Buchenholz & Pottasche bei der Glasherstellung

Klaus A.E. Weber

 

"Das Pottaschen Sieden müßte ganz aufhören."


 

Insbesondere der bei der Glasherstellung erforderliche Alkalizusatz in Form von zunächst Holzasche aus Buchenholz [11] (andernorts auch Fichtenasche) und später von Pottasche (ausgelaugte Holzasche) führte schließlich zu großen ökologischen Verwüstungen im Holzbestand der Wälder in den Mittelgebirgen - so auch in den Solling-Forsten.

Dabei bleibt die Frage ungeklärt, in welchem Zeitraum die Holzaschenutzung durch die Verwendung von Pottasche als Flussmitel erfolgte.[12]

 

Waldverwüstung│Raubbau│Gefährdung der herrschaftlichen Jagd

Neben anderen Betrieben zählen die Glashütten mit ihren Buchenholznutzungen aus "Glaserschlägen" und Aschewäldern im Solling zu den "großen Waldfressern".[4]

Der "Fleischmannschen Forstchronik" aus dem Jahr 1825 ist zu entnehmen, dass ein wichtiger handschriftlicher Vorschlag (8.) des Oberförstes Christian Friedrich Fleischmann war, dass das Pottaschesieden "ganz aufhören" müßte.[6]

Andererseits wurde aber auch jenes Holz eingeschlagen, das durch einen beschwerlichen Zugang und Abtransport nicht anders genutzt werden konnte.[10]

 

 

"Pottasche brennen" [7]

 

Eigentlicher Holz verzehrender Arbeitsvorgang: Das Pottaschesieden zur Gewinnung von "Aschesalz"

War zuvor Pflanzenasche (Holzasche vornehmlich aus Buchenholz) als alkalisches "Flussmittel" (Netzwerkwandler) ein wesentlicher Gemengezusatz für die Glasschmelze, so wurde sie vermutlich frühmittelalterlich ab dem 8.-10. Jahrhundert wie dann auch neuzeitlich etwa ab dem 17. Jahrhundert durch die "Bottaschen" (Extraktion von Kaliumcarbonat) ergänzt bzw. abgelöst.[1][5][8][12]

Das relativ einfache Gewinnen des Extraktionsproduktes "Pottasche" führte zu einem enormen Holzverbrauch, der deutlich über dem der Befeuerung der Glasöfen lag.[9]

Wie berichtet wurde, sei im Solling die Pottasche aus „Stuken“ gewonnen worden – somit aus Baumstümpfen (Wurzelstock, forstlich Stockholz), einem Überbleibsel gefällter Bäume.

Extrem arbeits- und materialaufwendige Herstellung des „Aschesalzes“ (Pottasche):

  • Auslaugen roher Buchenholzasche durch Einsumpfen in Bottichen und Auswaschen mit Wasser

  • Eindampfen durch Sieden der Lauge in Pfannen ("Potte") oder Kesseln

  • Ausfällen/Ausglühen ("Kalzinierung") zur Anreicherung von Kaliumcarbonat

  • Eindampfen der Lauge

  • Weiterverarbeitung der Rohpottasche

Dabei kam es zu einem unverhältnismäßig hohen Holzverbrauch: 

1.000 kg trockenes Holz > ca. 3 kg Asche > ca. 1 kg Pottasche [2]

Nach anderer Darstellung [3] waren zur Erzeugung von 1 kg Glas je nach Art und Zustand des Holzes 1-3 Festmeter Holz erforderlich bzw. betrug das Gewichtsverhältnis zwischen dem Fertigprodukt Glas und dem hierfür erforderlichen Holzeinsatz 1 : 2.400.[9]

 

Text & Fotografie: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental


[1] umfängliche und quellenkritische Darstellung bei LOIBL 1996.

[2] ALTHAUS 2015, S. 156-159.

[3] BAYERL 2013, S. 64-65.

[4] ALTHAUS/KOCH 2017.

[5] TRIER/NAUMANN-STECKNER 2016, S. 161.

[6] SOLLINGER HEIMATSCHRIFTEN 1999, S. 163-165, 166 Anhang III.

[7] Abb. aus LESSMANN 1984, S. 19.

[8] REINER 2004, S. 37-47.

[9] REINER 2004, S. 40-41.

[10] ALMELING 2006, S. 28-29.

[11] Buchenstammholz (teuer), aber auch Äste und Zweige.

[12] ALMELING 2006, S. 34-36.