Museumshaus im Nachhaltigkeits-Dreieck

Klaus A.E. Weber

Nachhaltigkeits-Dreieck

 

SOLLINGHAUS Weber│Museum der Alltagskultur

Gemäß der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vereint das Nachhaltigkeits-Dreieck verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit [1] und verbindet ökologische Faktoren mit ökonomischen und sozialen Aspekten.

Im Gegensatz zu heutigen Neubauten, bei denen von einer Nutzungsdauer von rund 50 Jahren ausgegangen wird, zeichnet sich das freistehende Gebäudeensemble mit dem 1884 wieder errichtenen Fachwerkhaus (Haupthaus) durch Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit aus.

 

Südwestansicht des Museumshauses "Sollinghaus" vor und nach der umfassenden Sanierung und Umnutzung [3]

                

Das in privatem Eigentum zum Museumshaus »SOLLINGHAUS Weber│Museum der Alltagskultur« umgewidmete Gebäudeensemble setzt im nachhaltigen Umgang mit unserem kulturellen Erbe auf nachwachsende und möglichst regionale Materialien sowie auf den sorgfältigen Einsatz traditioneller handwerklicher Techniken von Handwerker*innen der Region.

 

 

Vorgefundene Baumaterialien

Meist verwendete regionale Roh-/Baustoffe in dem historischen Fachwerkbau:

  • Eichen- oder Nadelholz als tragende Fachwerkkonstruktion, Treppen, Klappen, Türen und Tore

  • Baukalk (Putze und Anstriche im Innenbereich)
  • Stroh als Zuschlag für Lehm

  • Sollingsandstein für das Sockelmauerwerk sowie als Wandbehang und Fußbodenbelag (die ursprüngliche traditionelle Dacheindeckung aus "Sollingplatten" wurde in den 1980er Jahre durch moderne Betondachsteine "Frankfurter Pfanne" der Firma Braas Dachsystem ersetzt)

 

Eichen-Stein-Fachwerk mit schlichtem Backsteinmauerwerk und "Sollinger Sandsteinplatten" │ Mai 2019


Freigelegtes Außenmauerwerk aus geschichteten Lehm-Stroh-Ziegeln │ Mai 2019

 

Erhaltungs- & Reparaturmaßnahmen - handwerklich & abwechslungsreich

Im bewußten Umgang mit den vorgefundenen Ressourcen galt es bei der umfassend eingeleiteten Sanierung und Umnutzung, einerseits bei den Baumaßnahmen fachgerecht weitgehend natürliche und regionale Baustoffe zu verwenden und andererseits museumsspezifische Nutzungsanforderungen zu berücksichtigen.

Hierbei waren die denkmalpflegerisch-bautechnischen Feststellungen, Handlungsempfehlungen und das spezifische Sanierungsschema im Inspektionsbericht des Monumentendienst Weserbergland hilfreich.[2]

Verwertbare bestehende bzw. gelagerte historische Bauteile, wie die Kassettentür im Eingangsbereich sowie die Holztreppe, die Flügelfenster mit durch Holzsprossen unterteilter Originalverglasung (Sprossenfenster), die Kassettentüren der Innenräume des Wohnhauses von 1884, das große Scheunentor (um 1900) und ein Stallfenster (um 1930) sowie die Tritt- und Setzstufen der Holztreppe mit Gebrauchsspuren wurden aufgearbeitet, überarbeitet und wiederverwendet.

Die beiden innerhalb der hofseitgen Fassade sekundär eingebauten "Außenfenster" aus profilierten Glasbausteinen aus Klarglas (1960/70er Jahre?) wurden zwar aus bau- und glashistorischen Gründen erhalten, aber von außen durch eine Holzverkleidung verblendet.

Der moderne Garagenanbau wurde entfernt und somit die vorbestehende, gepflasterte Gasse ("Gazze") als privater Weg wieder hergestellt.

Die sekundäre, funktionstüchtige Dackdeckung mit Betonziegeln "Frankfurter Pfanne" aus den 1980er Jahren wurde beibehalten.

 

Bautechnisch sanierte Ladeluken im verputzten Dachgeschoss des Wohnhauses und der hofseitigen Scheune mit Backsteinmauerwerk

 


Neues Nutzungskonzept

Der private Erwerb des historischen Fachwerkgebäudes (Gebäudeensemble) im Juni 2013 beugte einem drohenden Leerstand und möglichen Verfall der Bestandsbauten vor, wobei zu deren Erhalt, zur Inwertsetzung und zur Beseitigung von Baumängeln und diverser Schäden

  • eine denkmalpflegerisch-bautechnische Bestandsaufnahme mit Untersuchung der Fassaden, des Daches und der Dachaufbauten, des Kellers und der Innenräume des Hauptgebäudes [2]
  • eine innovative Umnutzung der vorhandenen alten Bausubstanz

  • ressourcenschonende Umbau- und Rückbaumaßnahmen
  • Sofortmaßnahmen und schützende Anbaumaßnahmen [2]

notwendig waren.

Kritisch anzumerken wäre, dass die südöstliche Giebelseite mit grauen Faserzementplatten ohne Fehlstellen verschindelt ist, die bei intakter Konstruktion bislang nicht zurückgebaut wurden.

Die in den Folgejahren anhand des Untersuchungsberichts des Monumentendienstes Weserbergland [2] aufgenommene Sanierung und Umnutzung bestehender Wohn- und Wirtschaftsräume zu einem attraktiven regionalen Museum war primär an einem kulturellen, gesellschaftlichen Mehrwert gemeinwohlorientiert.

So werden die sanierten, vollgeschossigen Wohn- und Wirtschaftsräume für Ausstellungs- und Aktionszwecke zu den ThemenRäumen WALD│GLAS│DORF als Wissensspeicher ausgestaltet, um regionales Wissen um Geschichte und Architektur weiterzugeben.

Das nicht ausgebaute Dachgeschoss wird als Ausstellungsraum und als Magazin für Archivgut (archäologische und historische Sammlungsobjekte) genutzt.

Die neue kreative Nutzung als Ausstellungs- und Aktionshaus sichert den langlebigen Erhalt des einmaligen historischen Gebäudeensembles in Hellental und macht es zu einem "Denkmal von morgen".

 

Energiekonzeptionelle Maßnahmen

Zur Einsparung von Energie und Emissionen werden unter Berücksichtigung der historischen Bausubstanz energetische Sanierungen durchgeführt und das Gebäudeensembles CO2-neutral betrieben.

Dabei dient im Rahmen einer naturnahen Sanierung die teils großflächige Holzverbauung als CO2-Specher.

Die traditionelle Beheizung des Kücheneinzelofens und der beiden Kachelöfen mit Festbrennstoffen (Kohle, Holz) wurde durch deren Stilllegung eingestellt, hingegen aber die in der ersten Etage vorhandene elektrische Speicherheizung (Nachtspeicherheizung) beibehalten.

 

Bautechnisch sanierte hofseitige Wohnhausfassade │ April 2020

Wandbehang mit Sollingplatten und Holzverkleidung

 

Regionale Handwerksbetriebe

Auf der Grundlage fachgerechter Beratungen, kreativer Vorschläge und einer sorgfältigen handwerklichen Umsetzung wurde mit folgenden regionalen Meisterbetrieben zusammengearbeitet:

  • Dach- und Wandbehangarbeiten: Kohlenberg Dachdeckerfachbetrieb, Meisterbetrieb in Dielmissen

  • Elektrotechnische Arbeiten: Friedhelm Schmidtmann Elektrotechnik, Meisterbetrieb in Deensen

  • Fassaden- und Innenanstriche, Tapezierarbeiten: René Klemmer, Meisterbetrieb in Hellental

  • Innenausbau und Tischlereiarbeiten: Das mit der Regionalmarke „Echt Solling-Vogler Region im Weserbergland“ ausgezeichnete Handwerksunternehmen Tischlerei Walter Keitel, Meisterbetrieb in Lenne
  • Sanierungs-, Putz- und sonstige Maurerarbeiten: Bauunternehmen Ralf Becker, Meisterbetrieb in Stadtoldendorf

  • Sanitär- und Klempnerarbeiten: André Oberg, Fachbetrieb für Bäder, Sanitär- und Heizungstechnik, Meisterbetrieb in Heinade

  • Zimmereiarbeiten: Jörg Kettler Zimmerei – Innenausbau, Meisterbetrieb in Dassel

 

Fotografien:

© Klaus A.E. Weber, Hellental

© Mechthild Ziemer, Stadtoldendorf

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[1] Das Prinzip der Nachhaltigkeit gründet sich auf die mitteleuropäische Forstwirtschaft.

[2] Monumentendienst Weserbergland │ Inspektionsservice für regionaltypische Gebäude in der SOLLING-VOGLER-REGION │ Untersuchungsbericht (nach visueller Inspektion) │ Gebäude Lönsstraße 6, 37627 Hellental │ Untersuchungsbereich Hauptgebäude │ Auftraggeber: Dr. Klaus Weber, Sollingstr. 17, 37627 Hellental │ Ausführung: Björn Toelstede, Restaurator im Zimmerhandwerk i. A. │ Juli 2013.

[3] Veröffentlichung der Bildaufnahme vom Juli 2019 mit freundlicher Genehmigung von „Die Stadtfotografen │ Mechthild Ziemer │ Stadtoldendorf“ am 15. Januar 2020.