Ab 1753 systematische Anlage eines gewerblichen Dorfes zur „Beförderung des commerce“

Klaus A.E. Weber

 

"Anbau zu Hellenthale" - nach Westen hin um die Quelle & in Nordost und Südwest

Nur in einem größeren historischen Zusammenhang kann die Neubesiedelung von Hellental während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verstanden werden.

Jene gilt in ihrer Art als typisch für Bestrebungen von Herzog Carl I. [40] und seines fortschrittlichen Oberforstmeisters Johann Georg v. Langen in Fürstenberg im Hinblick auf die staatlichen Maßnahmen nach der herzoglichen Verordnung zum "Neuen Anbau auf dem Lande" vom 19. März 1753.[39]

Es war die Zeit der aufkommenden Wirtschaftsform des „Merkantilismus“, in der das Braunschweiger Land zu seinen Gunsten Produktionsbetriebe förderte bzw. neu gründete mit dem ökonomischen Ziel, durch eine verstärkte Ausfuhr in Verbindung mit eingeschränkter Einfuhr die defizitäre Staatskasse zu füllen („positive Aussenhandelsbilanz“).

Vor diesem fiskalischen Hintergrund erfolgte vor und während des Siebenjährigen Krieges, in den Jahren 1756-1765, im Hellental der an seiner topografischen Situation orientierte Ausbau zu einer dörflichen Siedlung mit dem Dorfplatz um die Bergquelle (Mitte des heutigen Oberdorfes) und entlang des steil abfließenden Baches, der „Steinbeke“.

In dem genannten Zeitraumes siedelten sich im Dorf 15 neue Ab-/Anbauer als Handwerker an, die zunächst jeweils einen ½ - 1 Morgen Wiesenland aus dem Merxhäuser Forstgrund erhielten.

Auf dem wenigen Grünland konnten sie allerdings nur wenig Vieh halten.

1765 waren - neben verbliebenen Glashüttenleuten und Forstarbeitern als „alte Ansiedler“ – insgesamt 15 steuerpflichtige Gewerbetreibende "zu Hellenthal" ansässig.

 

 

                                                                                           Abbildung aus JÜRGENS [8]

 

Das Sollingdorf Hellental - Entstanden durch Arbeitsmigration & „Anbauer“ als Zusiedler

Um die zweite, nunmehr dörflich geprägte Besiedlungsphase im Hellental historisch zu erklären, ist darauf hinzuweisen, dass während der Neuzeit die Förderung des ländlichen Gewerbes im kleinen Braunschweiger Territorialstaat eine wesentliche wirtschaftliche Bedeutung erlangte.

Neben der Verbesserung der landwirtschaftlichen Ertragsfähigkeit durch eine rationellere Landwirtschaft trieb Herzog Carl I. die Gewerbe- und Forstwirtschaft voran, wobei u. a. auch die Anordnung von Gebäuden und Gärten durch eine systematisch-planerische Geometrie ersetzt wurde.[37]

Für den Wirtschaftsraum des Herzogtums Braunschweig wurden auch externe Arbeitskräfte angeworben, da bei beschleunigtem wirtschaftlichem und sozialem Wandel die „Binnenkolonisation“ staatsökonomisch hoch bewertet wurde.[1]

Im Rahmen dieser territorialstaatlichen Wirtschaftsförderung mit Binnenkolonisation entstand schließlich auch die planmäßige, staatlich geförderte Anlage eines gewerblichen Dorfes mit Beginn des Jahres 1753 im unteren Hellental, an der Stelle der „alten Hütte“.

Die wahrscheinlich in eher einfacher Bauausführung errichtete Glashüttensiedlung drohte um 1746 wüst zu fallen.[2]

Wohl nicht zuletzt durch die oft beschriebene Umsichtigkeit und regionalplanerische Tatkraft des Braunschweiger Hof-Jägermeisters Johann Georg v. Langen (1699–1776), dem auch die Leitung der Siedlungsentwicklung im Solling-Weserraum ("Weser-District") oblag [3], entstand im Hellental anstelle der weitgehend verlassenen und zunehmend zerfallenden Glashüttensiedlung in einer zweiten Siedlungsphase ein neues, das eigentliche Sollingdorf Hellental am westlichen Berghang des trichterförmigen Seitentales.

Auch die erneute Besiedlung des Hellentales am Standort der ersten, glashistorischen Besiedlungsphase kann nur im übergeordneten historischen Kontext verstanden und zeittypisch betrachtet werden.

Von fast allen Fürsten jener Zeit wurde eine Ansiedlungspolitik betrieben, die zugleich eine Abwanderung aus anderen Gebieten bedeutete.

Bereits um die Mitte des 18. Jahrhunderts ermunterte der Herzog Carl I. zur binnenwirtschaftlichen Förderung und aus fiskalwirtschaftlich-merkantilen Gründen auch zur Ansiedlung in seinen Braunschweiger Landen (Landausbau).[33]

Unternehmungen sollten planmäßig ausgebaut und ab 1753 eine verstärkte Förderung des "Neuen Anbaus auf dem Lande" hinzukommen.

Ansiedler sollten als Hilfskräfte für die Landwirtschaft und das Leinengewerbe angeworben werden.

So soll nach TACKE [41] „in vielen Dörfer, die seit Jahrzehnten keinen nennenswerten Ausbau mehr zu verzeichnen gehabt haben“, durch „beträchtliche Baukostenzuschüsse und sachliche Baubeihilfen“ rasch 10-20 Neuanbauerstellen entstanden sein.

Ohnehin gab es während des Wirkens des Oberjägermeisters v. Langen zur Mitte des 18. Jahrhunderts einen wesentlichen Industrialisierungsschub in der Sollingregion [4] (u. a. Gründung der Porzellanmaufaktur Fürstenberg 1747 [34]).

In diesem wirtschaftlichen Zusammenhang ist bekannt, dass v. Langen zahlreiche auswärtige Facharbeitskräfte anwarb und für sie Arbeiterzusiedlungen errichten ließ, um die „Handarbeiter“ zur Sesshaftigkeit zu motivieren.

Als finanziellen und materiellen Anreiz zur Ansiedlung sollten die Anbaustellen "auf Lebenszeit" von allen "oneribuis publicis" (öffentliche Abgabelasten) frei sein und entweder das Bauholz frei Baustelle geliefert oder aber 20 Reichstaler ausgezahlt werden.

Zudem wurde Land für einen Garten vorgesehen.[5]

Wohl infolge der Auswirkungen des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) wurden später jedoch die großzügigen Bauvergünstigungen wie auch die Freijahre staatlich reduziert.

 

Gebäudesignaturen mit Namensvermerk "Höllthal Glas Hütte" um 1745

Der im Original relativ kleine "Geometrische Grundriss Der Merxhäuser-Forst Wie selbiger in Anno 1745 aufgenommen worden von Ludwig August Müller" [6] weist im Bereich des heutigen Dorfes Hellental, wenige Jahre nach der Stilllegung der Glashütte Zur Steinbeke und deren Verlegung mittels Techniktransfer an den „Schorborns Teich“, fünf vereinfachte Gebäudemarkierungen mit Namensvermerk "Höllthal Glas Hütte" auf (Forstabteilung III, IV).

Soweit bei dem fraglich maßstäblichen Miniaturausschnitt aus der ohnehin vergleichsweise kleinen Originalforstkarte zu erkennen ist, wurde südwestlich eine rechteckige Gebäudesignatur mit einem größeren Nutzflächenbereich eingetragen.

Nach LESSMANN [35] soll diese Gebäudesignatur dem einstigen Meisterhaus, dem „Herrenhaus“, von Jobst Henrich Gundelach entsprechen.

Dem hingegen könnte diese Signatur auch als ehemaliger, aufgelassener Produktionsbereich der großen Glashüttenanlage angesprochen werden.

Einer weiteren Hinterlassenschaft der ortsfesten Werkssiedlung könnten die Signaturen einer Reihe von mindestens vier Gebäuden entsprechen, die gegenüber dem „Meisterhaus“ oder Werksgelände nordöstlich eingezeichnet sind.

Es könnte sich hierbei um vier „Arbeiterhäuser“ (Laborantenhütten?) mit dazugehörigen Nutzflächen (Gärten) handeln, die wahrscheinlich oberhalb des Hanges „Steinbeke” standen (heute „An den Höfen“).

Damit lagen sie vom Brand geschützt oberhalb des ehemaligen Glashüttenplatzes, welcher das Gelände der heutigen Dorfkapelle, des Dorfgemeinschaftshauses (vormals Dorfschule) und des kleinen Grünparks umfasste.

Zieht man die spätere staatliche Vorgabe zur Errichtung des gewerblichen Dorfes heran, wonach ein "Anbau in Nordost und Südwest oberhalb der vorhandenen Häuser und Gärten" in Betracht zu ziehen sei, so lässt diese Angabe vermuten, dass bereits vor etwa 1750 bzw. zum Zeitpunkt der Erstellung der Forstkarte um 1745, Häuser mit Gärten am alten Glashüttenplatz gestanden haben und die vier Signaturen daher als Vorgängergebäude der um 1753-1756 angelegten Anbauerhäuser angesehen werden könnten.

Als "Schorborn Glas Hütte" ist die im Entstehungsjahr der Merxhäuser Forstkarte neu angelegte „Fürstliche Hohl- und Tafelglashütte“ am Schorbornsteich bereits angegeben.

 

"... abgesondert von allen Straßen zur Colonie im Hellenthale" 

Der verlassene Werkweiler in Hellental unterstand noch einige Jahre dem Schorborner Hüttengericht.[43]

Ausgehend von der Kleinsiedlung der stationären Glashütte Zur Steinbeke wurde - siedlungstypisch für die frühindustrielle (merkantilistische) Epoche im Lande Braunschweig - in einer staatlichen Forstfläche am nördlichen Sollingrand die "Dorfschaft Hellenthal" durch wirtschafts- und siedlungspolitische Maßnahmen

  • unter Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel im Zusammenwirken

  • mit seinem Hofjägermeister Johann Georg v. Langen (1699-1776)

  • und dem Kommissar Christoph Jacob Laurentius

planmäßig angelegt und systematisch durch Neuansiedelung zur "Colonie im Hellenthale" ausgebaut.

Nach dem offensiven landesherrlichen „Wirtschaftsförderungsprogramm“ wurden gezielt „Anbauer“ als Zusiedler sesshaft gemacht.

Staatlich durch eine Anbauerlaubnis gefördert, siedelten sich vornehmlich an

  • Holzhauer

  • Leinenweber

  • andere Landhandwerker.

Um den Lebensunterhalt ihrer Familien zu sichern, erhielten die zugewanderten Neusiedler jeweils Wiesenland im Hellental zugewiesen, wo sie eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft betrieben.

Deren strukturreiche Spuren sind noch heute in dem Sollingtal als kulturhistorische Landschaftselemente zu erkennen, die es zu bewahren gilt.

"Hellenthal" erhielt 1758 ein eigenes Kirchenbuch, das vom Schulmeister Franke geführt wurde.

Nach BLOSS sind danach von den bekannten Glasmachernamen nur noch die Namen "Seitz" und "Kunkel" dokumentiert, die aber in anderen Berufen tätig sind.[45]

So wurde unter Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel (1713-1780) die ortsfest angelegte Kleinsiedlung mit einfachen, werkhallennahen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden jener Glashütte zur historischen „Keimzelle“ des Sollingdorfes Hellental.

Im Rahmen des „fürstlichen Landesausbaus“ wurde ab 1753 der allmählich zerfallende Werkweiler durch Neuansiedelung "abgesondert von allen Straßen zur Colonie im Hellenthale" ausgebaut, planmäßig angelegt als man im 18. Jahrhundert in den Braunschweiger Staatsforsten verstärkt Holzhauer benötigte.

Hellental entwickelte sich in der Folgezeit zu einem bedeutenden Waldarbeiter- und Landhandwerkerdorf im nördlichen Solling.

Anzunehmen ist hierbei, dass in den Jahren vor 1753 erste staatliche Vorarbeiten und Entscheidungen zur "planmäßigen Anlage eines gewerblichen Dorfes" im Hellental getroffen wurden [42], nachdem die von der ehemaligen Glashüttenbelegschaft zurückgelassenen "Hütten" zu verfallen begannen.

TACKE [42] schrieb in seinem Beitrag zur Entwicklung der Landschaft im Solling:

„Sehr schön zeigen einige Grundsätze der v. Langenschen Siedlungs- und Bevölkerungspolitik die Anfänge des Dorfes Hellental.“

 

Planmäßige Anlage des gewerblichen Dorfes - am Vorabend der Französischen Revolution

Das damalige landesherrliche Wirtschaftsförderungsprogramm sah vor, auch am alten Glashüttenstandort „im Hellental am Steinbeck“ gezielt Anbauer als Zusiedler sesshaft zumachen.

So erhielten nach „dem Eingehen der Gundelachschen Glashütte“ die

  • "alten und aus anderen Ländern nach dem Hellenthale zugezogenen Köhler, Holzhauer, Glasmacher und Leineweber die gnädigste Freiheit, daselbst zu wohnen und die alten eingefallenen Hütten neu anzubauen, zu reparieren und zu erhalten".[10][39][44]

Um eine staatliche Anbauerlaubnis im Hellental zu erhalten, richteten bald darauf mehrere Einwohner benachbarter Dörfer ihre Gesuche an den braunschweigischen Hofjägermeister Johann Georg v. Langen.

Wegen des "Anbaus zu Hellenthale" (Zusiedlung) entspann sich in den Jahren zwischen 1754-1756 eine relativ rege behördliche Korrespondenz zwischen dem herzoglichen "Commissarius Laurentius" (Lorenz) und dem Braunschweiger Hof von Herzog Carl I., im Weserdistrikt vertreten durch seinen Hofjägermeister v. Langen.

In einem die Bauvergünstigung begründenden Bericht vom 15. Juli 1753 schrieb v. Langen über die alte Siedlung im Hellental:

  • "Wann dieser Ort gantz neu bebauet, sich auch die Bewohner einiger Maßen erholet, wird ein jeder sowohl das Schutz- als Weide-Geld bezahlen, seine Pflicht und Schuldigkeit seyn laßen."[11][39]

Mit Schreiben vom 08. April 1754 soll der invalide Hellentaler Holzhauer Johann Heinrich Warnecke um ein Gnadengehalt sowie um einen Vorschuss zum Hausbau gebeten haben.

Herzog Carl I. beauftragte daraufhin v. Langen mit der Erledigung dieses Gesuches.

Zudem ist namentlich bekannt, dass der Schuster und Häusling Christof Meier aus Merxhausen ein Gesuch an v. Langen richtete.[12]

Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um den im Oktober 1699 in Merxhausen geborenen Christoph Friedrich Meier.

Am 25. Mai 1754 schrieb daraufhin v. Langen an Herzog Carl I.:[43]

  • "Ob nun Ew. Herzogl. Durchl. besagten Ort durch mehrere neue Anbauer erweitern und größer wollen anlegen lassen, dependiert lediglich von Ihro Höchstem Willen und Gutbefinden. Daß es einen anderen und besonderen Nutzen für das Land haben solle, als daß unter Zeiten ein guter junger Soldat daselbst geboren werde, die Consumtion in etwas augumentiert und sich ein Hundert und mehr Menschen kümmerlich daselbst ernähren und durchbringen können, lässet sich im voraus nicht wohl determinieren. Doch wird es allemal den Nutzen haben, daß die Bewohner etwas mehr aufbringen, als solche den Forsten und anderen Einrichtungen schaden."

Herzog Carl I. besonders gut gefallen zu haben scheint die Anmerkung seines Hofjägermeisters, dass "unter Zeiten daselbst ein guter junger Soldat könne geboren werden", denn Carl I. schrieb an den Rand des Schriftstückes:

  • "Es möge geschehen."[13]

Des Weiteren forderte Herzog Carl I. von seinem Kommissar Laurentius umgehend einen Kartenriß, "den ferneren Anbau von Hellental betr." ein.

Im Zeitraum von Ende 1755 bis Anfang 1756 wurden die geforderte Beschreibung und der "Riß von Hellenthal" zur (steuerlichen) Aufnahme des künftigen Dorfes erstellt.

Am 17. Februar 1756 erging dann den "Anbau zu Hellenthal betreffend" an den Oberjägermeister v. Langen die herzogliche Verfügung, „auch jedem im Hellental sich neu Anbauenden ½ bis 1 Morgen Wiesen aus der Forst angewiesen erhalten“, einschließlich eines Platzes für ein Wohnhaus.[38][39]

Zudem sollte ihnen

  • "angedeutet werden ..., daß sie zeitlebens von allen oneribus publicis (öffentlichen Lasten) frei sein und sich auch einiger Bau-Douceurs, wo unsere Forsten uin der Nähe liegen, am Eichenholze, sonst aber an barem Gelde ... zu erfreuen haben".[46]

 

Planmäßiger "Anbau" und Entwicklung der "Colonie im Hellenthale" in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts

I. Dorfraum "nach Westen hin um die Quelle" [14]

II. "Anbau in Nordost und Südwest oberhalb der vorhandenen Häuser und Gärten"

mit Kartenauszug (s.u.) aus der Braunschweigischen General-Landes-Vermessung von 1792 [33]

NLA Staatsarchiv Wolfenbüttel 2 Alt Nr. 11 104 / K 3344

 

Wie noch heute erkennbar, wurde bei der Anlage des Dorfes planmäßig und systematisch vorgegangen, vergleichbar mit dem schachbrettartigen Grundriss der Schorborner Glashüttensiedlung.

Deren Siedlungsanlage wie auch die Hausanlage der Fabrikantenhäuser soll Oberjägermeister v. Langen persönlich entworfen haben - mit "einerlei Größe und gleicher Einrichtung", vorgesehen für zwei Familien (Hauswirt und Mietsleute).[47]

Eine Fläche von 6 Morgen und 90 Ruten (= 151.971 m²) wurde als Dorfraum "nach Westen hin um die Quelle" bestimmt, wo "13 Häuser bequem stehen könnten".[14]

Für den Aufbau des neuen Sollingsdorfes stellte Herzog Carl I. jeweils freies Bauholz aus dem staatlichen Merxhäuser Forstrevier zur Verfügung, zudem auch einen Platz für ein Wohnhaus mit Wiesen- und Gartenland, wobei ein

  • "Anbau in Nordost und Südwest oberhalb der vorhandenen Häuser und Gärten"

in Betracht gezogen wurde.

Der Anbau wurde darüber hinaus durch Zuschüsse und Steuererleichterungen staatlich begünstigt.

Von der staatlichen Forst - "zu großem Nachtheil der Forst" (von Merxhausen) – wurde ein ½ - 1 Morgen "zur Wiese" ausgewiesen; insgesamt waren dafür in Hellental etwa 18 - 27 Morgen zu bestimmen.

Dies betraf Bestandsflächen des alten Merxhäuser Forstreviers, dass nach FÖRSTER [36] alle östlich und nördlich der Linie Hellental – Hundebruch – Hasselbach – Frauengrund - Rote Wasser liegenden Flächen bereits seit 1668 umfasste (vergl. Karte der Merxhäuser Forst von 1745)

Für die Gemarkung und Dorfanlage von Hellental waren demnach zum einen kleine Flächen für die Wohngebäude und für die dazugehörigen gebäude- wie ortsnahen Wiesen und Gärten aus der Forst Merxhausen herausgenommen worden, zum anderen auch Flächenstreifen im landwirtschaftlich nur erschwert nutzbaren Gelände des südwestlich gelegenen Hülsebruchs, einige Kilometer fernab des Dorfes.

Dem oben genannten Schreiben vom 17. Februar 1756 ist auch zu entnehmen, dass die „Neubauer” nach Ablauf ihrer Freijahre "Contribution" (landesherrliche Steuer) zu entrichten hatten und katastermäßig als "zugehörig" zu erfassen waren.

Spätestens ab 1753 dürfte die planmäßige Besiedlung mit „neuen Anbauern und Handwerkern“ im Hellental begonnen haben.

Einwohner aus benachbarten Dörfern und aus dem fernen Harz seien hier angesiedelt worden.[15]

Neun Jahre später, um 1765, dürfte dieses wirtschaftliche Planungsvorhaben weitgehend abgeschlossen gewesen sein, denn in Hellental befanden zu diesem Zeitpunkt bereits 15 neue Anbauer, unter ihnen

  • 11 Leinenweber,

  • 1 Schuster,

  • 1 Schuhflicker,

  • 1 Tabakspinner,

  • 1 Krämer.

Hinzu kamen noch mehrere Glashütten- und Forstarbeiter, die zu den „alten“ Ansiedlern gehört haben sollen.[16]

Der Braunschweiger Hof unterbreitete den Vorschlag, neben Woll- und Leinenwebern, noch "Säge- und andere Schmieden" anzusiedeln und ihre Arbeit durch die "Anlagerung einer Mehl-, Schleif- und Walkemühle", gespeist von der "Quelle vom Hellenthal", zu fördern.

Die Mahlmühle soll 1756 errichtet worden sein.[17]

Noch 1863 stellte LAMBRECHT fest, dass „im Orte“ nur eine Quelle sei, „woraus das nöthige Wasser geschöpft wird“ und der „daraus entstehende Bach“ eine Mahlmühle antreibe.[31]

Bei der Quelle handelt es sich um den in Buntsandstein gefassten „Großen Brunnen“, wie er noch heute im Dorf genannt wird, eine kräftig schüttende Bergquelle im alten Dorfzentrum.

In der Folgezeit wuchs das Dorf Hellental auf etwa 36 Hausstellen an, zu denen Garten- und Wiesenland sowie durchschnittlich 2 - 3 Morgen Ackerland zählten.

Weitere Anbauten folgten in den Jahren zwischen 1793-1798.[18]

 

Neue Familien in „Hellenthal”

Auch nach LAMBRECHT war die Glashütte die Veranlassung, dass der Ort überhaupt gegründet wurde.[31]

Hierfür seien Arbeiter vom Harz „berufen“ worden, die ihre Familien nachholten.

Aus den zuerst erbauten „Bretterhütten“ seien „nachgerade stattliche Häuser“ entstanden.

Das Dorf habe nur aus „Anbauerwesen“ bestanden.

 

1747/1748

Ab 1747 treten im Hellental "zu Steinbeke" bzw. ab 1748 erstmalig "zur alten Hütte" neue Familiennamen auf: [39] 

Albrecht

Brehmer

Denike

Hartze

Meyer

Reimers

Sievert

Warnecke

 

Ab 1756 wurden vermutlich auch Einwohner benachbarter Dörfer angesiedelt.[19]

 

1749

Um 1749 seien folgende Familien nach "Steinbeke" gekommen sein, die von der Land- und Forstwirtschaft lebten haben sollen: [20]

Albrecht

Brehmer

Deneke

Dörge

Lich

Meyer

Niemeyer

Reimer

Sievert 

Sölker

Warnecke

 

1750

Ab 1750 sollen sich auch Angehörige der Glasmacherfamilien

Eikenberg

Greinert

Hesse

Jürgens

Seitz

in "Steinbeke" angesiedelt und als Leinenweber, Holzhauer oder Ackermänner gearbeitet haben.[21]

 

ab 1751 [39]

Eichenberg

 

„Hellent(h)al” – Bleibender Ortsname

Wie verschiedene Kirchenbucheinträge erkennen lassen, konnte sich in der Folgezeit der Glashüttenname „Steinbeke“ nicht als bleibender Name für die am Berghang planmäßig entstandene Arbeitersiedlung durchsetzten.

Bereits am 11. September 1746 wurde erstmals der Ortsname "Hellenthal" bei einem Taufeintrag im Kirchenbuch Heinade hinterlegt (Albrecht, Sophia Margretha).[24]

Am 29. Dezember 1748 ist hingegen der Taufeintrag "zur alten Hütte" verzeichnet (Albrecht, Magdalena Charlotte).[25]

Bei der Implementierung eines bleibenden Ortsnamens tat man sich in der Gemeinde des neu entstehenden Sollingdorfes zunächst noch recht schwer.

In vorliegenden Quellen (Korrespondenz mit dem Hofjägermeister v. Langen) wird bereits Ende 1755 von der "Einrichtung des Dorfes Hellenthal betreffend" gesprochen; 1756 hies es "Glashütte zu Steinbeck jetzo Hellenthal".

Schließlich wurde der Talname "Hellenthal" im Zeitraum 1755/1757 zugleich auch bleibender Dorfname.[42]

So findet sich der Kirchenbucheintrag, dass ein Kind namens Johann Friedrich  Eikenberg am 14. Januar 1756 zwar in Steinbeke getauft, am 08. September 1757 aber in Hellenthal beerdigt wurde.

Ein Kind namens Ferdinand Kuhlmann war am 25. Dezember 1755 in Steinbeke getauft, am 26. September 1757 aber in "Hellenthal" beerdigt worden.

Am 25. Juli, 03. Oktober bzw. 12. September 1756 wurden drei Kinder mit den Namen Schütte, Niemeyer bzw. Greinert in "Hellenthal" getauft, dem hingegen wurde ein Kind namens Kamman am 01. Januar 1757 wiederum in Steinbeke getauft.

Auch findet sich bei einem Taufeintrag vom 25. Dezember 1756 noch die ältere Ortsangabe "zur alten Hütte".

 

Gewerbetreibende zu Hellenthal, 1765

1765 wohnten in Hellental schon 15 neue Anbauer und Landhandwerker, begünstigt durch Zuschüsse und Steuererleichterungen.[26][38]

 

Leinenweber:

Christoph TIMMERMANN

Heinrich TIMMERMANN

Conrad HAASPER

Hans Heinrich BREMER (Hanß Henrich Bremer)

Conrad MAGNUS’s Witwe(r)

Andreas DENEKE

Conrad HESSE (Johann Conrad Hesse)

Henni(ng) NIEMEYER

Daniel KUNKEL

Hans Heinrich HARENBERG

Carl ENGELBRECHT

Schuster:

David KUHLMANN

Schuhflicker:

Christoph MEYER (Johann Christoph Meyer)

Tabakspinner:

Caspar WEDEL

Krämer:

Wilhelm BRÖMER

 

Weitere Anbauten folgten in den Jahren 1793-1798, wobei noch weitere Handwerker hinzukamen:[27]

  • 2 Tischler

  • 2 Mollenhauer

  • 1 Nagelschmied

  • 1 Stellmacher

  • 1 Böttcher

  • 1 Müllermeister

  • 1 Krüger

Bemerkenswert und bezeichnend ist, dass es im Hellentaler Dorf nach 1792 noch keine Pferde gegeben haben soll.[28]

 

Auszug "Hellenthal" aus der Braunschweigischen General-Landes-Vermessung 1792 [33]

 

Die erste braunschweigische General-Landes-Vermessung des Hellentals von 1792

Grundherr sämtlicher Hellentaler Grundstücke war im 18. Jahrhundert alleinig das Amt Allersheim („AA“).

Erst um 1792 wurde, neben dem gesamten Talbereich, auch das Dorf Hellental topografisch vom Land Braunschweig aufgenommen (Feldbeschreibung der braunschweigischen General-Landes-Vermessung 1746-1783).

Wie die Vermessungskarte "Grundrißs des Dorfes Hellenthal" von 1792 ausweist [29], gab es zum Ende des 18. Jahrhunderts in Hellental insgesamt 39 Hausstellen mit mindestens 124 Bewohner*innen.

Das alte bäuerliche Nachbardorf Merxhausen am nördlichen Sollingrand wies vergleichsweise 1793 die dreifache Einwohnerzahl auf, nämlich 373 Einwohner.

Die Summe aller Hellentaler Grundstücke, wie

  • Hausstellen,
  • Hofräume,
  • Gärten,
  • Wiesen,

betrug 1792 insgesamt 107 Morgen, 146 Ruten (Quadratruten) und 15 Fuß.

Die Gärten der Hellentaler Dorfbewohner lagen zumeist hinter dem Haus, die Wiesen teilweise am „Buchholz” oder im „Hülsebruch”.

Im Rahmen der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgeschlossenen Agrarreformen mit Gemeinheitsteilung erfolgte im Hellental jedoch keine Generalteilung mit Separation.[30]

Wie aus der Vermessung des Dorfes und dem daraus erstellten großformatigen, detailliert erstellten und handkolorierten "Grundriß des Dorfes Hellenthal" von 1792 hervorgeht, bestanden zum Ausklang des 18. Jahrhunderts in Hellental insgesamt 38 erfasste Gebäude mit 39 Hausstellen (128 Ruten).

Die Hausstellenbesitzer verfügten durchschnittlich über etwa ½ - 3 Morgen Garten- und ca. 1 - 3½ Morgen Wiesenland bei einer Gesamtfläche von 107 Morgen und 146 Ruten Grundstücken nach dem Vermessungsregister.

Meist lagen die Gärten unmittelbar am Wohnhaus, die Wiesen hingegen teils am „Buchberge“ (Buchholz), teils im Hülsebruch.

Die Summe der Flächen aller Hausstellen, Gärten und Wiesen (Liegenschaften) betrug insgesamt 107 Morgen, 140 Ruten und 15 Fuß.

Weitere Anbauten folgten dann 1793-1798.

Die staatlich geförderte, siedlungstypische Anlage des Hellentaler Oberdorfes lässt noch heute nachvollziehbar erkennen, dass bei der neuzeitlichen Dorfgründung und staatlich geförderten Neubesiedlung weitgehend planmäßig vorgegangen wurde.

 

Bevölkerungsentwicklung im 19./20. Jahrhundert [38]

  • 1858: 50 Feuerstellen, 503 Einwohner*innen
  • 1885: 582 Einwohner*innen
  • 1905: 541 Einwohner*innen
  • 1939: 318 Einwohner*innen

 

 

Fotografie: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] HAUPTMEYER 2004, S. 80 ff.

[2] KLEINAU 1967, S. 268.

[3] MEYER 1996; TACKE 1951.

[4] Vermessung von 1792, Feldbeschreibung der braunschweigischen General-Landes-Vermessung - NStAWb 20 Alt 178; K 3344.

[5] HEBBEL 1999, S. 36 ff.; TACKE 1943, S. 129 ff.

[6] NStAWb 92 Neu F 501 (Anlage Karte); Vermerk von LESSMANN 1984, S. 31.

[7] Aktenbestand STAWO 2 Alt 14459.

[8] JÜRGENS, A.: Dorferneuerungsplan Hellental 1994/95. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Heinade und dem Arbeitskreis für Dorferneuerung in Hellental. Hildesheim/Hellental 1995.

[9] TACKE 1951; 1943, S. 138.

[10] zit. in TACKE 1943, S. 138.

[11] zit. in BLOSS 1950.

[12] TACKE 1943, S. 138.

[13] zit. in TACKE 1943, S. 138 - Quellenangabe von TACKE [1943]: LWH. Geh. Rats Registr. Suppl IV, 279.

[14] zit. in TACKE 1943, S. 138 - Quellenangabe von TACKE [1943]: LWH. Geh. Rats Registr. Suppl IV, 279.

[15] KLEINAU 1967, S. 268; LAMBRECHT 1863, S. 706.

[16] TACKE 1943, S. 138 f. - Quellenangabe von TACKE [1943]: LWH. Alte Berg- und Hüttensachen 185/86.

[17] LILGE 1993; LESSMANN 1984.

[18] HEBBEL 1999; KLEINAU 1967, S. 268.

[19] BLOSS 1950.

[20] SCHOPPE 1989.

[21] SCHOPPE 1989.

[24] NÄGELER/WEBER 2004; BLOSS 1950.

[25] NÄGELER/WEBER 2004.

[26] nach LESSMANN 1984.

[27] LESSMANN 1984.

[28] RAULS 1983, S. 142.

[29] NStAWb K 3344.

[30] KLEINAU 1967, S. 268.

[31] LAMBRECHT 1863, S. 706.

[33] KRAATZ 1975.

[34] TACKE 1951.

[35] LESSMANN 1984, S. 31.

[36] FÖRSTER 1996.

[37] GÖHMANN 1991, S. 37-38.

[38] RAULS 1983, S. 316.

[39] BLOSS 1950a, S. 12.

[40] biografische Angaben bei JARCK 2006, S. 427-428.

[41] TACKE 1951; 1943, S. 138.

[42] TACKE 1971, S. 61 (Fußnote 4), 63; NÄGELER/WEBER 2004, 2005, S. 306-310.

[43] zit. in TACKE 1943, S. 138.

[44] RAULS 1983, S. 138.

[45] BLOSS 1950a, S. 12.

[46] zit. in BLOSS 1950a, S. 12-13.

[47] BLOSS 1950a, S. 20.