Grenzsteine - Kulturhistorische Relikte im Hellental

Klaus A.E. Weber

 

Im 18. Jahrhundert zählte der westliche Sollingbereich (heute Landkreis Holzminden) zum Fürstentum Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttelschen Teils („Braunschweiger Solling“).[1] [2]

Der größere, östlich gelegene Abschnitt (heute Landkreis Northeim) zählte zum Kurfürstentum bzw. Königreich Hannover, durch Annexion ab 1866 zu Preußen gehörend.

Noch um 1800 grenzten die östlichen Tal- und Hangbereiche des Hellentales an das Hochstift Hildesheim mit dem Amt Hunnesrück („AH“) und an das Amt Uslar („AU“) des Fürstentums Göttingen.

Die Landesgrenze zwischen dem Königreich Hannover („KH”, nach 1866: „P” für Preußen) und Herzogtum Braunschweig („HB”) verlief von Neuhaus entlang des Baches "des roten Wassers" zum Mecklenbruch, von dort zum Wilddiebs- oder Hasenlöffelborn und im Hellental entlang des Baches "Spoile" (heute „Helle“) in Richtung Merxhausen.

 

  

Grenzstein Nr. 13 B                                                              Grenzstein Nr. 38 P

 

Die ehemalige Grenze zum Stift Hildesheim begann etwa beim Wilddiebsborn, lief vorbei am Appelshüttschen Born in Richtung Große Blöße, sodann in Richtung Schullermann und Abbeke.

Am südöstlichen Dorfausgang von Merxhausen, an der heutigen Landesstraße 580, befindet sich gegenüber dem Gasthaus „Zum Grenzkrug“ (vormals Grenzkrug und –zollhaus) der letzte Landesgrenzstein der beiden Länder Hannover und Braunschweig.

Über die östlichen Randbereiche der Flure „Streitige Hudekämpe“ und „Rotem Lande“ endete an dieser Stelle einst die historische, den Hochsolling durchquerende Grenzlinie beider Territorien im Verlauf des Hellentales.

Bis heute zeugen zahlreiche, im Original erhaltene Grenzsteine [3] - Relikte vormals errichteter Landes- und Ämtergrenzsteine sowie forstliche und fiskalische Abteilungssteine - im Hellental von den landesherrlichen Gebietsansprüchen vergangener Epochen.

Diese teils auch mit Ordnungszahlen und –buchstaben gekennzeichneten Grenzsteine aus Buntsandstein sind stille Zeugen des alten Grenzraumes in der Landschaft des lang gestreckten Hellentales.

Darüber hinaus bestehen noch gut erhaltene Abschnitte alter Grenzwälle („Wall-Graben-Wall“).[4]

Die zwischen dem Herzogtum Braunschweig und Preußen gesetzten Landesgrenzsteine sind, wie neuere Untersuchungen ergaben, teils braunschweigischer, teils preußischer Herkunft.[5]

In einem einheitlichen Naturraum entstand – zumindest aus Hellentaler Sicht - ein Braunschweiger „Hüben” und ein hannoversches, später preußisches „Drüben”.

 

„Dreiämterstein“ - braunschweigischer Ämterstein - von 1828

Noch heute steht im oberen Hellentaler Grund (Naturschutzgebiet), am östlichen Ufer der Helle, versteckt in einem kleinen Auwald, ein besonderer Grenzstein, der säulenartige, dreikantige „Dreiämterstein“.

 

   

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Die drei Längsseiten des 1828 im oberen Hellental gesetzten "Dreiämtersteins" - braunschweigischer Ämterstein - weisen relativ gut erhaltene Territorialinschriften auf:

 

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HB = Herzogtum Braunschweig

AH = Amt Holzminden

1828 = [Jahr der Steinsetzung]

 

Seite 2

KH = Königreich Hannover

AEH = Amt Erichsburg-Hunnesrück

 

Seite 3

KH = Königreich Hannover

AU = Amt Uslar

I/I o 42 = [Spiegelung des N]

 

 

 

Text & Fotografien: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] bis 1806 reichsrechtlich Herzogtum Braunschweig-Lüneburg.

[2] BIEGEL 1997.

[3] Die teilweise auf den Landesgrenzsteinen noch vorhandenen Inschriften „H B” für das Herzogtum Braunschweig und „K H” für das Königreich Hannover werden auch spöttisch als „Herzogtum der Braven”und „Königreich der Halunken” interpretiert.

Der Autor geht davon aus, dass die alten Grenzsteine im Hellental wegen ihrer geschichtlichen Bedeutung Kulturdenkmale im Sinne des § 3 Abs. 2 NDSchG sind.

[4] Es erfolgte eine systematische Begehung und Dokumentation des historischen Grenzverlaufes im Rahmen des Förderprojektes „Kulturhistorisches Kataster Landkreis Holzminden“ durch Dr. Hilko Linnemann (Projektleitung), Detlef Creydt und Dr. Klaus Weber am 02.05., 11.05. und 19.05.2005. Es wird einer späteren Publikation der Beteiligten vorbehalten bleiben, die umfangreichen Untersuchungsergebnisse und Schlussfolgerungen zusammenfassend öffentlich zu präsentieren.

[5] Die Ordnungsbuchstaben und –zahlen geben Auskünfte darüber, von welcher Gebietskörperschaft (Land, Amt) der jeweilige Landes- oder Ämtergrenzstein vormals gesetzt wurde. Dasjenige Land oder Amt, welches den Grenzstein setzte, brachte zugleich auch die fortlaufende Ordnungsbezeichnung (Buchstabe, Ziffer) des eigenen Territorialzeichens an (beispielsweise auf der einen Seite eines Ländergrenzsteins „K H“ für Königreich Hannover, auf der Gegenseite „H B“ für Herzogtum Braunschweig, darunter „3“ als Ordnungsnummer; demnach wurde dieser Landesgrenzstein vom Herzogtum Braunschweig gesetzt).