... im Hellental zu Gast bei "Vater Carl" Timmermann

Klaus A.E. Weber

 

Der vornehmlich als „Heidedichter“ bekannt gewordene, umtriebige Journalist, Naturfreund, Jäger und Schriftsteller hielt sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts öfter in der nordöstlichen Sollingregion auf.

So kam Hermann Löns bei seinen Fahrradausflügen auch nach Hellental, wo er bei seinen Kurzurlauben im dortigen Dorfkrug von Carl Timmermann (heute: LandHotel Lönskrug Hellental) logierte.

Von dem Wirtshaus an der Straße aus durchstreifte Löns die schöne Landschaft des offenen Hellentals und deren waldreiche Umgebung.

Von etwa 1905-1914 war er freundschaftlich mit der Familie der Timmermannschen Gastwirtschaft verbunden.

Dies belegt die aus Hannover am 14. Januar 1914 von Hermann Löns gesendete Postkarte an "Vater" Carl Timmermann I. und Familie junior in Hellenthal bei Merxhausen/Solling - "die schönsten Wünsche für 1914".

 

Dorfgasthaus von Carl Timmermann

Hermann Löns ließ sich gern im Dorfgasthaus von Carl Timmermann, dem Gastwirt des Dorfkruges, nieder und war zwischen 1905-1914 eng mit der Familie und Geschichte der „Timmermannschen Gastwirtschaft sowie insbesondere mit der des Hellentals verbunden.

In den Jahren um 1905-1913 soll sich Hermann Löns mit größeren zeitlichen Abständen und auch für längere Zeit in Hellental aufgehalten haben, wobei er stets im Dorfkrug von Carl Timmermann logierte.[1][6][7]

Um Pfingsten 1914 soll Löns letztmals den „Timmermannschen Gasthof“ besucht haben.[2]

 

Erhaltene Kopie der von Hermann Löns aus Hannover am 14. Januar 1914 an Carl Timmermann per Postkarte gesendeten Neujahrsgrüße

© Historisches Museum Hellental

 

Per Postkarte sendete Hermann Löns aus Hannover am 14. Januar 1914 Neujahrsgrüße an

"Carl Timmermann I. und Familie junior - in Hellenthal bei Merxhausen/Solling - die schönsten Wünsche für 1914, auch an Heinrich Mayer".[3]

Vom letzten Mollenhauer im Solling, dem hageren, hochgewachsenen Waldarbeiter, Mollen-/Muldenhauer „Meister“ Gehrmann aus Hellental ist bekannt, dass er mit Hermann Löns befreundet und ihm daher das Löns-Buch „Dahinten in der Heide“ mit persönlich zugedachter Widmung des Dichters die „schönste Köstlichkeit“ war.

„Meister“ Gehrmann war oft mit Hermann Löns in der grünen Waldeinsamkeit des Sollings unterwegs.

So berichtete Gehrmann auch davon, dass Löns abends „so gern auf der Bank vor irgendeinem Hause des bunten Dorfes gesessen und mit Vergnügen zugehorcht habe, wenn man sich ernste und heitere Jagd- und Wilderer-Geschichten erzählte“.[4]

Alles in allem könnte der populäre Journalist und Naturbeobachter Hermann Löns auch als „Entdecker” des Hellentals für den später folgenden Tourismus (Erholungsurlauber) angesehen werden.[5]

 

Fremdenverkehrsverzeichnis des Gasthofs

„Verräterische“ Einträge im Fremdenverkehrsverzeichnis des Gasthofs von Carl Timmermann [3]

  • 1913 weist es den Eintrag „April 1 - 4“ (1.-4. April) des 47jährigen Hermann Löns aus Hannover auf.

  • Mit dem Eintrag „Mai 10 - 14“ (10.-14. Mai) belegt wenige Wochen später seine letzte Lebensgefährtin ihr Verweilen im Gasthof – die 23jährige „Erna“ Sassenberg.

 

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

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[1] CREYDT 1988a, S. 55-58.

[2] Hermann-Löns-Blätter, Heft 2, 1988.

[3] Das im Original erhaltene Gästebuch befand sich 2005 im Privatbesitz der Familie Eckhard Prinz, Hamfelde/Hellental; seit 2000 ehemals Inhaber des traditionellen „Landgasthauses Lönskrug“ in Hellental. Als Dauerleihgabe der Fam. Prinz, >Lönskrug< befindet es sich seit 2007 im HISTORISCHEN MUSEUM HELLENTAL, Das im Original erhaltene Gästebuch befand sich 2005 im Privatbesitz der Familie Eckhard Prinz, Hamfelde/Hellental; seit 2000 ehemals Inhaber des traditionellen „Landgasthauses Lönskrug“ in Hellental.

[4] RINDFLEISCH 1938, FESSLER 1936.

[5] Anschauliche Einzelheiten zu Aufenthalten von >Hermann Löns im Solling< sind dem gleichnamigen Aufsatz von CREYDT in „Wilhelmbuschs Beziehungen zu Dassel - Hermann Löns im Solling“ [Dasseler Schriftenreihe, Heft 1, 1985; S. 31-38] zu entnehmen.

[6] LANDKREIS HOLZMINDEN 1986.

[7] KAMPA/ZÄNKER 2019, S. 82-84.