Bevölkerungsentwicklung in Hellental

Klaus A.E. Weber

 

Bodenfunde deuten darauf hin, dass sich wahrscheinlich bereits während des Mesolithikums - also bereits vor etwa 10.000-7.500 Jahren - nomadisierende, jagende Menschen entlang des Mittelgebirgsbaches Helle aufgehalten haben.

Es sind die bisher ältesten erhaltenen Spuren eines Aufenthaltes prähistorischer Menschen im Hellental.

 

"Von außerwärts aus entlegenen Gegenden ins Land geholt"

Die aufstrebende Bevölkerung dee 1753 gewerblich angelegten Arbeiterkolonie, des jungen Waldarbeiter- und Handwerkerdorfes Hellental setzte sich im Laufe ihrer Entwicklung im 18./19. Jahrhundert durch zahlreiche Zuzüge unterschiedlicher Familien (Arbeitsimmigranten) aus verschiedenen Regionen, z.T. von weit außerhalb des Sollings und Weserberglandes kommend, recht heterogen zusammen.[1]

Nach TACKE [5] waren in jener Zeit des 18. Jahrhunderts im Weserkreis keine ausgebildeten Arbeitskräfte - "Laboraten und Arbeiter" - für die Manufakturen und Fabriken verfügbar, sie "mußten vielmehr von außerwärts ins Land geholt werden"; so kamen für die hier betrachtete Sollingregion "aus entlegenen Gegenden"

  • Glasmacher vorwiegend aus Hessen (Gundelach, Kauffeld, Seitz), Thüringen (Greiner) und Böhmen (Wagener, Werner, Kamm),
  • Köhler vom Harz,
  • Holzhauer vom Harz.

Landesherrlich war hierbei die Bestrebung von besonderem Gewicht, "wie die Leute am besten bei ihren Hütten zu wohnen kämen".[5]

Die Folgezeit dürfte dann von einer anhaltenden Phase der dörflichen Isolierung und Endogamie geprägt worden sein.

Zu den abgelaufenen sozialen Integrationsprozesse durch jeweils neue, ansässige Bevölkerungsgruppen ist in Hellental (bislang) nichts bekannt.

Die zunehmende Intensivierung der Waldarbeit in den staatlichen Forsten, hingegen aber nicht das sonst regional übliche Agrarwesen, bestimmte dabei auf Jahrzehnte hin maßgeblich das dörfliche Sozial- und Wertgefüge, die gesellschaftliche Orientierung, das politische Selbstverständnis und nicht zuletzt auch die besondere, heute noch wahrnehmbare Eigenart des jungen, liebenswerten Sollingdorfes.

Die Einwohnerzahl des nicht landwirtschaftlich orientierten Bergdorfes hat sich in der erst kurzen, aber dennoch recht wechselvollen Dorfgeschichte bis heute relativ diskontinuierlich entwickelt.

Es ist anzunehmen, dass sich zunächst mit der Gründung der Glashütte Zur Steinbeke um 1715/1717 die Zahl der ansässigen Glasmacher und ihrer Famlien auf das betriebswirtschaftliche Mindestmaß begrenzte, welches zur Erfüllung der Glasproduktion erforderlich war.[2]

Die Einstellung des Glashüttenbetriebes um 1743/1745, verbunden mit dem Wechsel der meisten Hellentaler Glasmacherfamilien nach Schorborn zur dort neu errichteten landesherrlichen Glasmanufaktur Schorborn, bedeutete einen recht gravierenden Einschnitt in die entwickelte örtliche Besiedlung wie in die weitere Bevölkerungsentwicklung im Hellental.

Mit der unter forstwirtschaftlichen wie bevölkerungspolitischen Aspekten staatlich geförderten Ansiedlung neuer Anbauer bzw. Arbeiter und Handwerker zur Mitte des 18. Jahrhunderts erfuhr das abgelegene Sollingdorf Hellental einen eher bescheidenen Aufschwung [3], der sich in den Jahren 1795-1825 deutlich zunehmend fortsetzte.

Die "neuen Anbauer", die Arbeitsigranten und ihre Familien, bestimmten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, neben den wenigen verbliebenen Familien der Glashüttenzeit, über Generationen hinweg maßgeblich die Zusammensetzung der Hellentaler Dorfbevölkerung.

 

Bevölkerungsentwicklung im 19./20. Jahrhundert [4]

  • 1858: 50 Feuerstellen, 503 Einwohner*innen
  • 1885: 582 Einwohner*innen
  • 1905: 541 Einwohner*innen
  • 1939: 318 Einwohner*innen


[1] LEIBER 2003; ALBRECHT 1995; RAULS 1983; BLOSS 1950, 1961, 1976, 1977; TACKE 1969.

[2] SCHOPPE 1989.

[3] LILGE 1993; LESSMANN 1984.

[4] RAULS 1983, S. 316.

[5] TACKE 1943, S. 158-159.