Der Weiler "Pilgrim" im Solling

Klaus A.E. Weber

 

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Vom Glashüttenstandort zum beschaulichen Wohnhaus

Das in der Gemarkung Heinade reizvoll versteckt in einem kleinen abgelegenen Seitental des nördlichen Sollings eingebettete Gebäudeensemble (Wohnhaus mit Nebengebäuden) „Pilgrim 1“ liegt inmitten kleiner Wiesen und Weiden.

Das heutige Pilgrim ist auf die 1775 errichtete "Pilgrimsteicher Glashütte" zurückzuführen, die bei der ersten Hüttenteilung der Glasmanufaktur Schorborn als Filial-Glashütte ("Grüne Hütte") im "Pilgrimsgrund" am "Pilgrimsteich" angelegt wurde.[3][4]

Letztlich erschöpften sich um den Pilgrimsteich allmählich die ehemals reichlichen Holzvorräte, so dass „Kurzarbeit“ eingeführt wurde und mancher Hüttenarbeiter zu auswärtigen Glashütten wechselte.

Nachdem 1842 der Glashüttenbetrieb endgültig eingestellt worden war, bestanden 1854 nur noch ein Wohnhaus mit 11 Bewohner*innen.

Im Gegensatz zur Dorfentstehung von Hellental, Schorborn und Mühlenbetg kam es in Pilgrim nicht zur Entwicklung einer dörflichen Siedlung aus einem Glashüttenstandort. [1]

 

"Die Pilgrims Grund" im "ABRIS DES SOLLINGS. Anno Christi 1603", gefertigt von Johannes Krabbe (1553-1616) [9]

NLA WO, K 202 Blatt 3

 

Der "Pilgrims Teich"

Auszug aus dem "Plan des Weser=Districts zum Herzogthum Braunschweig Wolfenbüttel" von 1768 von Johann Heinrich Daniel Gerlach

"Die Gerlachsche Karte des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel (1763-1775)" [8]

NLA WO, K 3 Blatt 5

 

"Die Pilgrims Grund" im "ABRIS DES SOLLINGS. Anno Christi 1603", gefertigt von Johannes Krabbe (1553-1616), ist ein nördliches Sollingrandtal, gelegen onberhalb des Dorfes Heinade.[9]

Am Ende des Tals befindet sich noch heute ein kleiner Naturteich.

Bereits um 1600 wurde im Fürstenberger Erbregister ein "Pellegrinusborn" (Pellegrinusquelle) erwähnt [2], eine historische Benennung, aus der sich vielleicht die spätere Bezeichnung Pilgrim ableiten lassen kann.

Ursprünglich von der Quelle "Pilgrims Born" gespeist, könnte der ehemalige "Pilgrimsteich" nordöstlich von Schießhaus zur Fischzucht gedient haben, wobei es allerdings unbekannt ist, wann, von wem und wozu er angelegt wurde.

In der topografischen Solling-Karte von 1603 wird "Die Pilgrims Grund" als offenes, aber unbesiedeltes Wiesental mit einem Fahrweg dargestellt, flankiert von den Fluren "Der Steinla" und "Im Farkensiik".

Im 18. Jahrhundert ist der "Pilgrims Teich" in der "Gerlachschen Karte des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel (1763-1775) kartiert.[8]

Die Kartografien legen nahe, dass der "Pilgrimsteich" einst erst neuzeitlich zwischen 1600 und 1760 angelegt wurde.

1971 wurde Pilgrim im Rahmen der Kommunalreform nach Heinade eingemeindet.

Zur Geschichte von Pilgrim geben Veröffentlichungen von TACKE [1], BLOSS [2], RAULS [7] und BLIESCHIES [3] einen kurz gefassten Überblick.

 

Ortsnamen 

  • um 1600: "Pellegrinusborn"

  • 1603: "Die Pilgrims Grund" (KRABBE)

  • um 1763: "Pilgrims T"(eich) (GERLACH)

  • 1793 als Weiler bezeichnet

  • 1836: "Pilgrimsberg" [10]

In dem Atlas des Gottfried Mascop [5] aus dem Jahr 1574 besteht kein Hinweis auf Pilgrim.

Weitere lexikalische Angaben finden sich bei CASEMIR/OHAINSKI [4].

 

Der pentagonale Pilgrims-Teich │ 1756 [6]

 

"Übrigens Pilgrim"

Nach der Schließung der Grünglashütte im Jahr 1842 dürften bald die Hüttengebäude leer gestanden haben.

Nach und nach wurden sie dem Abbruch freigegeben und Material bei Neuerrichtung von Bauten in den umliegenden Dörfern verwendet.[11]

Zurück blieb als einziges noch bewohntes Gebäude das Haus der Glasmacherfamilie Stender.

Nur wenige Jahre später berichteten die  die beiden Holzmindener Forstbeamten Wolff und Uhde am 20. Februar 1845 an die Cammer-Direktion der Forsten und Jagden;

"... Bei Pilgrim exixtiert gegenwärtig nur noch ein bewohntes Haus, nämlich dasjenige des P. Stender, worin auch noch einige Miethlinge wohnen.

Wir halten unmaßgeblich für zweckmäßig, daß dem P. Stender die sämtliche bei Pilgrim belegenen ... Herrschaftlichen Grundstücke ... gegen Entrichtung eines Locarii von 2 Pfennigen pro Quadratruthe bis Ostern 1847 ... verpachtet werden ..."[11]

1859 schlägt der Oberförster Schiedendüfel als Nachfolger des Holzmindener Forstbeamten Wollf der herzoglichen Kammer vor, das alte Pilgrimer Haus der Familie Stender aufzukaufen, um eine Dienstwohnung eines Forstschutzbeamten (staatlicher Forstaufsehers) einzurichten, "da übrigens Pilgrim seiner Lage nach zur Station eines Forstschutzbeamten ganz besonders sich eignet ..."[11]

Dem Bericht der "Herzoglichen Braunschweig.-Lüneburg. Bau=Direktion" vom 30. Mai 1853 an die "Cammer=Direktion der Forsten" ist zu entnehmen: "... übersenden wir einen von dem Kreisbaumeister Haarmann zu Holzminden ... erstatteten Bericht nebst einer Gebäudebeschreibung ... mit dem dienstergebensten Bemerken, wie wir die Aequisition der fraglichen Gebäude ihres sehr mangelhaften baulichen Zustandes ... wegen nicht empfehlen können ..."[11]

 

Staatliche Forstaufseher in Pilgrim 1861-1872

Ab 1861 werden einige Räume im Haus der Familie Stender an staatliche Forstaufseher ermietet.

  • ab 1861 an den Forstaufseher Flügge für jährlich 30 Thaler

  • Forstaufseher Heinrich Friedrich Ahlborn (* 1811 in Allersheim), auch Grenzaufseher in Merxhausen [12]

  • Forstaufseher Carl Friedrich Wilhelm Hempel (* 1837 in Grünenplan │ † 1916 in Hellental), verlegte 1872 seinen Wohnsitz nach Hellental, womit die Zeit staatlicher Forstaufsehe im "Pilgrimsgrund" endete.

 

LGLN Historische Karte (um 1900)



[1] TACKE 1943, S. 139-140.

[2] BLOSS 1950, S. 31-32.

[3] BLIESCHIES 2007, S. 55-61.

[4] CASEMIR/OHAINSKI 2007, S. 172-173.

[5] OHAINSKI/REITEMEIER 2012.

[6] KRAATZ 1975.

[7] RAULS 1983, S. 319.

[8] ARNOLDT/CASEMIR/OHAINSKI 2006.

[9] Edition: ARNOLDT/CASEMIR/OHAINSKI 2004.

[10] Mitte 1836 findet sich in den „Braunschweigischen Anzeigen“ die Bezeichnung "Pilgrimsberg".

[11] BLIESCHIES 2007, S. 60.

[12] NÄGELER/WEBER 2005 Ziff. 4.