Die Karte des Sollings von 1603

Klaus A.E. Weber

 

Johannes Krabbes (1553-1616) kartografisch wie historisch bedeutende „Jagdkarte“

Ein wesentliches Element adliger Lebenskultur war seit dem Mittelalter die „erholsame“ wie repräsentierende Ausübung der landes- und grundherrlichen Jagd, so auch im damals außerordentlich wald- und wildreichen Solling (Rot- und Schwarzwild).

Im Auftrag des besonders jagdbegeisterten Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel, fertigte dessen „Multitalent“ am Hofe zu Wolfenbüttel, der "Visierer, Abreißer und Geometer", der Kupfer- und Goldschmied, Instrumentenbauer, Büchsenmacher, Feuerwerker, Hofmathematiker, Leib- und Kammerdiener, Landvermesser und Kartograph Johannes Krabbe Mundensis (1553-1616) auf der Grundlage seiner umfassenden Vermessungen 1603 ein gesüdetes topografisches Kartenwerk des gesamten Sollings der frühen Neuzeit an.[1]

Ihm gelang es in hervorragender darstellerischer Qualität, das herzoglich bevorzugte, da wildreiche Jagdgebiet zweckgerichtet hinsichtlich von Jagdmöglichkeiten und dazu dienender Einrichtungen größtenteils wirklichkeitsnah abzubilden.

Zugleich entstand auch ein detaillreiches aquarelliertes plastisches Abbild der Kulturlandschaft des Sollings und seiner Umgebung um 1600, in jenem Zeitraum, in dem der das gesamte Gebiet des Sollings kurzfrisitig in der Hand eines einzigen Landesherrn war (1596-1617).

 

 

"ABRIS DES SOLLINGS, mit seinen Bärgen, Gründen, und vor

nemsten Heüptwegen, auch Bächen und

Brunnen, und denen darin verzeichnete

Iagten, Auff des Hochwirdigen Durchleüch

tigen Hochgebornen Fürsten und Herren, her

ren Henrichen Iulii Bischoffs zu Halber

stad und Herztogen zu Braunschweig und Luna

burg, gnedigen beuel, verfertigt. Anno Christi 1603"

 

Heute stellt die ca. 1,9 x 2,3 m große, künstlerisch wie technisch-zeichnerisch anspruchsvoll gestaltete „Karte des Sollings von 1603“ [2] eine hochwertige wissenschaftliche Quelle und eines der hervorragendsten Werke der frühen deutschen Kartografie dar.

Der um 1600 vorherrschende Baumbewuchs des Sollings ist kartografisch charakterisiert durch Laubbäume, mit Eichen im Süden und Buchen im Norden.

Aus dem in 12 geschnittenen Papierblättern überlieferten und daher mehrteiligen Kartenmaterial sind für das hier betrachtete Gebiet ausschnittsweise die Blätter 8 und 11 von besonderem lokalgeschichtlichem Interesse:  

Der „Hellentaler Grabenbruch“, das "Helldahl", ist bereits um 1600 in seinem nördlichen Abschnitt weitgehend als offener Bereich mit "Wiesen" in der Buchenwaldlandschaft des Nordsollings ausgewiesen.

Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde eine exakte topographische Karte auf der Grundlage präziser Messungen für das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel von Johann Gerlach erstellt.

 

 

Text: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] Nds. Staatsarchiv Wolfenbüttel, Kartenabt., K 202.

[2] Edition: ARNOLDT/CASEMIR/OHAINSKI 2004.