Ordentliche Holthauers & Kailbuils in den Sollingforsten

Klaus A.E. Weber

 

Sonderausstellung im SOLLINGHAUS Weber 2019/2020

 

Hellentaler Waldarbeiter mit ihren Waldarbeiterwerkzeugen bei Helmstedt │ 1913

 

Raum 1.2 Vollbrecht

Traditionelle Hellentaler Waldarbeiter-Werkzeuge - zum Fällen, Entrinden, Sägen, Nummerieren, Messen & Verladen – seit 1880

Folgende Waldarbeiterwerkzeuge wurden in der Zeit der Walderneuerung um 1900 und während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur forstwirtschaftlichen Pflege und Nutzung des Waldes im Solling eingesetzt:


▷ Arbeitssicherheit

  • Forsthelm ~ 1980 │ Gesichts- & Gehörschutz bei Kettensägearbeiten

 

Äxte

  • Fäll-/Forstäxte ~ 1950 │ zum Fällen, Entasten und Spalten von Baumstämmen

 

Sägen

  • Einmann-Kettensäge mit Ottomotor │ Typ Rex SOLO │ 1958 │ 13,5 kg Eigengewicht [1]

  • Handsägen ~ 1950 │ zerspanende Werkzeuge zur Entastung

  • Latten-Handsäge ~ 1880 │ zum Herstellen von Holzlatten

  • Dreieckszahn-Zugsäge ~ 1950 │ Blattsäge für den Fällschnitt

  • Hobelzahn-Zugsäge ~ 1900 │ Blattsäge für den Fällschnitt

 

▷ Meß- & Markierungswerkzeuge

  • „Aufrisser“ ~ 1900 │ zum Vermessen von Baumstämmen

  • Mechanische Kluppe ~ 1920 │ zur Ermittlung des Durchmessers von Rundholz

  • Nummerierschlägel ~ 1950 / „Waldhämmer“ ~ 1900 │ Markierwerkzeuge zum Kennzeichnen von Holz

  • Reißhaken (Risserzeichen) ~ 1900 │ zum dauerhaften Markieren von Holz

 

Forstkultur

Baumpflanzerin mit Eichensetzling in den Händen

Rückseite der populären 50-Pfennig-Münze (Modell: Gerda „Jo“ Werner (1914-2004))

Symbol für Wald- und Forstarbeiterinnen │ Symbol für die Hoffnung auf Frieden und Wohlstand

Erstprägung 1949 │ Prägung 1990

 

▷ Geräte zur Winkel- & Hackenschlagpflanzung

  • Wiedehopfhaue mit ovalem Blatt ~ 1900 │ Pflanzhacke zur Kulturarbeit (Baumpflanzung)

  • Loch-Hacke /Schrägpflanzhacke ~ 1900 │ zur Bodenbearbeitung und Hauen des Pflanzloches

  • Hebbe (Hibbe) ~ 1900 │ Pflanzgerät zum Ausasten und Zerkleinern

 

Nach der Baumfällung

  • Wendehaken/Wendebaum ~ 1900 │ Packhaken zum Anheben und Transport kleinerer Baumstämme

  • Schäleisen ~ 1950 │ zum manuellen Entrinden und Entasten von Holzstämmen

  • Eisen-Klammern für gefällte Wertholzstämme │ Nachbildungen

 


 

Raum 2.2 Dorfgeschichte

Die Geschichte des lang gestreckten Hellentals im Solling wurde vom Mittelalter bis zur Gegenwart maßgeblich von der verschiedenartigen Wald- und Holznutzung und deren besonderen Geschichte geprägt.

Als man im späten 18. Jahrhundert in den braunschweigischen Staatsforsten verstärkt Waldarbeiter benötigte, wurden solche auch in der „Merxhäuser Forst“ angesiedelt – systematisch in der seit 1753 im Ausbau befindlichen „Colonie im Hellenthale“.

Mit insgesamt rund 240 Männern imponierte im Zeitabschnitt des 18./19. Jahrhunderts die Erwerbsarbeit als Holzhauer, Holzschläger, Holzschieber oder Waldarbeiter.

Die Forstarbeit der Kleinstellenbesitzer war somit das für Hellentaler Familien maßgeblichste Hauptgewerbe.

Hierhin ist zugleich auch die bis heute gebräuchliche Kennzeichnung von Hellental als „Waldarbeiterdorf“ begründet, was sich nicht zuletzt auch im Gemeindewappen von Hellental in Form eines stilisierten Fichtenbaumes widerspiegelt.

Die Werkzeuge eines „ordentlichen Holthauers" und „Kailbuils“ (Waldarbeiter) jener Zeit umfassten Säge, Axt, Schäleisen und Keile.

Bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts wurde ausschließlich die Axt als wichtigstes Holzhauer-Werkzeug zum Baumfällen eingesetzt, zur Mitte des Jahrhunderts allmählich die Zwei-Mann-Zug- oder Bogensäge.

 

 


[1] Restaurierte Leihgabe von Andreas Heppner,  Höxter │ 2000.