Das „Fleuen” (Berieseln) von Hangwiesen

Klaus A.E. Weber

 

Eine im Solling verbreitete Wiesenbewässerungskultur


Hangbau-Bewässerung

Überwachsener "Fleuegraben" am östlichen Talhang des Hellentals, April 2007

 

Jede Fläche offener Wiesentäler im Solling, die einen landwirtschaftlichen Ertrag versprach, wurde in früheren Tagen als Wiese oder, wenn möglich und die Flächen nicht allzu feucht waren, zum Ackerbau genutzt.

Die Wiesentäler des Sollings wurden durch Gräben nicht nur entwässert, sondern auch in jahrhundertealter Tradition bewässert (berieselt), damit das Gras während seiner Wachstumsperiode früh über genügend Wasser verfügte.

Dabei sollte die düngende Bewässerung möglichst eine ergiebige Futtergewinnung erzielen.[1]

Im „Sollinger Platt“ nannte man das Bewässerungssystem der geregelten, künstlichen Rieselbewässerung von Grünland (Wiesen) „Fluien“, „Fleuen” (Fluten) oder „Flößen”.

 

 Im Hellental verbreitete Wiesenkultur - Bewässerungswiesen mit ehemaligen Bewässerungsgräben über drei Stockwerke, Mai 2008

 

Dorfnahe Bewässerungswiesen mit ehemaligem "Fleuegraben" am östlichen Talhang mit Entwässerung in die Helle, April 2006

 

Wie vielerorts wurde früher auch im Hellental das Bewässern von Hangwiesen mit Oberflächenwasser durch künstlich angelegte Gräben betrieben, „Fleuen“ genannt.

Wenige Reste von ehemals künstlichen Rinnenstrukturen der wasserbaulichen Anlagen sind noch heute in der Kulturlandschaft des Hellentals erkennbar.

Das „Fleuen“ war eine ökologisch verträgliche Form der Landbewirtschaftung.

Bei der künstlichen Hangbewässerung wurde vormals während der Bewässerungsperiode Oberflächenwasser von einer möglichst hohen Stelle im Tal von einem Zuflussgraben aus über quer verlaufende Verteilungsgräben in Bewässerungsrinnen geleitet, die parallel zu den Höhenlinien streng horizontal angelegt waren.

Technische Bauwerke waren hierbei Schieber und Gräben, die durch schwere Handarbeit regelmäßig gewartet und gesäubert wurden.

Der Betrieb der Bewässerungssysteme ergab oftmals Probleme, die nicht mehr nur durch Absprachen der einzelnen kleinbäuerlichen Wiesennutzer untereinander gelöst werden konnten.

Reste umfangreicher Kunst- oder Wässerwiesen befinden sich beispielsweise auch im südlichen Saarland, in der Nähe des Kurortes Weiskirchen.

Noch bis in die 1940er Jahre hinein erfolgte auch in Hellental die Flößwiesennutzung, wobei bei natürlicher Hängigkeit Wiesen mit Hilfe von Quell- und Bachwasser über ein ausgeklügeltes Grabensystem gewässert und zugleich mineralisch gedüngt wurden (Wässer- oder Rieselwiesen).

Insbesondere waren hierzu die feinerde- und schwebstoffreichen Frühjahrshochwässer der zahlreichen Hangquellen und des Wiesenbaches Helle geeignet.

In den östlichen Hangbereichen, wo die Überschwemmungen der Helle oder das Wasser der zahlreichen Quellbäche beider Talhänge nicht hingelangte, wurden zur Bewässerung und Düngung der schmalen Grünflächenstreifen mehrere quer zum Hang verlaufende Stauwerke mit Leitgräben („Fleue-Gräben“ oder „Fleu-Gräben“) mit wenig Gefälle angelegt.

Dort, wo es hydraulisch möglich war, wurde das Bachwasser hangwärts in die langgestreckten Leitgräben geleitet und mittels einer Reihe von Kerbungen in den kleinen Berieselungsgräben oder -rinnen („Flütten“) durch "Herabrieseln über die unten hängenden Wiesen vielfältig verteilt".[3]

Kleinere Dämme oder Buntsandsteinplatten dienten zum Umleiten des Wassers. 

 

 

Ehemaliges Stauwehr im oberen Hellental - Relikte einer Sandsteinsetzung und eines Dammes zum Umleiten des Wassers aus der Helle

oben: Hauptzuleiter für den Bewässerungsgraben  │  unten: Bachlauf der Helle

April 2006 │ April 2008

 

Wiesenbewässerung durch „Fleuen“ oder „Flößen“ im Hellental

Das „Fleuen“, wie es noch heute in der älteren Generation von Hellental bezeichnet wird, ging zudem mit einer natürlichen organisch-mineralischen Düngung durch die Sedimentation der im Wasser enthaltenen Nährstoffe einher.

Hierzu wurden von Bauern im Solling vielfach regelrechte Bewässerungssysteme in den Wiesentälern angelegt und teilweise noch bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges (um 1939) genutzt.[2]

Darüber hinaus konnten durch das „Fleuen“ zu Beginn des Frühjahrs (im März) der noch vorhandene Schnee auf den Feldern und Hangwiesen zeitiger wegtaut werden.

Nach der Frostperiode war das Quellwasser wärmer als der Boden und somit erwärmte das „Fleuen“ den Boden früher, so dass hierdurch auch die Vegetationsperiode teilweise 14 Tage früher einsetzen konnte.

Das „Fleuen“ mit Sollingwässer erbrachte in der Summe letztlich vermehrt Grünfutter für die ohnehin geringe Viehhaltung, da durch diese Form der Wiesenbewässerung eine zweite Mahd zur Viehversorgung ermöglicht wurde.

Wie vielerorts, so wurden früher auch um Heinade und insbesondere im Hellental für das künstliche Rieselbewässern und Düngen von Hangwiesen mehrere quer zum Hang verlaufende Stauwerke, Dämme und Leitgräben mit wenig Gefälle angelegt oder umgeleitet („Fleuegräben“).

Bei der Hangbewässerung der schmalen Grünflächenstreifen wurde vormals im Hellental während der Bewässerungsperiode Oberflächenwasser von einer möglichst hohen Stelle im Tal von einem Zuflussgraben aus über quer verlaufende Verteilungsgräben in Bewässerungsrinnen geleitet, die parallel zu den Höhenlinien streng horizontal angelegt waren.

Zur natürlichen mineralischen Düngung waren insbesondere die feinerde- und schwebstoffreichen Frühjahrshochwässer der zahlreichen Hangquellen und des Wiesenbaches Helle geeignet.

Das „Fleuen“ war für Bauern wie für Kleinstellenbesitzer stets ein mühseliges Unterfangen.

In dörflicher Gemeinschaftsarbeit wurden die zahlreichen Fleuegräben kunstvoll angelegt.

Um immer wieder aufkommenden Streitigkeiten zu begegnen, wurde in „Fleue-Ordnungen“ genau festgelegt, wer an welchen Tagen wie lange „fleuen“, d.h. seine Wiese bewässern durfte.

Oftmals bestand bei erhöhtem sozio-ökonomischen Druck auch die eine oder andere Neigung im Dorf, „dem anderen das Wasser abzugraben“.

Als in den 1950er Jahren im Solling verstärkt Mineraldünger in der Landwirtschaft eingesetzt wurden, wurde die jahrhundertealte Wiesenkultur des „Fleuens“ allmählich unnötig und schließlich ganz aufgegeben.

Wenige Reste ehemaliger Rinnenstrukturen der wasserbaulichen „Fleue-Anlagen” sind noch heute an östlichen Hangwiesen des Hellentals gut erkennbar.

„Fleuen“ oder „Flößen“ nannte man diese Art der geregelten, künstlichen Bewässerung von Grünland, einhergehend mit natürlicher organisch-mineralischer Düngung.

Dies brachte vermehrt Grünfutter für die ohnehin wenige Viehhaltung (Kühe, Schafe, Ziegen).

Wie berichtet wurde, seien hierdurch bis zu zwei, ausnahmsweise auch drei Schnitte von Wiesen des „Hülsebruchs“ und des Nordwesthanges eingefahren worden.

 

Alte Handskizze (undatiert) der Bewässerungsführung (Fleuen) zu den dorfnnahen Wiesen mit ihren Besitzern in Hellental um 1911

Abbildung aus JÜRGENS [4]

 

Noch bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Wasser des Mühlenteiches, das der oberhalb liegenden, kräftig schüttenden Bergquelle entsprang, in offenen Gräben talwärts geleitet, um verzweigt in mehrere Fleue-Leitgräben (Flößgräben) oberhalb wie unterhalb der alten "Straße von Hellenthal nach Merxhausen" zu fließen.

Die zahlreich am Westhang in Hellental gelegenen Talwiesen wurden so - mit Abfluss in die Helle am Talgrund - über kleinere regulierbare Berieselungsgräben bewässert.

Heute ist durch die vollständige Verrohrung und den Anschluss an die zentrale Kanalisation der ursprüngliche talseitige Quellabfluss nicht mehr erkennbar, vermutlich einhergehend mit ökologischen Veränderungen in den Niederungen der Helle.

Die in den Häusern und Stallungen anfallende Jauche und den Mist wurde seinerzeit ausschließlich als Düngung für das spärliche Ackerland und für die kleinen Gärten genutzt.

Mineralischen Kunstdünger konnten sich ohnehin die armen gewerbetreibenden Dorfbewohner finanziell nicht leisten.

Da diese natürliche Form der Düngung kostenlos und daher auch sehr begehrt war, kam es bald zum Erlass regelrechter Flößeordnungen, da das bis dahin geltende Gewohnheitsrecht durch eine Vielzahl von Streitigkeiten unter den Wiesennachbarn nicht mehr aufrecht zu erhalten war.

Nach der Verkoppelung durfte ein Wieseninhaber nur an einem bestimmten, vorgegebenen Tag den Leitgraben zu seiner Wiese öffnen - in der Flößezeit vom Peterstag (22. Februar) bis zum 01. Mai. So wurden sukzessive alle der meist quer zum Talhang liegenden, schmalen Grünland-Parzellen tageweise beflößt und hierbei natürlich gedüngt.

Ab 1929 wurden die „Fleuerechte“ in das Wasserbuch eingetragen.

Den das Wachstum begünstigenden, künstlichen „Fleue“-Effekt finden man im Hellental vergleichsweise in den quelligen Feuchtwiesen, wo aus Bergquellen mehrere kleine Bäche das Pflanzenwachstum in dem von ihnen durchflossenen Bereich sichtlich beschleunigen und kräftigen; das Gras wird intensiver grün.

Diese Wachstumsbegünstigung hatte allerdings auch einen Nachteil, die Wiesen wurden teilweise wie guter Ackerboden besteuert.

In den Luftbildausschnitten von 1957 und noch heute kann man in Wiesen am östlichen Talhang („im Mackenschen“) des unteren Hellentals den langen geradlinig imponierenden Verlauf ehemaliger Leit- und Berieselungsgräben ansatzweise erkennen.

Wie der Autor von Führungen im Hellental weis, ist der aufmerksame Beobachter manchmal doch verwundert, dass er die Gräben als bergauf verlaufend wahrnimmt.

Tatsächlich handelt es sich dabei um eine so genannte optische Täuschung, da der Grabenverlauf nur ein sehr geringes Gefälle aufweist und das Hellental mit dem Wiesenweg dagegen aber viel steiler abfällt.

Die Anwendung künstlicher mineralischer Dünger wurde erst in den 1960er Jahren des letzten Jahrhunderts auch im Hellental üblich.

Die Helle verläuft nun wieder ganzjährig „ungestört“ im Talgrund; gedüngt wird, wenn überhaupt, nur noch extensiv mit handelsüblichem Mineraldünger.

 

1928: Vom ‘Fleuen’

Heinrich Sohnrey berichtete im September 1928 in seinem Solling-Werk „Tchiff tchaff, toho!“ anschaulich wie eindrucksvoll „Vom ‘Fleuen’“ (im Uslarer Raum) in jenen Jahren des beginnenden 20. Jahrhunderts:

"Wer zu Beginn des Frühlings“ - so schreibt Hauptlehrer Karl Jünemann zu Schönhagen in seinem hübschen Aufsatz [Anm.: Niedersachen 1921, Nr. 20] - „von der Kreisstadt Uslar aus dem Ahletale die Straße über Schönhagen nach Neuhaus hinaufzieht, wird überrascht durch den vorgeschrittenen Graswuchs, der von dem langgestreckten Wiesenteppich zur Rechten des Weges herüberleuchtet. In keinem anderen Gaue des lieben Hannoverlandes habe ich um Ostern herum das Gras auf den Wiesen derart entwickelt gesehen wie im schönen Sollingtale. Diesen Vorsprung vor dem allgemeinen Wachstum zeitigt der Sollingbewohner im Bunde mit der Natur durch seinen unübertrefflichen Fleiß. Tagtäglich wird den Winter über mit Grepe und Spaten, mit Hacke und Harke auf den Wiesen gearbeitet; sie werden vom Maulwurfs- und Ameisenhaufen gesäubert, das Ungeziefer wird nach Möglichkeit ferngehalten und das Wasser der Ahle und ihrer Nebenbäche in künstlichen „Fleue“-Gräben an die Wiesen herangeleitet. Kleine Rinnen, in der Mundart Flütten genannt, die auaf der Wiese selbst nach Bedarf immer wieder frisch gestochen werden, verteilen das heran geholte Wasser. Um letzteres zu zwingen, daß es die Wiese an allen Ecken und Flecken gehörig tränkt, müssen bald hier, bald da kleine Sandsteinplatten oder Bretter in die „Flütten“ [Anm.: Rinnen] gestellt, an andern Stellen kleine Dämme mit der Grebe wieder ausgehoben werden. Mit den erdenklichsten Mitteln und der eifrigsten Sorgfalt wird gearbeitet, bis die Grasnarbe regelrecht getränkt ist ...

Das „Fleuen“ oder Berieseln der Wiesen mit Bachwasser wird natürlich im Sollinge überall betrieben, ist aber auf den hochgelegenen Holzbergwiesen, wo das Wasser der Bergquellen oft große Schwierigkeit macht, erheblich mühseliger, als in den von stärkeren Bächlein durchschlängelten Untertälern.

Über die Flößerrechte gilt im Allgemeinen die alte Regel, daß das fließende Wasser von denjenigen Anliegern zunächst benutzt werden kann, denen es am ersten zufließt. Obwohl nun die kleinen Bächlein der Holzwiesen wenig düngerhaltende Stoffe mitführen, spielt sich um das Haben und Nichthaben des Wassers doch oft ein Kampf ab, der gewöhnlich heftige Erregungen mit sich bringt, nicht selten gar zu Feindschaften für das ganze Leben führt. ein helläugiger alter Sollinger sagte mir: Nächst den Wilderern sei das Wasserabgraben oder Abdämmen die größte Leidenschaft im Sollinge. Sie brächte unter Umständen die besten Freunde und Nachbarn auseinander.

Das Bächlein ist noch klein und dürftig, oft kaum einen Schritt breit; und nur einer von den Wiesenanliegern kann „fleuen“, wenn es Art haben soll. Da kommt Kreike nach dem Jägeranger, und sieht, daß sein Nachbar Sauer das Wasser allein hat, und das Sauer sich gerade noch auf der Wiese befindet, legt Kreike sich in den Busch und wartet, bis Sauer weg ist. Kaum ist der außer Sichtweite, so macht Kreike sich eiligst daran, ihm das kostbare Wasser abzulassen. Er lacht sich ins Fäustchen und denkt: Diese Nacht behälst du sich das Wasser.

Eben hat Ackermann Kreike den Heimweg angetreten, da kriecht Vollkötner Klages aus dem Busche und läßt Kreike das Wasser ab. Und nach Klages kommt Schuster Pape aus dem Graben und vielleicht noch mancher mehr, so daß der eine nicht nur von dem andern betrogen, sondern auch nach Gebühr und Gerechtigkeit bestraft wird...

In den Untertälern, wo die Bäche schon stärker sind und ein Aufdämmen des Wassers mit Schwierigkeiten verknüpft sein würde, sind überall Stauanlagen in die Bachläufe gebaut, die natürlich nicht unerhebliche Kosten verursachen. Der Grund und Boden an der betreffenden Stelle muß gewöhnlich mit Buchenbohlen ausgerammt werden, auf die mit breiten Flügeln versehene Kasten von Sandsteinquadern kommen. Je nach Größe des Staues finden sich in dem querliegenden Grundbaume und dem ebenfalls quer liegenden Schlotbaume oben ein bis fünf Sprossen eingezimmert, die den einzelnen Schütten den Rückhalt geben müssen. einige der durch Umbau erneuerten Anlagen sind mit eisernem Windwerk versehen, um das Auf- und Niederlassen der Schütte leichter bewerkstelligen zu können.

Diese Anlagen und die entsprechenden Fleueberechtigungen haben natürlich einen großen Wert, einen größeren jedenfalls, als die Quellen der Holzbergwiesen. Ist doch durch diese Stauanlagen der Landwirt in die Lage gesetzt, den durch Regengüsse von den beackerten Berghängen herunter geschwemmten Schlammboden wieder auf die Wiesen zu schwemmen, somit die Kosten für anderen Dünger zu sparen. Nicht zu vergessen, daß er in trockenen Jahren und Jahreszeiten seine Wiesen immer feucht zu halten vermag, wodurch die Dürre für den Bauern im Sollinge weniger empfindlich wird, als in anderen Gegenden.

Gerade dies Berieseln bei der Dürre und im Sommer zwischen der Heu- und Grummeternte hat immer wieder Anlaß zu Streitigkeiten unter den Wiesennachbarn gegeben...

Die alte Flössezeit sollte vom Peterstag (22. Februar) bis 1. Mai dauern. Nach der Verkoppelung wurde wurde das Flösserecht so geregelt, daß jeder Wiesenbesitzer seinen bestimmten Tag hatte.

Eine besondere Polizeiverordnung des Landrats von Uslar vom 14. November 1913 sucht das Fleuen noch in folgender Weise zu regeln:

1. Bei Frostwetter ist das Bewässern der Wiesen verboten. Beim Eintritt von Frostwetter muß sofort Fürsorge getroffen werden, daß ein Austritt des Wassers auf die Wiesen verhindert wird.

2. Zuwiderhandlungen gegen dies Vorschriften dieser Polizeiverordnung werden in jedem Einzelfalle mit Geldstrafe bis zu 30 Mark, im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft bestraft.

Bei alledem ist jedoch nicht anzunehmen, daß man sich so streng an die gesetzte Zeit hält. Jedenfalls weiß ich von Eschershausen, daß in der dortigen „Grund“, dem größten und eigenartigsten Wiesental des Sollings, so ziemlich das ganze Jahr gefleut wird...

Übrigens gehe es so schlimm wie in früheren Jahren heute beim Fleuen nicht mehr zu ... Es würde jetzt mehr gedüngt, hauptsächlich mit künstlichem Dünger, und das Futter hätte darum einen ganz anderen Wert. Früher freilich wäre für die Wiesen kein anderer Dünger dagewesen wie das Wasser... Schließlich wäre noch zu bemerken, daß bis zum 31. März 1929 sämtliche Fleuerechte ins Wasserbuch eingetragen sein müssen. Ob danach nun volle Ordnung und Harmonie auf den schönen Sollingswiesen eintreten wird?"

 

 

Text & Fotografien: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] Eine wissenschaftliche Untersuchung zur Wiesenbewässerung in Nordwestdeutschland findet sich bei HOPPE 2002. 

[2] LICHTENHAHN 2005, S. 5.

[3] SCHUSTER 1864.

[4] JÜRGENS, A.: Dorferneuerungsplan Hellental 1994/95. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Heinade und dem Arbeitskreis für Dorferneuerung in Hellental. Hildesheim/Hellental 1995. Bild 24.