Serenissimus Dux, Durchlaucht Carolus der Erste

Klaus A.E. Weber

 

Fürst│Staatsmann│aufgeklärter Landesherr│Landesvater│Oberhaupt einer großen Familie

- Regierungszeit: 1735–1780


Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel, um 1735

Museum Schloss Fürstenberg

 

Am 01. August 1713 wurde Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel in Braunschweig geboren; als erstes von 14 Kindern

  • des in Bevern geborenen Herzogs Ferdinand Albrecht II. (1680-1735), Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel - aus der Linie Braunschweig-Lüneburg-Bevern
  • und der Herzogin Antoinette Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel (1696-1762), der jüngsten Tochter von Herzog Ludwig Rudolph von Braunschweig-Wolfenbüttel (1671-1735).

Herzog Carl I. entstammt somit einer welfischen Nebenlinie - dem Hause Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel-Bevern - und regierte 1735-1780 das Fürstentum Braunschweig-Lüneburg Wolfenbüttelschen Teils.

Als sein Vater Herzog Ferdinand Albrecht II. 1735 verstarb, wurde er Herzog.

Als Erbprinz von Braunschweig-Lüneburg war Carl seit 1733 mit Philippine Charlotte von Preußen, genannt "Lottine" (1716-1801), der Schwester von Friedrich II. (Friedrich der Große, 1712-1786), verheiratet.[3]

Im "politischen Gegenzug" wurde 1733 Carls Schwester Elisabeth Christine (1715-1797) die Gattin des Preußenkönigs Friedrich II.

Die relativ lange Regierungszeit von Herzog Carl I. prägte das Braunschweiger Land - bis heute.

Neben der Verbesserung der landwirtschaftlichen Ertragsfähigkeit durch eine rationellere Landwirtschaft trieb Herzog Carl I. die Gewerbe- und Forstwirtschaft voran, wobei u.a. auch die Anordnung von Gebäuden und Gärten durch eine systematisch-planerische Geometrie ersetzt wurde.[4]

Herzog Carl I. gründete

  • das Fürstliche Leihhaus (heute Norddeutsche Landesbank),
  • die Brandversicherungsanstalt (heute Öffentliche Versicherung) und
  • das Collegium Carolinum (heute TU Braunschweig).

Aus dem von Carl eingerichteten Herzoglichen Kunst- und Naturalienkabinett gingen das Staatliche Naturhistorische Museum und das Herzog Anton Ulrich-Museum hervor.

Die Porzellanmanufaktur Fürstenberg und die Lackwarenfabrik Stobwasser verdanken ihre Entstehung der Förderung, die der Herzog dem Manufakturwesen angedeihen ließ.

 

An der Schwelle einer neuen Zeit

Herzog Carl I. zu Braunschweig und Lüneburg │ Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel 

Herzog Carl I. gilt als typischer Vertreter des aufgeklärten Absolutismus.

Aufgewachsen in der Tradition barocker Hofhaltung und Staatsführung, war er doch aufgeschlossen für die Ideen der Aufklärung [2] und des Merkantilismus, nach dem sich der Staat als Unternehmer begreift.

Seine Politik war geleitet vom intensiven Bestreben, in seinem Herrschaftsgebiet die Kultur und die Wirtschaft zu fördern sowie die Infrastuktur, Verwaltung und Bildung zu verbessern.

 

Herzog Carls Gemahlin Philippine Charlotte von Preußen (1716-1801)

Museum Schloss Fürstenberg


Das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel als Musterstaat

Ende des 18. Jahrhunderts galt das Herzogtum als Musterstaat:

Braunschweigs Hof wurde als prächtig gerühmt, die Verwaltung als eine der besten, die Einwohner als wohlhabend.

Trotz der hohen Verschuldung des Landes zählte Carl I. zu den beliebtesten Herrschern seiner Zeit.

Maßgeblichen Anteil daran hatten Carls Sohn Carl Wilhelm Ferdinand (1735-1806), der schon früh zum Mitregenten berufen wurde, sowie eine Reihe kluger Köpfe, die Herzog und Erbprinz an ihren Hof beriefen.

 

Elisabeth Christine (1715-1797)  -  Königin von Preußen, um 1740

Öl auf Leinwand von Antoine Pesne (1683-1757)

Schloss Gottorf (Schleswig) - Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte (Inv.-Nr. 1969/1265)

 

Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel (1715-1797) - Schwester von Carl I.

Die Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel war auch die Schwester von Juliane Marie von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern (1729-1796), Königin von Dänemark und Norwegen.

Zugleich war Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel die Nichte der „Ersten Dame Europas“, von Maria Theresia von Österreich (1717-1780).

1733 wurde Elisabeth Christine die eher glücklose Gemahlin des preußischen Königs Friedrich II. │ Friedrich der Große (1712-1786).

 

Kluge Köpfe prägen die Politik

Großen Einfluss auf die Bildungspolitik nahm der aufklärerische Theologe und Philosoph Abt Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem.

Als Bibliothekar in Wolfenbüttel wurde Gotthold Ephraim Lessing berufen; bedeutende Literaten wirkten als Professoren am innovativen Collegium Carolinum.

Braunschweig galt als kulturelles Zentrum des Theaters, der Literatur und der philanthropischen Erziehungsbewegung.

Unter der Leitung von Johann Georg von Langen wurden die braunschweigischen Weserforsten nach modernen Prinzipen nachhaltiger Forstwirtschaft bewirtschaftet und Industriebtriebe wie

  • die Eisenhütte in Delligsen,

angesiedelt.

Für die zahlreichen Verwaltungs- und Sozialreformen sind die Bildung eines Finanzkollegiums, eines Kriegskollegiums, eines Collegium Medicum sowie einer Witwen- und Waisenkasse nur einige Beispiele.

1753 richtete Carl I. eine Brandversicherung ein, wenig später, 1765, eine Bank.

1746 ließ Herzog Carl I. eine "Generallandesvermessungskommission" einrichten, die jahrzehntelang tätig war und 1784 aufgelöst wurde.

Aus der Durchführung dieser Generallandesvermessung als Grundlage für das Ergreifen politischer Maßnahmen spricht der Geist der Aufklärung.

 

Mut zur Innovation und zu Fehlern

Doch es waren auch schwierige Zeiten, in denen Carl und sein Sohn ihr Fürstentum lenken mussten.

Der Siebenjährige Krieg (1756-1763), in dem Braunschweig an der Seite Preußens stand, trieb die ererbte und durch üppige Hofhaltung angewachsene Staatsverschuldung weiter in die Höhe.

Zur Aufbesserung der Staatskasse zogen Braunschweigische Söldner auf Seiten der Engländer in die nordamerikanischen Freiheitskriege.

Teils wegen halbherziger Umsetzung und teils wegen politischer Widerstände erwiesen sich manche Projekte des Herzogs – wie etwa die Seidenraupenzucht - als Fehlschläge, oder aber sie zeigten erst auf lange Sicht betrachtet Erfolg.

So galt Carl I. den Geschichtsschreibern zunächst als Verschwender, dann aber zunehmend auch als Reformer, der sein Land in eine neue Zeit führen wollte.

Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel verstarb am 28. März 1780 in Braunschweig.

 

Ruhestätte von Herzog Carl I. (19) und Philippine Charlotte (18)

Braunschweiger Dom St. Blasii

Fürstengrablege der Welfen in der Krypta der romanischen Unterkirche
 

 

CARL300 - Das „Carlsjahr“ 2013

Anlässlich des 300. „Geburtstags“ von Herzog Carl I. am 1. August 2013 erinnerten während des ganzen Jahres an verschiedenen Orten von Braunschweig und Wolfenbüttel bis Fürstenberg und Bevern Ausstellungen, Veranstaltungen und Forschungsprojekte an den Herzog und sein Wirken.

Zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen zeichneten 2013 ein facettenreiches Bild des Herzogs und seiner Epoche (Museen, historische Einrichtungen, kulturelle und wissenschaftliche Veranstaltungspartner).

Zu den Veranstaltern zählten u.a. das Museum im Schloss Fürstenberg, das Kulturzentrum Schloss Bevern, das Städtische Museum Braunschweig, das Herzog Anton Ulrich-Museum, das Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte und die TU Braunschweig, der Braunschweigische Geschichtsverein, das Schlossmuseum in Braunschweig, der Braunschweiger Dom, die Klosterkirche Riddagshausen, die Niedersächsischen Landesforsten, die Historische Kommission für Niedersachsen, der Heimat- und Geschichtsverein Holzminden, die Porzellanmanufaktur Fürstenberg und der Heimat- und Geschichtsverein für Heinade-Hellental-Merxhausen u.v.m.

Stiftung Residenzschloss Braunschweig │ Anne-Kristin Rullmann

 

 

Text & Fotografien: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

 


[1] Die "Porzellanmanufaktur Fürstenberg" besitzt die ältesten, noch im Originalzustand erhaltenen Porzellanbrennöfen Europas mit „Produktionsspuren“ aus den Versuchsöfen von 1747. Der erste in Fürstenberg dokumentierte Porzellanbrand fand im Januar 1750 statt.

[2] vergl. Aufsatz "Das grße Krabbeln" von JÄHNER 2016.

[3] Die Schwester von Carl I., Elisabeth Christine (1715-1797), war ab 1733 Gemahlin von Friedrich II. und wurde dadurch zur Königin von Preußen.

[4] GÖHMANN 1991, S. 37-38.

[5] GÖHMANN 1991, S. 59.

[6] KLEINWÄCHTER 2004, S. 32 ff.

[7] KRAATZ 1975.