Die Moorhütte im Hochsolling │ 1799-1829

Klaus A.E. Weber

 

Anlage einer Torfhütte "auf dem Mecklenbruch"

Die aus Gründen zunehmender Holzverknappung im braunschweigischen Solling am Hochmoor Mecklenbruch ("Ekerkenbruch") von Revisor Georg Christoph Seebaß (1734-1806), dem Pächter der Schorborner Glashütte, errichtete dritte Filialglashütte - die Torfhütte "auf dem Mecklenbruch" - nahm ab 1799 ihre Glasherstellung auf.

Der Hüttengründung beruhte auf der Überlegung, mit Hilfe von Torf, der in großer Menge auf dem Torfmoor Mecklenbruch "4 bis 12 Fuß tief" verfügbar erschien, energetisch günstig Glas herstellen zu können.

Die Torfhütte gilt als die letzte Glashüttengründung des hier betrachteten glashistorischen Abschnitts im braunschweigischen Solling.

Wie die Glashütte am Pilgrimsteich blieb auch die Moorhütte am Mecklenbruch ohne einen weiteren Siedlungsausbau.

 

Heute große rechteckige Wiese - Ehemals Glashüttenareal │ November  2015

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

1798/1803 - Grenznahe Errichtung "einer festen Hütte"

Unmittelbar am Grenzverlauf (mitten durch das Mecklenbruch) zwischen den Ländern Braunschweig und Hannover angelegt, stand die "Moorhütte", zunächst nur als Probeglashütte.

Unter kritischer Beobachtung der Hannoveraner stehend, führt der Oberförster Germann vom Amt Uslar in seinem Bericht vom 08. Juli 1799 gegenüber der Kammer in Hannover zur Probeglashütte aus:[6]

"... erlauben gnädigst folgendes pflichtschuldigst in Unterthänigkeit vortragen zu dürfen:

Im vorigen Jahr [1798] ist auf Braunschweigischer Seite nahe von der Amts Uslarschen Grenze am sogenannten Ekerkenbruche, auf Rechnung für die Herrschaft [?] eine grüne Glashütte angelegt, welche bloß mit Torf, so auf besagtem Bruche gestochen werde, befeuert werden sollte...

Also verfügte ich mich vor einigen Tagen dahin, um dieses neue Werk wie auch den Torfstich dabei in Augenschein zu nehmen.

Bei dieser Glashütte sind nun weiter keine Gebäude aufgeführt als die Hütte selbst, ein leichter mit Zaunbraken beflochtener Torfschupen ... nebst einigen Köhlerköthen, worin die Glasmacher und Torfstecher sich aufhalten."

Dem von der Kammer in Hannover angeforderten Bericht des Amtes Uslar vom 25. November 1799 ist zu entnehmen:[6]

"... daß die ... Glashütte auf dem Ekerkenbruch keiner besonderen Wohngebäude bedarf, sondern daß letztere [Hüttenarbeiter] zu gelegenen Zeiten vom Mühlenberge dahin gesandt werden und sich während dieser Zeit mit bloßen Köhlerhütten behelfen."

Optimistisch über seinen 1798 versuchsweise am Moor in Betrieb genommenen Probeglasofen gestimmt, hatte Revisor Georg Christoph Seebaß an die Fürstliche Kammer berichtet:[5]

"Da diese erste Probe nicht im kleinen, sondern vollkommenen Betriebs mäßig, wie es zu Jedermanns Augenschein und Zeugnis da steht, gemacht ist, indem 9  Glasmacher um den Ofen stehen und arbeiten, so lässt sich mit Gewissheit die Folge machen, daß wenigstens in einer Zeit von drey Menschenaltern es in hiesigen Landen nicht an der Feuerung zur Haltung der Glashütte fehlen wird ..."

Davon aber lies sich die Fürstliche Kammer fiskalisch nicht überzeugen.

Ein Jahr später, 1799, forderte Georg Christoph Seebaß im Rahmen der Voranschläge für die Moorhütte u.a. auch:[1]

  • Vorrichtung mehrerer Torfschuppen,

  • Erlaubnis zum Anbau für einige Fabrikanten gegen Ausweisung freien Bauholzes,

  • Gärten und Wiesen in der üblichen Größe,

  • Bewilligung von drei Freijahren für deren Urbarmachung,

  • Ausweisung und Begrenzung einer Viehweide für die Anbauer,

  • Gewährung von Bauvorschüssen

  • derselben Freiheiten, welche die Schorborner Hüttenleute genössen,

  • Verbot für jeglichen anderen Anbau bei der Hütte mit Ausnahme eines kleinen, durch den Pächter zu erbauenden Kruges.

Da die Glashütte "ein neues und nützliches Werk" darstelle, erlaubte schließlich Herzog Carl Wilhelm Ferdinand (1735-1806) mit Verfügung vom 26. März 1803, dass im Mecklenbruch eine Glashütte mit Torfschuppen und einem Wohnhaus für den Torfvogt, die Fabrikanten und die Buchführung auf Kosten des Pächters in Höhe von 2530 Thalern gegen Bezahlung von 16 Thaler für jeden Morgen Torf zu 120 Quadratruthen angelegt werden dürfe.

Dadurch entstanden nunmehr auf einer gerodeten Fläche von etwa 1,6 ha, durch die der "Rundweg Mecklenbruch" führt, am oberen Rand der heutigen Wiesenfläche die genehmigten Schuppen zum Trocknen des abgebauten Torfs, am hinteren (nördlichen) Wiesenende zwei Wohnhäuser (Fabrikantenwohnungen) und moorseitig das Glashüttengebäude mit den Ofenanlagen.[4]

Die Wasserversorgung erfolgte durch den "Kühnenborn", der damals Quellwasser in ausreichender Menge für die Hüttenbewohner*innen, die Glasherstellung und zur Viehtränke lieferte.

Eine Pachtdauer von 24 Jahren wurde vereinbart und im Falle der Pachtabgabe die Übernahme der Torfhütte durch die Fürstliche Kammer garantiert.

Letztlich konnte aber nur ein Teil der beschriebenen Forderungen von Georg Christoph Seebaß (1734-1806) verwirklicht werden.

Die weit im Solling abgelegene Torfhütte wurde nach Braunschweigisch-Neuhaus eingemeindet und nach Altendorf bei Holzminden eingepfarrt.

 

Ehemaliger Standort des Hüttengebäudes │ Dezember  2015

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

1802/1803

Die im Amt Allersheim gelegene Filialglashütte wird in der Beschreibung, die „Sr. Herzoglichen Durchlaucht Herrn Karl Wilhelm Ferdinand regierendem Herzoge zu Braunschweig=Lüneburg unterthänigst gewidmet“ ist, geographisch-statistisch von HASSEL/BEGE 1802 [3] und 1803 [2] dargestellt.

 

1802

Die Glashütte auf dem Meklenbruche, die Morhütte, nicht weit vom Neuenhause, ist seit 1799 wegen des Torfs auf dem Meklenbruche angelegt, und in diesem Jahre daselbst zuerst grünes Glas verfertigt.

Sie ist im Werden.“

 

1803

„Die Moorhütte, eine Glashütte auf dem Mekkenbruche, 2 ½ St. [Stunden] von Holzminden, welche wegen des dasigen Torfs seit 1799 angelegt, und worauf in diesem Jahre zuerst grünes Glas verfertigt ist.

Sie ist erst im Entstehen.

Der Mekkenbruch enthält einen vortreflichen Torf, der 1746 entdeckt, aber vor 1797, weil man Holz genug hatte, nicht benutzt wurde.

In diesem Jahre fing man den Torfstich an, und erbauete lurz darauf die Glashütte.

Der Moor enthält 90 Waldm. [Waldmorgen] 40 R. [Quadratruten] [= 300.606,8 m²].

Der Torf steht 4 bis 12 Fuß tief [= 1,14 – 3,42 m].

Die oberen Schichten sind dunkelgelb, und gehen in der Tiefe ins Schwarze über.“

 

Torfverwertung & Holz-Torfbefeuerung

Für den Glashüttenbetrieb wurde - alternativ zum traditionellen Buchenholz - zunächst ausschließlich Wurzeltorf von den 1739 entdeckten Torflagern am Moosberge verwendet, der ein „sehr gutes Flammenfeuer“ ergab.

Der Befeuerungsversuch mit dem "Ersatzbrennstoff" Torf erbrachte aber nicht den erhofften Erfolg und war letztlich zum Scheitern verurteilt.

Problematisch wurde es, als dem Ofenfeuer Holz beigeben werden musste.

Nach strikter Auflage der Fürstlichen Kammer durfte nur Stukenholz, d.h. Baumstümpfe vom Langenberg bis zum Vogelherd, verwertet werden, was einen immensen Arbeitseinsatz der Glasmacher nach sich zog.

Schließlich musste 1812 das Torfstechen im Mecklenbruch nach einem Verdikt des Königs Jérôme Bonaparte (1784-1860) eingestellt werden.

Das Herzogtum Braunschweig war in jener Zeit Bestandteil des napoleonischen Königreiches Westphalen, das von Jérôme Bonaparte von Kassel aus regiert wurde.

Nachdem 17 ha Torf abgebaut waren, musste die Glashütte ab 1812 zur reinen Holzbefeuerung mit Buchenholz übergehen.

Nach den Angaben des neuen Hüttenpächters Friedrich Christian Wener Seebaß (1769-1843), Sohn von Georg Christoph Seebaß, vom 20. August 1814 "benötigte in 20 Wochen bei gemischtem Holz-Torffeuer" die Torfhütte folgende Holzmenge [5]:

  • 60 Klafter 5 füß. "Scheitholz"

  • 100 Klafter 3 füß. "Scheitholz"

  • 100 Klafter "Schörholz" (Birkenholz)

Das Buchenholz stammte vom

  • Langenberg

  • Vogelherd

  • Hundebruch

  • Wildenbuchen

  • Eckernbruch.

 

1829 - Einstellung des Betriebes

Aufgrund des eingetretenen Holzmangels und insbesondere wegen des erfolglosen Experiments die Ofenbefeuerung ersatzweise mittels Torf vorzunehmen, wurde schließlich 1829 die Glasherstellung unter Friedrich Christian Seebaß endgültig eingestellt.

Nachdem bereits 1812 ein Wohnhaus am Moor abgebrochen worden war, wurden ab 1829 alle Hüttengebäude restlos abgetragen.

 

Hohl- & Flachglaswaren

In der abgelegenen Moorhütte wurden bei relativ gutem Absatz hergestellt:[6]

  • Flaschen

  • Trinkgläser

  • Medizingläser

  • "Duftstoff-Bouteillen"

  • Tintengläser

  • Fensterglas.

Anhand weniger oberflächennahen Funde des Autors lässt sich die Herstellung belegen von

  • Grün- und Braunglas (Flaschen)

  • farblosem Glas ("Weißglas") (Trinkgläser).

 

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[1] TACKE 1943, S. 140-141.

[2] HASSEL/BEGE 1803, S. 334-335 (10.).

[3] HASSEL/BEGE 1802, S. 165 (5).

[4] BLIESCHIES 2007, S. 143.

[5] BLIESCHIES 2007, S. 145.

[6] BLIESCHIES 2007, S. 146-147.