Fritz Rodbarth 1950-1958

Klaus A.E. Weber │ Christel M. Schulz-Weber

 

Fritz Rodbarth

  • Geboren am 26. April 1900 in Berlin

  • Lehrer in Adamsdorf, Kreis Soldin, Neumark-Brandenburg: bis Beginn Zweiter Weltkrieg 1939

  • Englische Kriegsgefangenschaft: 1945 – Entlassung im April 1947

  • Berufsfremde Tätigkeit: bis Dezember 1949

  • Dienstantritt als Flüchtlingslehrer und Schulleiter in Hellental: 18. April 1950

  • Dienstende in Hellental: 01. April 1958

 

Sein Bericht [1]

„Herr Lehrer Bernhard Lehmann wurde zum 1.4.50 als Hauptlehrer nach Golmbach versetzt.

Am 18. April 1950 kam ich, Fritz Rodbarth, geb. 26.4.1900 in Berlin, als Lehrer und Schulleiter nach hier.

Ich bin Flüchtlingslehrer und war bis Ausbruch des 2. Weltkrieges Lehrer in Adamsdorf, Kreis Soldin, Neumark-Brandenburg.

Im April 1947 wurde ich aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen und war bis Dezember 1949 berufsfremd tätig.

Nach elfjähriger Trennung fand ich in Hellental eine gemeinsame Bleibe.

Bekleidung und Hausstand mußten neu angeschafft werden.

Da waren allein 7 Fenster an der Straßenfront mit Gardinen zu versehen.

Als Monate vergingen und die Fenster immer noch ohne Schmuck waren, da war die öffentliche Meinung im Dorf geteilt.

Vom Haushalt des Dorflehrers erwartet man, daß er in seinem Geldwert über dem dorfüblichen Niveau zu liegen hat.

Übrigens ist die wirtschaftliche Lage der Dorfeingessenen gut, während die Finanzlage der Gemeinde ohne Unterstützung aus Mitteln des Landkreises nicht zu balancieren ist.

Vielleicht ist die Aussicht auf Zuschüsse mitbestimmend, daß bisher die Gemeinde bei der Aufstellung des Schuletats nicht kleinlich war.

So wurden 1952 u. 1953 24 Zweisitzertische und 48 Schülerstühle angeschafft.

Die Schülerzahl ist von 96 - Ostern 1950 - auf 47 Kinder - Ostern 1955 - gesunken.

Die Umsiedlung kinderreicher Flüchtlingsfamilien war 1954 besonders spürbar.

1953 wurde der Dorfplatz im Rahmen der Selbsthilfe in Ordnung gebracht.

Die Schule beteiligte sich nicht unerheblich.

Die Kinder pflanzten Bäume, übernahmen die Pflege und belegten die zubereitete Erde stellenweise mit Grasboden.

Diese nicht leichte Arbeit der Kinder fand ihre Anerkennung; Hellental erhielt 1954 im Kreiswettbewerb Dorfverschönerung einen Preis.

Im Mai 1954 hielt der Sollingverein seine Jahreshauptversammlung hier in Hellental ab.

Die Schule sang Lönslieder und trug Gedichte vor.

Ich durfte über den Werdegang unseres Dorfes sprechen.

Als Gründungsjahr ist 1717 bestimmt nicht zu früh angesetzt.

In den Weihnachtstagen 1954 erhielt ich die Benachrichtigung, daß das Gründungsjahr mit großer Wahrscheinlichkeit auf das Jahr 1624 zu legen ist.

Im Sommer 1955 verschlechterte sich mein Gesundheitszustand bedenklich und nach Angina pectoris, verbunden mit Herz- und Kreislaufstörung, war eine Kurbehandlung in der Zeit vom 9.-29.9.1955 im Bad Braunlage/Harz notwendig.

Die schulische Vertretung übernahm Frau A. Themsfeld.

Durch Umsiedlung und Familienzusammenführung erfolgte in den Jahren 1955 und 1956 ein relativ starker Fortzug von Flüchtlingsfamilien, der die Schülerzahl auf 46 Kinder herabsinken ließ.

Die Folge hiervon war, daß die Schule ab 1.11.1955 einklassig wurde.

Frau Annemarie Themsfeld wurde nach Bevern versetzt und die Dienstwohnung wurde am 1.5.1956 frei.

In die Dienstwohnung zog die Familie Paul Fuchs, weil die Ehefrau die Schulreinigung übernommen hatte.

Im Herbst 1956 schreckte Feueralarm um Mitternacht das Dorf auf.

Die Scheune vom Lönskrug brannte.

Amtlich wurde Selbstentzündung von Heu als Ursache festgestellt.

Im Dorf gingen Gerüchte über Brandstiftung um.

Am Pfingstmorgen 1957 erschreckte wieder Feueralarm das Dorf.

Die Werkstätte von Leßmann brannte.

Das Feuer konnte bald gelöscht werden.

Die Gerüchte über Brandstiftung lebten neu und verstärkt auf.

Am 3. August 1957 brannte um Mitternacht das Wohnhaus Krüger.

Nach wenigen Tagen wurde der 22 jährige Waldarbeiter Otto Greinert wegen vorsätzlicher Brandstiftung in das Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert.

Seine Schwester ging im achten Jahr zur Schule.

Die Mitschüler waren sehr verständig und übergingen ohne Neugier und Anspielungen das Mißgeschick der Heidi.

1957 erhielt das  Schulhaus einen neuen Außenanstrich.

Meine Gesundheit verschlechterte sich immer mehr, daß ich wegen Schwäche meiner körperlichen Kräfte meine Versetzung in den Ruhestand zum 1.4.1958 beantragte.

Die Vertretung übernahm Herr Lehrer Mannsfeld aus Merxhausen.“

 

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[1] NLA WO, 99 N 691.