Buchenholz der Forst für die Glashütten

Klaus A.E. Weber

 

Forst Merxhausen um 1745

NLA WO, 92 Neu F Nr. 501

 

Holz war eine der wichtigsten Ressourcen für die Herstellung von Glas und Porzellan im 18. Jahrhundert, so dass der dauerhafte Betrieb der Manufakturen eine ausreichende Verfügbarkeit mit Brennholz voraussetzte.

Bei immens hohem Holzbedarf mussten die Forsten des Sollings nachhaltig bewirtschaftet werden.

 

Buchenstammholz

 "Bucherne Scheide"

Die Einführung einer planmäßigen Forstwirtschaft und das Anlegen von Transportwegen für das in abgelegenen Revieren eingeschlagene Holz waren für das dauerhafte Betreiben der Glashütte in Schorborn wesentliche Voraussetzungen.

So erlaubten die relativ früh von Johann Georg von Langen (1699-1776) systematisch und nachhaltig in dem großen Waldgebiet des Sollings eingeführte Forstwirtschaft wie auch die von der herzoglichen Kammer moderat gehaltenen Holzpreise (Forstzins) zunächst eine ausreichend verfügbare Holzmenge und damit die Sicherstellung der betrieblichen Versorgung mit Brennholz.

Die Kosten für die sytematischen Holzeinschläge, die Hauung in nahen oder fernen "Heyen", den Abtransport des Holzes (vornehmlich Buchenholz)  und die Anlage von Holzwegen trugen noch um 1767 die Hüttenpächter selbst.

Hierdurch entstanden letztlich außerordentlich hohe Transportkosten.

Wie TACKE [6] ausführte, wurde "die 3. Hauung des 1. Hauptteils Merxhäuser Forst südlich von Schorborn an der Einbecker Heerstraße ... bis 1949 für die Schorborner Glashütte abgekohlt".

"In diesem Teil" sei "auf einem vorher abgetriebenen Hei in anno 1745 eine Eichenplantage angelegt, 1746, 47, 48 continuiret und, da sie gut verblieben, auch fernerweit damit fortgefahren".

Dabei waren die anliegenden Dörfer Deensen, Braak, Heinade und Arholzen in jenen Jahren gehalten, die Kulturarbeiten frei zu verrichten.

 

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Forstzins 1787

für das der Glashütte von der Fürstlichen Kammer zugebilligte Holzquantum

Der bisherigen Forstzins-Vergütung entsprach der bei Abschluss des zweiten Pachtvertrages am 27. November 1767 mit dem Revisor Georg Christoph Seebaß (1734-1806) vereinbarte Forstzins für Buchen-, Birken- und Eichenhol (1 Klafter = 3,5 m³):[4]

  • 1 Klafter 6 füß. buchene Scheide á 216 cf. 18 mg.

  • 1 Klafter 5 füß. buchene Scheide á 180 ct. 16 mg.

  • 1 Klafter 6 füß. birken Scheide á 216 cf. 12 mg.

  • 1 Klafter 5 füß. birken Scheide á 180 cf. 1ß mg.

  • 1 Klafter 3 füß. buchene Scheide á 108 cf. 9 mg.

  • 1 Klafter 2 1/2 füß. buchene Schörh. á 90 cf. 7 mg.

  • 1 Klafter 2 1/2 füß. birken Schörh. á 90 cf. 5 mg.

  • 1 Klafter 2 1/2 füß. eichen Schörh. á 90 cf. 6 mg.

 

Altkolorierte lithografierte Forstkarte (Forstgebiet bei Merxhausen) mit den Haubereichen um 1860

graviert von W. RÄGER in Braunschweig, gedruckt bei WERTH

HISTORISCHES MUSEUM HELLENTAL

 

Das Holz für die "Sollinghütten" kam nach BLOSS [1] zur

Schorborner "weißen Hütte":

  • aus dem Falle, Breitensalm, Finkenbruch, Dunkelholz-Hey, Baltram, Rohbruch, obere Sonnenköpfe

  • untere Sonnenköpfe, Hasseln, Wildstall, Halbe Steinlade

  • Ahrensberg, Hundebruch, Haariesfeld aus Holzmindener Forst

Pilgrims "grünen Hütte":

  • von Pilgrimsköpfen und Höxschen Holze

  • von Buchholz, Steinlade, Rephey und Heidelbrink

  • von Hellenthaler Wege, Hülsebruch und Kohlenbrink

Wie der für die zugebilligte Holzmenge festgesetzte Forstzins erkennen lässt, wurden von der Glashütte vor allem Buchenholz ("bucherne Scheide"), aber auch Birken- und Eichenholz eingesetzt.[4]

Der Abfall aus "Braakenholz" sollte zur Herstellung von Pottasche genutzt werden.

So habe der braunschweigische Hof-Jägermeister v. Langen bei seinem forstwirtschaftlichen und forstwissenschaftlichen Wirken zur Mitte des 18. Jahrhunderts nach TACKE [9] ausgeführt, habe dieser im Rahmen seiner beabsichtigten Stangenholzwirtschaft allgemein vorgeschrieben, "die verbissenen Lohden müssen dicht über der Erde abgehauen werden, um die Stämme zu erfrischen.

Die gehauenen Loden können zu Asche (Pottasche) verbrannt werden".

 

Der alte Schlendrian herrschte ärger als je

Nur wenig Jahre nach dem Ausscheiden von Johann Georg v. Langen aus den herzoglich-braunschweigischen Diensten im Jahr 1763 erlitt sein forstwirtschaftliches Wirken einen schweren Rückschlag - „der alte Schlendrian herrschte ärger als je“.

Wie TACKE [10] ausführte, konnten nach einer Denkschrift des Kammerrats von Heinemann 1786 der Revierförster der Merxhäuser Forst und der Pächter der Sollingglashütten, Seebaß, die „immer schlimmer überhand nehmende Holzdieberei nicht genug beschreiben.

Der Amtsrat Wackerhagen und der Oberförster Grotrian stimmten damit überein.

Er selbst habe gesehen, daß ein Bauer mit seinem vierspännigen Wagen voll gestohlener Buchen heister, an denen zum Teil noch das Laub saß, über Schorborn den Weg nach Deensen nahm.

Auf den Touren nach den Glashütten habe er Diebesstämme in unzähliger Menge gesehen, die 3 bis 4  Fuß über der Erde abgehauen waren.

Die Ursache dieser enormen Holzdieberei solle darin liegen, daß der Revierforstbediente, der Förster Langhele und der Jäger Lüders, beide an den Enden ihrer Forst wohnten, mithin das andere Ende nicht so oft, als es hier nötig wäre, begehen und in Aufsicht haben könnten, überdies solle letzterer taub sein, mithin nicht hören können, was in seiner Forst vorgehe“.

 

Holzbedarf 1814

Nach den Angaben des Hüttenpächters Friedrich Christian Wener Seebaß (1769-1843) vom 10. September 1814 bestanden für die drei "Sollinghütten" folgende Holzbedarfe [5]:

 

Schorborner Hütte - "gebrauchte bei bloßem Holzfeuer"

  • 150 Klafter 5 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 250 Klafter 3 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 240 Klafter "Schörholz"

 

Pilgrimer Hütte - "verbrauchte in 40 Wochen vollen Betriebes"

  • 360 Klafter 5 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 600 Klafter 3 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 720 Klafter "Schörholz"

 

Torfhütte im Mecklenbruch - "benötigte in 20 Wochen bei gemischtem Holz-Torffeuer"

  • 60 Klafter 5 füß. "Scheitholz"

  • 100 Klafter 3 füß. "Scheitholz"

  • 100 Klafter "Schörholz"

 

Mühlenberg - Holzbedarf

  • 270 Klafter 5 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 660 Klafter 3 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 550 Klafter "Schörholz"

 

Holzbedarf & Holzbudgetierung 1814

Insgesamt belief sich der jährliche Holzbedarf aller "Sollinghütten" auf [5]

  • 840 Klafter 5 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 1.610 Klafter 3 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 1.610 Klafter "Schörholz" (Birkenholz)

Dem stand aber nur die per Kontrakt dem Hüttenpächter Friedrich Christian Wener Seebaß zugesicherte, budgetierte Holzmenge gegenüber:

  • 700 Klafter 5 füß. "buchenes Scheitholz" - minus 140 Klafter (- 17 %)

  • 1.073 Klafter 3 füß. "buchenes Scheitholz" - minus 537 Klafter (- 33 %)

  • 840 Klafter "Schörholz" - minus 770 Klafter (- 48 %)

Aus dieser Unterversorgung mit Holz resultierte die unternehmerische Konsquenz einer zeitlichen Beschäftigungseinschränkung.

Die Hüttenbelegschaft konnte nicht mehr während des ganzen Jahres beschäftigen werden.

Das bedeutete einen erheblichen sozialen Einschnitt, da die Glasmacher mit ihren Familien in Abhängigkeit von der forstlichen Holzzuteilung etwa 25-30 Wochen im Jahr ohne Einkommen blieben.[7]

Auch wird die zunehmende Verknappung von Buchenholz durch das Einschlagen "weicher" Laubholzarten, wie Birken und Erlen, verdeutlicht.

 

Hellentaler "Holzklafterer" "bei den Glashütten"

um 1782

Das Holz-Aufklaftern (amtliches Aufmessen zur Kostenfestellung) für den Glashüttenbetieb in Schorborn erfolgte durch besondere, vereidigte Klaftermeister, die von der herzoglichen Kammer (2/3) und dem Hüttenpächter (1/3) anteilig bezahlt wurden.

1782 ist neben zwei anderen "beeydigter Holzklafterer bei den Glashütten angesetzt" aus Schießhaus (Carl Schoppe, Heinrich Mund) Christian Friedrich Gehrmann (1747-1801) aus "Hellenthal" benannt [2] - mit einer Vergütung von 1 Reichsthaler und 4 Groschen je Klafter Schnittholz.[3]

 

___________________________________________________________

[1] BLOSS 1950a, S. 26.

[2] NÄGLER 2013; NÄGELER/WEBER 2004; BLOSS 1950a, S. 27.

[3] Klafter: historisches Längen-, Raum- und Flächenmaß, wobei das Holzklafter als ein Volumenmaß anzusehen ist mit regional unterschiedlicher Definition; hier vermutlich: 1 Klafter Holz = ca. 6 Raummeter.

[4] BECKER 1927, S. 68.69; OHLMS 2006, S. 11-12.

[5] BECKER 1927, S. 73-74; OHLMS 2006, S. 22.

[6] TACKE 1943, S.121-122.