Glasmacherort ⎸Waldarbeiter- & Landhandwerkerdorf

Kleiner kulturhistorischer Dorfrundgang durch die alte Arbeitersiedlung

 

 

Ausgehend vom Parkplatz beim renomierten LandHotel Lönskrug - dem Areal des ehemaligen Meisterhauses einer großen, ortsfesten Glashütte der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts - führen zwei steil ansteigende Straßen den kleinen Berghang hinauf zum historischen Dorfkern des alten Hellentaler Oberdorfes.   
               
Die rechts ansteigende Hauptstraße führt Sie vorbei am ehemaligen Werksgelände der letzten Glashütte mit Werkweiler im Hellental.

Sie wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Mecklenburger Glasermachern gegründet und über rund drei Jahrzehnte hin ortsfest betrieben.
            
Hier befindet sich heute ein kleiner Grünpark (früherer Dorffriedhof), die ev.-luth. Dorfkapelle mit dem 1965 erbauten Kapellenturm und das mit regionaltypischen Buntsandsteinplatten behängte zweistöckige Gebäude der ehemaligen Dorfschule (heute: Dorfgemeinschafts- und Wohnhaus).

Gegenüber der alten Dorfschule bestand im Zeitraum um 1758 bis 1959 auf dem Anwesen Hauptstraße 2 ehemals eine Öl- und Getreidemühle am Berghang.

Das Wasserrad wie die spätere Turbine wurde von der Wasserkraft des oberhalb gelegenen Mühlenteichs über einen offenen Mühlengraben angetrieben.

Danach erreichen Sie den zentralen Dorfplatz mit dem in seinen pentagonalen Grundzügen gut erhaltenen, 2011 restaurierten ehemaligen Mühlen- und späteren Feuerlöschteich.

In unmittelbarer Nähe befinden sich die großkronige „Friedenseiche” (1871) sowie ein kleinerer, inselartig allein stehender Baukomplex, bestehend aus dem 1828 neu errichteten Gemeinde-Backhaus - heute kommunales Museum im Backhaus ⎸Hellental mit den Themenräumen GLAS & GLÄSERGETREIDE & BROT - und dem alten Feuerwehrgerätehaus (Spritzenhaus) von 1875.

Hier befinden Sie sich im ursprünglichen Kernbereich des alten Hellentaler Landhandwerker- und Waldarbeiterdorfs - eine für die vorindustrielle Epoche typische dörfliche Arbeitersiedlung.

Etwas oberhalb befindet sich der Dorfbrunnen mit der Buntsandsteinfassung einer ganzjährig schüttenden Bergquelle.

Hier verengt sich der Platz zu einer Straße, die in den Sollingwald nach Schießhaus führt.

Um dieses Areal wurde im Rahmen des Fürstlichen Landesausbaus der Glasmacherort Hellental in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel und dessen Oberjägermeister Johann Georg v. Langen planmäßig angelegt und staatlich gefördert.

Die Station bildet zugleich auch den Höhepunkt des kleinen kulturhistorischen Dorfrundgangs im Bergdorf Hellental.

Der Rückkweg führt Sie entlang des malerischen historischen Dorfkerns mit seinem besonders schönen Ensemble regionaltypischer traufenständiger Fachwerkhäuser ("Sollinghäuser"), die ehemals zum Wohnen, Arbeiten und Wirtschaften von Anbauern (Waldarbeiter, Leinenweber, andere Gewerbetreibende) wie auch zur Erntelagerung auf dem Dachboden dienten.

Trotz baulicher Veränderungen sind noch heute der besondere Charme und die charakteristische Bauweise eines „Sollinghauses” in der Reihensiedlung erkennbar, zuvor bewohnt von handwerklich und kleinbäuerlich tätigen Brinksitzern und Häuslingen.

 

 

Über die rechts absteigende Lönsstraße passieren Sie dann in der Lönsstr. 6 das Sollinghaus│Hellental, das privat geführte Museumshaus | Dr. Weber mit den vornehmlich volkskundlich orientierten Fokusthemen WALD|GLAS|DORF.

Danach erreichen Sie wieder den Ausgangspunkt des kulturhistorischen Dorfrundgangs, den alten "Lönskrug".

Dessen Name weist auf den Schriftsteller, Dichter, Naturfreund und Jäger Hermann Löns (1866-1914) hin, der mehrfach Gast im ehemaligen Timmermann’schen Dorfkrug war, dem "Wirtshaus an der Straße".


Text & Fotografie: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental