genannte Einmann-Betriebe „verstecken“.

Charakteristisch für die im „Fabrikwesen“ hergestellten Waren ist, dass diese als Konsumgüter vornehmlich für den gehobenen Bedarf hergestellt wurden, so auch in den hier betrachteten Dörfern (z.B. Glas, Schachteln, Tabak, Zigarren).

 

„Blauer Dunst“ – Tabak & Zigarren

Seit der Tabak in der frühen Neuzeit den gesamten Globus eroberte, galt Rauchen insgeheim als Sinnbild von Weltläufigkeit und Eleganz.

Gegner und Befürworter des zunehmenden „Blauen Dunstes“ stritten zeitweise sehr heftig miteinander.

Im 19. Jahrhundert begann das Tabakwesen, insbesondere das Zigarrengeschäft, im Herzogtum Braunschweig zu prosperieren.

Die industrielle Zigarrenherstellung und deren Vertrieb waren auch für den Braunschweiger Weserdistrikt wirtschaftlich begünstigt, nachdem dieser zum 01. Januar 1844 dem Deutschen Zollverein angeschlossen worden war.

Das manuelle Zigarrenmachen oder -drehen erfolgte in jener Zeit auch in Heimarbeit als Nebenerwerbszweig in nichtzünftiger landhandwerklicher Spezialisierung.

Alle erforderlichen Arbeiten wurden dabei meist in jenem Raum durchgeführt, in dem zugleich auch gegessen und geschlafen wurde.

Auch in der hier betrachteten Dorfregion zwischen nördlichem Solling und Holzberg gab es nachweislich Tabakfabrikanten und Tabakspinner sowie Zigarrenmacher.[2]

 

Text: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] KAUFHOLD 1983, S. 200 f.

[2] CREYDT 2002. S. 33-64.