BACKRÄUME │ Neues Brot

Klaus A.E. Weber

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© Historisches Museum Hellental, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

▷ Sammlungsausstellung ❶ - ❹

     ∎ Das Symbol kennzeichnet Ausstellungsobjekte im HISTORISCHEN MUSEUM HELLENTAL

▷ [hmh MuseumSpecial »Brot & Bier«

 

Das alte Dorfbackhaus - das heutige Museum im Backhaus als Ausstellungshaus des HISTORISCHEN MUSEUMS HELLENTAL und dessen "erstes Exponat" - gehörte einst der kommunal selbständigen Hellentaler Dorfgemeinschaft und ist noch heute in kommunalem Eigentum der Gemeinde Heinade.

Die Ausstellung zeigt in kompakter Präsentation, wie unter der landesväterlichen Regentschaft des aufgeklärten Herzogs Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern (1713-1780) am 04. Juli 1744 gemäß landesherrlicher Verordnung die Anlegung besonderer Gemeinde-Backhäuser verpflichtend angeordnet wurde, um Bau- und Brennholz einzusparen und dem "bisherigen Holz-Verderb" entgegen zu wirken.

 

"Anzulegende Gemeinde-Backhäuser"

Wolfenbüttel, 17. Juni 1745 - Backofenanlage im Schloss Salzdahlum

 

"Bey jeglicher Gemeinde ein Back-Haus mitten im Dorfe"

Die Vorgabe zur "ansehnlichen Holz-Ersparung" und "Abwendung der Feuersgefahr" im Weserdistrikt flächendeckend "bey jeglicher Gemeinde ein Back-Haus" zu errichten, ist auf die Verordnung des Herzogs Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel von 1744 zurück zu führen.

Zentrale Gemeinde-Backhäuser infolge der herzoglichen Verordnung vom Juli 1744 zur "ansehnlichen Holz-Ersparung".

Durch diese Verordnung gab Herzog  Carl I. seinen "getreuen Unterthanen" im Weserdistrikt verpflichtend vor, in den Dörfern "Gemeinde Back-Häuser" zu errichten.

Um dem "bisherigen Holz-Verderb" entgegen zu wirken, ordnete Herzog Carl I. das Abschaffen aller Privatbacköfen und die Anlegung besonderer "Gemeinde Back-Häuser" oder von "Gemeinde-Back-Oefen" genormter Structur  und vorbeschriebenen Maasse an.

Die energiewirtschaftliche Bilanzierung der "Fürstlichen Cammer" in Braunschweig galt hierbei der Schonung des Holzes herzoglicher Waldungen - neben dem Wasser die wichtigste Energieressource jener Zeit.

Im Dezember 1772 folgte schließlich eine weitere herzogliche Verordnung zur "gehörigen Einrichtung der Gemeinde=Backöfen".

Ein solches zentrales Dorfbackhaus ist das Gemeinde-Backhaus in Hellental.

Im Sinne der herzoglichen Verordnung befindet sich der schlichte Fachwerkbau freistehend in der Dorfmitte, oberhalb des alten Mühlenteiches.

Der vor diesem Verordnungshintergrund um 1828 beim Neubau des Hellentaler Gemeinde-Backhauses errichtete und bis um 1900 betriebene Steinbackofen ist ein typischer bäuerlicher Backofen.

Dessen Konstruktion entspricht dem aus dem Mittelalter übernommenen Backofenbau mit direkter Backinnenraumbefeuerung, wie ihn der Lehmbackofen in der Rekonstruktion eines Mittelalterhauses der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts der Stadtwüstung Nienover darstellt.


Brotbacken im Lehmbackofen in der Rekonstruktion eines Mittelalterhauses │ 1. Hälfte 13. Jahrhundert

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Der Museumsbesuch lässt anschaulich nachvollziehen, weshalb der aus Brandschutzgründen freistehende Fachwerkbau mit seinem direkt innen befeuerten Gewölbebackofen ein wertvolles Zeugnis eigener dörflicher Kultur im ehemals braunschweigischen Solling darstellt.

 

Eindeckung des Dachtragewerkes des alten Gemeinde-Backhauses

  • mit Buntsandstein-Dachplatten
  • witterungsbeständige Solling-Sandsteine
  • verpflichtend aus Gründen von "Feuer=Gefährlichkeiten"


Ein besonderes museales Highlight ist, wenn an ausgewählten, öffentlich bekannt gegebenen Backtagen der „Museumsbäcker“ früh den großen Museumsbackofen - einem wertvollen Zeugnis jahrhundertealter Handwerkskunst und dörflicher Kultur - im historischen Gemeindebackhaus aufheizt, um dann mit seinem Hobby-Backteam aus dem Mehl regionaler Getreidesorten Brote mit besonderem Geschmack und unverkennbar feinem Aroma - aufgrund des "Holzbackofeneffektes" - Hellentaler Brote zu backen.

Hierbei kann man die Phasen traditionellen Brotbackens erleben:

  • Aufheizen

  • Ausräumen

  • Einschießen

  • Ausschießen.

Neben der Vorliebe zum traditionellen Brotbacken spielt die Backgemeinschaft und das Zusammenarbeiten am Backofen eine wichtige Rolle.

 

Bäckerei Kühne │ Einbeck │ Dezember 2006

∎ DVD-Video │ Ehemalige Einbecker Bäckerei [3]


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[1] nach HAHNE 1972.

[2] Angaben in Himpten  ⃒  1 Himpten = ca. 31 l.

[3] Video-Aufnahme von Henning Rohlf, Einbeck.