HHM │ Vom Korn zu Brot & Bier

Klaus A.E. Weber

 

 

Korn & Brot im HISTORISCHEN MUSEUM HELLENTAL

* Exkurs zur Ausstellung im Museum im Backhaus

Wenn an Aktionstagen des Museums im Backhaus „mit Bedacht der Backofen angemacht“ wird, werden mit Hilfe einer alten einfachen Bäckerei-Waage aus der Zeit um 1900 Teiglinge zu 750 g abgewogen und anschließend im historischen Steinbackofen ausgebacken.

 

 

Die Kulturgeschichte des Brotes und des Bieres ist eng mit der landwirtschaftlichen Kultur des Ackerbaus mit systematischem Getreideanbau und der handwerklichen Getreideverarbeitung verbunden.

 

Getreide in der frühen Landwirtschaft

Mit der „Neolithischen Revolution“ begann der systematische Anbau und die Verarbeitung von Getreide in Mitteleuropa etwa ab 5.700 v. Chr.

Angebaut wurden zur Getreidenahrung die frühen Weizenarten Einkorn und Emmer sowie Saatweizen und Gerste.

Im Verlauf der steinzeitlichen Entwicklung wurde mit Mahlsteinen das geerntete Getreidekorn zu groben oder feinem Mehl gemahlen und als Brot verarbeitet.

Während des Mittelalters wurde Getreide mit der Sichel geschnitten, wobei nur die Ähren geerntet wurden.

 

Museum auf dem Burghof Springe

 

Älteste domestizierte Getreidearten

  • Emmer (Triticum dicoccum)

  • Einkorn (Triticum monococcum)

  • Gerste (Hordeum vulgare)

  • Dinkel (Triticum aestivum subsp. Spelta)

 

 

Triticum spelta - Dinkel │ Hordeum vulgare - Wintergerste │ Triticum aestivum - Dickkopfwinterweizen

Botanischer Garten der Universität Basel │ Mai 2018

LWL-Freilichtmuseum Detmold   ⃒  Juli 2008

 

Brot backen & Bier brauen

Das älteste von Menschen zubereitete pflanzliche Grundnahrungsmittel in einem Backofen herzustellen, hat eine über 6.000-jährige Kulturgeschichte.

Diese ist eng verbunden mit der landwirtschaftlichen Kultur des Getreideanbaus und der Entwicklung der Getreideverarbeitung, beginnend um 5.700 v. Chr. bei den ersten Bauern, den Bandkeramikern, mit erhöhtem Verzehr von Kohlenhydraten.

Jene Linearbandkeramische Kultur kultivierte Einkorn, Emmer und Gerste.

 

Europäisches Brotmuseum ⃒ Ebergötzen │ April 2017

 

In der Nordgruppe der Trichterbecherkultur kann der Anbau von Einkorn, Emmer und Gerste erst ab 3.300 v. Chr. nachgewiesen werden.

Vor über 6.000 Jahren begann in Hochkulturen die Geschichte des Bierbrauens - mit Gerste oder Emmer.

 

Das Mahlen mit Steinen -  Verarbeitung von Getreidekörnern zu Mehl

Die ernährungsphysiologisch relevanten Inhaltsstoffe der Getreidekörner über die Verdauungsorgane aufzunehmen setzte voraus, dass das die nahezu unverdaulichen Körner zerkleinert bzw. gemahlen wurden.

Dies geschah prähistorisch zunächst unter Zurhilfenahme geformter Steine als Werkzeuge, durch die Getreidekörner mühsam zerrieben, zerstoßen, gestampft oder gequetsch wurden.

Während der Steinzeit kam der nur auf dem Boden kniend zu bedienende, zweiteilige Mahlstein als weiterentwickeltes Werkzeug zur Anwendung:

  • festliegender, unterer Bodenstein

  • manuell geführter, kleinerer oberer Mahlstein (Reibekugel).

In der Antike (Etrusker/Griechen/Römer) vollzog sich eine weitere Verbesserung der Mahlmethode und Mahltechnik, indem nun zwei runde, aufeinander liegende Scheiben aus Hartgestein verwendet wurden, woraus schließlich ein Satz Mühlensteine für die Gewinnung von grobem und feinem Mehl hervorging:

  • Läufer als rundlaufender, oberer Mahlstein

  • Unterlieger/Lagerstein als unbewegliche, untere Mahlplatte.

 

Prähistorische Mahlsteine mit Malmulde und Läuferstein

Museum für Archäologie Schloss Gottorf   ⃒  August 2016

Europäisches Brotmuseum ⃒ Ebergötzen │ April 2017

 

In Wassermühlen gemahlen - Vom Weizenkorn zum Weizenmehl

 

 

Weizenkorn und Weizenmehl: Georg Bartels  ⃒  Mühlenbetrieb  ⃒  Mühle Mackensen


Schrotmühle und Mahlstein

Europäisches Brotmuseum ⃒ Ebergötzen │ April 2017

 

Wassermühle im Grenzland: Deutsch-deutsche Geschichte zwischen Hessen & Thüringen

Die historische "Kronenmühle" der Familie Klöppner bei Mackenrode befand sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges unmittelbar an der ehemaligen "Whisky-Vodka-Linie" - also im Grenzland zwischen den USA und der Sowjetunion.

In dem traditionellen Mühlenhandwerksbetrieb wurde in der Zeit der Deutschen Demokratische Republik (DDR) regionales Getreide - Roggen und Weizen - vermahlen.

 

Das Mühlengebäude und der alte Mühlengraben als ehemalige Nachkriegsgrenze zwischen BRD und DDR

Hausmarke Weizenmehl Type 405 │ August 2018

 

Fotografien:

© Klaus A.E. Weber, Hellental