Buchenholz & Pottasche bei der Glasherstellung

Klaus A.E. Weber

 

Wenn Glashütten wie ein verheerender Feind über die Wälder einher schreiten, so folgt nicht selten die Pottaschensiederei und Aschenbrennerei wie ein heimliches Gift hinterher“.[13]

 

 

Insbesondere der bei der Glasherstellung erforderliche Alkalizusatz in Form von zunächst Holzasche aus Buchenholz [11] (andernorts auch Fichtenasche) und später von Pottasche (Extraktionsprodukt, ausgelaugte Holzasche) führte schließlich zu großen ökologischen Verwüstungen im Holzbestand der Wälder in den Mittelgebirgen - so auch in den Solling-Forsten.

Allerdings bleibt die Frage ungeklärt, in welchem Zeitraum die Holzaschenutzung durch die Verwendung von Pottasche (Kaliumcarbonat, K2CO3) als Flussmittel erfolgte.[12]

 

Waldverwüstung│Raubbau│Gefährdung der herrschaftlichen Jagd

Neben anderen Betrieben zählen die Glashütten mit ihren Buchenholznutzungen aus "Glaserschlägen" und Aschewäldern im Solling zu den "großen Waldfressern".[4]

Der "Fleischmannschen Forstchronik" aus dem Jahr 1825 ist zu entnehmen, dass ein wichtiger handschriftlicher Vorschlag (8.) des Oberförstes Christian Friedrich Fleischmann war, dass das Pottaschesieden "ganz aufhören" müßte.[6]

Andererseits wurde aber auch jenes Holz eingeschlagen, das durch einen beschwerlichen Zugang und Abtransport nicht anders genutzt werden konnte.[10]

 

Hof-Jägermeister v. Langen: "Gehauene Loden können zu Asche verbrannt werden"

Wie der braunschweigische Hof-Jägermeister v. Langen bei seinem forstwirtschaftlichen und forstwissenschaftlichen Wirken zur Mitte des 18. Jahrhunderts nach TACKE [14] ausführte, habe dieser im Rahmen seiner beabsichtigten Stangenholzwirtschaft allgemein vorgeschrieben, "die verbissenen Lohden müssen dicht über der

Erde abgehauen werden, um die Stämme zu erfrischen.

Die gehauenen Loden können zu Asche (Pottasche) verbrannt werden".

Des Weiteren führte TACKE [15] aus, dass "die 3. Hauung des 1. Hauptteils Merxhäuser Forst südlich von Schorborn an der Einbecker Heerstraße ... bis 1949 für die Schorborner Glashütte abgekohlt" wurde.

"In diesem Teil" sei "auf einem vorher abgetriebenen Hei in anno 1745 eine Eichenplantage angelegt, 1746, 47, 48 continuiret und, da sie gut verblieben, auch fernerweit damit fortgefahren".

Dabei waren die anliegenden Dörfer Deensen, Braak, Heinade und Arholzen in jenen Jahren gehalten, die Kulturarbeiten frei zu verrichten.

 

 

"Pottasche brennen" [7]

 

Holz verzehrender Arbeitsvorgang: Das Pottaschesieden zur Gewinnung von "Aschesalz"

War zuvor Pflanzenasche (Holzasche vornehmlich aus Buchenholz) als alkalisches "Flussmittel" (Netzwerkwandler) ein wesentlicher Gemengezusatz für die Glasschmelze, so wurde sie vermutlich frühmittelalterlich ab dem 8. bis 10. Jahrhundert wie dann auch neuzeitlich etwa ab dem 17. Jahrhundert durch die "Bottaschen" (Extraktion von Kaliumcarbonat, K2CO3) ergänzt bzw. abgelöst.[1][5][8][12]

Das relativ einfache Gewinnen des Extraktionsproduktes "Pottasche" führte zu einem enormen Holzverbrauch, der deutlich über dem der Befeuerung der Glasöfen lag.[9]

Wie berichtet wurde, sei im Solling die Pottasche aus „Stuken“ gewonnen worden – somit aus Baumstümpfen (Wurzelstock, forstlich Stockholz), einem Überbleibsel gefällter Bäume.

Extrem arbeits- und materialaufwendige Herstellung des „Aschesalzes“ (Pottasche):

  • Auslaugen roher Buchenholzasche durch Einsumpfen in Bottichen und Auswaschen mit Wasser

  • Eindampfen durch Sieden der Lauge in Pfannen ("Potte") oder Kesseln

  • Ausfällen/Ausglühen ("Kalzinierung") zur Anreicherung von Kaliumcarbonat

  • Eindampfen der Lauge

  • Weiterverarbeitung der Rohpottasche

Dabei kam es zu einem unverhältnismäßig hohen Holzverbrauch: 

 

"Das Pottaschen Sieden müßte ganz aufhören."

1.000 kg trockenes Holz  ▷ ca. 3 kg Asche  ▷ ca. 1 kg Pottasche [2]

Nach anderer Darstellung [3] waren zur Erzeugung von 1 kg Glas je nach Art und Zustand des Holzes 1-3 Festmeter Holz erforderlich bzw. betrug das Gewichtsverhältnis zwischen dem Fertigprodukt Glas und dem hierfür erforderlichen Holzeinsatz 1 : 2.400.[9]

 

 

Fotografie: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] umfängliche und quellenkritische Darstellung bei LOIBL 1996.

[2] ALTHAUS 2015, S. 156-159.

[3] BAYERL 2013, S. 64-65.

[4] ALTHAUS/KOCH 2017.

[5] TRIER/NAUMANN-STECKNER 2016, S. 161.

[6] SOLLINGER HEIMATSCHRIFTEN 1999, S. 163-165, 166 Anhang III.

[7] Abb. aus LESSMANN 1984, S. 19.

[8] REINER 2004, S. 37-47.

[9] REINER 2004, S. 40-41.

[10] ALMELING 2006, S. 28-29.

[11] Buchenstammholz (teuer), aber auch Äste und Zweige.

[12] ALMELING 2006, S. 34-36.

[13] zit. in REDDERSEN 1934, S. 115 (WÄCHTER 1833, S. 546).

[14] TACKE 1943, S.121-122.

[15] TACKE 1943, S.1223-124.